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Uns bleibt immer Paris

It-Girl-Fragen mit Imre Grimm Uns bleibt immer Paris

Es gab eine Zeit, in der man es gar nicht vermeiden konnte, immerzu über die Eskapaden Paris Hiltons informiert zu sein. Sie war mit ihrer Mitteilsamkeit früh dran – und das Vorbild für Millionen permanente Statusupdater.

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Was macht eigentlich Paris Hilton?

Quelle: AdMedia

Hannover. Was macht eigentlich Paris Hilton? Man hört ja gar nichts mehr. Nicht, dass ich das bedauern würde. Ich kann sehr gut damit leben, nicht zu wissen, was Paris Hilton gerade macht. Aber ich dachte irgendwie, dass Paris Hiltons Geschäftsmodell voraussetzt, dass alle Welt zu jedem Zeitpunkt darüber informiert ist, was Paris Hilton gerade macht, und da gehöre ich ja nun auch dazu. Mir hat aber wieder keiner was gesagt!

Vielleicht ist sie ja schon im It-Girl-Ruhestand – wegen vorzeitiger Bindegewebsschwäche oder Sinnsehnsucht oder unkontrollierbaren Scham-Attacken. Das Letzte, was ich über sie las, war, dass sie jetzt nicht mehr blond ist, sondern brünett. Die Welt machte allerdings keinerlei Anstalten, angesichts dieser frisurellen Breaking News aus den Angeln zu fliegen.

Schrumpfender emotionaler Arbeitsspeicher

Es ist ja oft ein Zeichen für innere Unruhe, wenn eine Frau die Umgestaltung des Schädelrestfells in Erwägung zieht. Meist kennzeichnet ein neues Hornfadenarrangement den Abschluss oder Neubeginn einer Lebensphase. Ich will da nicht zu viel hineingeheimnissen, schließlich weiß ich nicht viel über Paris Hilton. Das haben wir aber wenigstens gemeinsam: Sie weiß auch nicht viel über mich.

Grundsätzlich weiß man von viel zu vielen Menschen, was sie gerade machen. Es gibt einfach immer mehr Menschen, die einem ungefragt mitteilen, was sie gerade machen und wo sie sind. Während die Weltbevölkerung unaufhörlich zunimmt, schrumpft mein emotionaler Arbeitsspeicher.

Cool ist, nicht zu verraten, was man macht

Ich verfüge inzwischen nur noch über genügend Kapazitäten, zur Kenntnis zu nehmen, was drei bis fünf Menschen gerade machen. Immer öfter kommt es vor, dass ich nicht mal mehr weiß, was ich selbst gerade mache oder wo ich bin. Da ist es ganz schön, wenn sich Paris Hilton ein wenig zurücknimmt und mein System nicht überlastet.

Wahrscheinlich ist es als Nächstes cool, nicht zu verraten, was man gerade macht. Das Blöde ist nur, dass Paris Hilton das dann niemand nachmachen kann, weil sie ja niemandem mitteilt, dass sie gerade niemandem mitteilt, was sie gerade macht. Ich kann das aber gern für meine Freundin Paris übernehmen. Also: Paris Hilton teilt nicht mit, was sie gerade macht. Das ist cool. Bitte macht es alle so. Mein Arbeitsspeicher und ich danken. Schönes Wochenende!

Von Imre Grimm

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