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Kolumnen Urlaubsziele III: Städte
Sonntag Kolumnen
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20:00 04.08.2017
Immer beliebter: Städtereisen. Dabei kann man mit Städten fürchterliches Pech haben. Quelle: Fotolia
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Hannover

Bei der Wahl meiner Reiseziele habe ich eine erschreckend hohe Trefferquote im Bereich “Städte, die man unbedingt nicht gesehen haben sollte“. Immer wieder verschlägt es mich in brackige Behausungsanballungen, die kein Dichter jemals in Dithyramben gießen wird.

Elende Löcher voller Deichmann-Filialen und Matratzen-Outlets, in denen Dümpelfriede mit seltenen Infektionskrankheiten durch die Gassen schleichen. Orte ohne Gott, die aussehen wie aus Fimo gebastelt. Ich will keine Namen nennen, denn die Heimatliebe macht vor den erbarmungswürdigsten Kuhbläken nicht halt. Sie wissen, was ich meine. Sie kennen diese Wohn-Oktolyten mit gefährlich preiswerten Fischrestaurants.

Die Definition von “Stadt“ ist umstritten, seit der amtierende US-Präsident auch Belgien für eine Stadt hält. Außerhalb von Donald Trumps Gehirn freilich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Städte keine Hauptstadt haben, sondern höchstens selber eine sind. Aber selbst Metropolendimensionen schützen nicht vor Mittelmäßigkeit. Los Angeles zum Beispiel ist so hässlich, als hätte es ein bekiffter Surflehrer mit “Sim City 3000“ entworfen.

Ehrenrettung von Paderborn

Natürlich gibt es wundervolle Städte. Kürzlich hat mich Kiew positiv überrascht – eine Stadt, die ich bis dahin für eine postsowjetische Steinwüste gehalten hatte. Weit gefehlt. Kiew ist Paris ohne arrogante Kellner.

Städtereisen sind total im Trend. Freitagmittags reißt es die Menschen an die Flughäfen, um 48-stündige Pärchenwochenenden an einem “romantischen Ort“ zu verbringen. Oder eben in Paderborn. Ein urbanes Unglück, dessen Bewohner sich emotional nur mühselig über Wasser halten mit der Gewissheit “Woanders ist auch scheiße“. Dreihasenfenster hin oder her.

Wobei man zur Ehrenrettung von Paderborn darauf hinweisen muss, dass sehr wohl ein Dichter sich der Stadt annahm, nämlich Heinrich Heine, der im “Wintermärchen“ dichtete: “Die Sonne ging auf bei Paderborn / Mit sehr verdross‘ner Gebärde / Sie treibt in der Tat ein verdrießlich Geschäft – / beleuchten die dumme Erde!“ Heißt übersetzt auch bloß: “Gehen Sie bitte weiter, es gibt nichts zu sehen.“ Schönes Wochenende!

Nächste Woche: Urlaubsziele IV – Zuhause.

Von Imre Grimm

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