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Mein Arzt, der Klempner

Weiterbildung mit Uwe Janssen Mein Arzt, der Klempner

Angesichts des Ärztemangels soll der Numerus Clausus für Medizinstudenten fallen. Das eröffnet auch anderen Berufsgruppen ganz neue Perspektiven.

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Schulische Leistungen machen keinen guten Arzt, sagen die Gegner der Zugangsbeschränkung. Sehr richtig, sagen ambitionierte Installateure.

Quelle: Fotolia

Hannover. Herzoperationen gelingen am besten am Nachmittag. Haben britische Forscher gerade herausgefunden. Was das im Umkehrschluss bedeutet, möchte man eigentlich gar nicht genauer wissen, aber der Laie, der im Schichtplan um 9 Uhr morgens aus dem Zimmer gerollt wird, neigt bei solchen Nachrichten dazu, sich noch etwas herzlicher von den Bettnachbarn zu verabschieden.

Auf dem Land kann man ja heutzutage froh sein, wenn man überhaupt operiert wird von einem, der das schon mal gemacht hat. Um dem Ärztemangel Herr zu werden, soll nun der Numerus Clausus abgeschafft werden. Schulische Leistungen machen keinen guten Arzt, sagen die Gegner der Zugangsbeschränkung.

Potenzielle Ärzte in verwandten Berufen

In der Tat ist die Dunkelziffer der potenziellen Ärzte, die in technisch durchaus verwandten Berufen wie Klempner, Mechatroniker oder Näher arbeiten, immens. Wenn der Numerus Clausus fällt, wäre das nicht nur die Chance für Schüler mit Stärken in Erdkunde und Sport, aber acht Staffeln “Dr. House“ in Originalsprache auf dem Konto.

Es wäre auch die Möglichkeit der Rückführung missgelaunter Gas-Wasser-Installateure in ihren eigentlichen Traumberuf. Mit speziellen Studien- oder Workshopangeboten könnte der Quereinstieg unter Berücksichtigung der in hunderten häuslicher Sanitäreinrichtungen erworbenen Fähigkeiten erleichtert werden.

Denn erstens hat man mit Gas-Wasser-Scheiße in beiden Berufen zu tun, und zweitens haben Patienten auf dem Land möglicherweise sogar mehr Vertrauen zu Fachleuten, die ihren Abfluss mehrfach erfolgreich transplantiert haben und zudem ihre Sprache sprechen.

Meister der Improvisation

Außerdem sind viele Handwerker Meister der Improvisation, was bei mäßig ausgestatteten Landarztpraxen oder Krankenhäusern hilfreich sein könnte. Was nützt es dem chemiebegabten Jungmediziner, wenn am Ende der Narkose noch ziemlich viel Operation übrig ist und ein gut ausgestatteter Putzschrank die einzig greifbare Alternative? Da hat der Sanitärfachmann meilenweite Vorteile.

Wenn der- oder diejenige dann zudem noch die Serien “Dr. House“ und “Scrubs“ gesehen hat, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Eine britische Studie dazu steht noch aus.

Von Uwe Janssen

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