Startseite MAZ
Volltextsuche über das Angebot:

18 Sommerlöcher

Minigolfwissen mit Uwe Janssen 18 Sommerlöcher

Es gibt eine Spargelzeit, es gibt eine Grünkohlzeit. Und es gibt eine Minigolfzeit. Die ist irgendwo zwischen Spargel und Grünkohl, je nach Region und Ferienlage.

Hannover 52.3758916 9.7320104
Google Map of 52.3758916,9.7320104
Hannover Mehr Infos
Nächster Artikel
Der Schreibtisch

Was meist als entspanntes Familienvergnügen in Ferienregionen geplant ist, birgt ein nicht zu unterschätzendes Frustpotenzial: Minigolf.

Quelle: Fotolia

Hannover. Es gibt auch Menschen, die spielen außerhalb der Minigolfzeit Minigolf, aber solche gibt es beim Spargel ja auch. Dass Minigolf in Deutschland neben Maxigolf und VW Golf immer noch die Golfnummer drei ist, hat mit drei Dingen zu tun.

Erstens: Wer schreibt? Beim Minigolf gibt es zwei wesentliche Interessen. Erstens: Spielen. Zweitens: Zeigen, wie es geht, in Tateinheit mit Klugscheißen. Das Schreiben, also das akribische Festhalten des Spielstandes auf einem Klemmbrettzettel aus dem Jahr 1952, ist unbeliebt und gilt besonders bei Klugscheißern, die statt Klugscheißer den Begriff “Parcourscoach“ bevorzugen, als niedere Tätigkeit. Schließlich gilt es vor dem nächsten Loch Hanglage und Windrichtung auszuloten, da kann man sich nicht mit Sekretärsarbeiten aufhalten.

Unspielbare Randlagen

Zweitens: Das Ablegen von der Bande. Obwohl es eigentlich eindeutige Regeln für das Spiel gibt, auch für unspielbare Randlagen des Balles, zeigt sich in der Auslegung der Bandenregel der Charakter im Wettkampf. Spaßspieler legen großzügig bis zu einer ganzen Schlägerlänge ab.

Wer möchte, dass sein Kind ein ebenso erfolgreicher Minigolf-Klugscheißer wird wie er selbst, pocht selbst bei Fünfjährigen auf penible Einhaltung des Regelwerks und bewertet anschließende Heulattacken als abhärtend und vorübergehend.

Rohe Gewalt an der Sprungschanze

Drittens: Die Bahn mit dem Netz. Hat auch alles andere einigermaßen geklappt, am Loch mit dem Netz scheiden sich Spreu, Weizen, Geister, Ehen. Nirgends auf der Welt werden die Sätze “Och nee, ne?“ und “Das geht doch gar nicht!“ so oft gesprochen wie vor dem Loch mit dem Netz, das bei Kennern Sprungschanze heißt.

Männer, die an anderen Bahnen ausufernde Vorträge über Einfallswinkel und Ausfallswinkel zu halten pflegen, versuchen es hier spätestens ab Versuch drei mit roher Gewalt. Ohne die Auffangvorrichtung im Hintergrund würde mancher Ball im nächsten Dorf oder in der Ostsee landen, selbst wenn man an der Nordsee Urlaub macht. Wer dabei jemanden trifft, wird eingelocht. Ehrensache.

Von Uwe Janssen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kolumnen