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Underberg im Telefon

Leserbriefschau mit Imre Grimm Underberg im Telefon

Es ist ein beruhigendes Gefühl, nicht allein zu sein. Auf weiter Flur. Auf hoher See. Oder mit seltsamen Marotten.

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Bratkartoffeln Klingen wie der Applaus einer größeren Menschenmenge in Radio und TV, achten Sie mal darauf.

Quelle: iStockphoto

Hannover. Es scheint noch mehr Menschen auf der Welt zu geben, die die verwirrende Erfahrung kennen, dass bestimmte Geräusche (der Warnton beim Schließen der Türen der Pariser Schnellbahn RER) an andere, völlig sachferne Geräusche erinnern (in diesem Fall: den Anfang von “Sloop John B.“ von den Beach Boys), wie in der vergangenen Woche an dieser Stelle erwähnt.

Da schreibt mir etwa Herr W. aus G.: “Die beiden Töne, mit denen die Basis meines neuen Telefons das Auflegen des Sprechteils quittiert, sind exakt die ersten beiden Töne des Werbeklassikers ’Komm doch mit den auf den Underberg‘ (Colonel Bogey March).“ Sein Alkoholkonsum sei seitdem so angestiegen, schreibt Herr W. weiter, dass das Geld nicht für ein neues Telefon reiche. “Ein Teufelskreis!“

Von Brot und “Psycho“

Herr B. aus K. berichtet nicht minder Verstörendes: “Mein Palm Pilot aus den Neunzigern hat beim Anschließen an den Computer die ersten Töne der Bläser von ’She Caught The Katy‘ aus dem Soundtrack der “Blues Brothers‘ gespielt.“ Sowohl Herrn N. aus K. als auch Herrn W. aus H. erinnert das Tschack-tschack-tschack der Brotschneidemaschine bei Kaufland respektive Lidl an die Messerstiche in der Duschszene in Alfred Hitchcocks “Psycho“. Eine eher irritierend-blutige Assoziation beim Broterwerb.

Leserin L. hingegen teilt bedauernd mit, dass sie trotz mehrfachen “Kontrollpinkelns“ weder “Leise rieselt der Schnee“ noch “We Will Rock You“ gehört habe. “Nix! Mag sein, dass mir als Frau die erforderliche Fallhöhe fehlt.“

Zeitreisen und Rasenmäher

Frau H. aus H. fühlt sich beim Öffnen und Schließen der Schublade ihres DVD-Players akustisch an die Zeitmaschine Tardis aus “Dr. Who“ erinnert. Frau S. aus W. wiederum findet, dass ihr Handrasenmäher an die Tardis aus “Dr. Who“ erinnert. Womit wir festhalten dürfen, dass der DVD-Player von Frau H. so ähnlich klingt wie der Handrasenmäher von Frau S., obwohl sich beide gar nicht kennen. Verrückt.

Frau K. aus L. denkt beim Applaus einer größeren Menschenmenge in Radio und TV an das Brutzeln von Bratkartoffeln in der Pfanne. Herr B. aus D. schließlich schließt sein Schreiben mit einem Wort von Angela Merkel, dem auch mit Blick auf die Selbsterfahrungsberichte der geneigten Leserschaft nichts hinzuzufügen ist: “Gut, weiter so!“ Wer solche Leser hat, braucht keine Drogen. Applaus! Beziehungsweise: Bratkartoffeln für alle! Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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