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Die reinste Strahlkraft

Weiß als Modetrend Die reinste Strahlkraft

Das kleine Weiße stellt sein schwarzes Pendant schon seit einiger Zeit in den Schatten. Zwar gilt es auch als Symbol der Unschuld, doch gerade Weiß zieht Blicke auf sich. Betrachtungen einer Nichtfarbe.

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Rote Teppiche und weiße Kleider passen gut zueinander: Karlie Kloss bei den Oscars 2017.

Quelle: dpa

Hannover. Prinz Harrys Verlobte Meghan Markle ist eine Braut, die sich was traut: Nicht erst zur Hochzeit, sondern bereits zur Verlobungsbekanntgabe vor der Presse erschien sie in strahlendem Weiß. Den Mantel aus dem kanadischen Modehaus Line the Label dürfte das künftige Mitglied der Royal Family nicht zufällig ausgewählt haben.

Zum einen korrespondierte die Farbe mit dem Ort des Auftritts, dem „Versunkenen Garten“ des Kensington Palasts, der vor Kurzem zu Ehren von Harrys Mutter Lady Di komplett weiß bepflanzt wurde. Zum anderen wirkte das Winterweiß über einem grünen Etuikleid an dem düsteren Novembertag freundlicher als Schwarz oder Grau und zurückhaltender als Rot. Weiß ist zudem eleganter als ein Pastellton – und in Markles Fall auch origineller als das Blau, das Schwägerin Kate und auch Lady Di einst bei ihrer offiziellen Verlobungsrunde trugen. Übertroffen werden hätte Markles perfekter Look allenfalls noch mit einem langärmeligen weißen Kleid anstelle des Mantels. Denn das kleine Weiße stellt sein schwarzes Pendant schon seit einiger Zeit in den Schatten.

Selbst Chanel, das offizielle Geburtshaus des kleinen Schwarzen, gibt in seiner aktuellen Cruise Collection dem weißen Outfit den Vorzug: Weiße Kaschmir- und Organzakleider, Seidenjersey-Roben oder miteinander kombinierte weiße Blusen, Röcke und Kostümjacken werden mit filigranen goldenen Gürteln und Ketten getragen. Ein Hauch Olymp liegt über den zwischen antiken Tempelsäulen präsentierten Modellen, die oftmals an die Tuniken griechischer und römischer Göttinnen erinnern.

Das Beispiel zeigt, wie gerade die Nichtfarbe Weiß anfällig ist für Assoziationen und Projektionen. Zwar gilt sie auch als Symbol der Unschuld, doch gerade weiße Kleider ziehen oftmals mehr die Blicke auf sich als schwarze. Bei aller Unaufdringlichkeit ist Weiß daher nichts für Schüchterne. So wie die Braut in Weiß aus der Mitte ihrer Gästeschar hervorsticht, so hebt sich die Farbe auch wie keine andere vom Roten Teppich ab. Bei den Oscars 2017 war Weiß eindeutig der populärste Farbtrend. Topmodel Karlie Kloss etwa präsentierte sich in einem weißen Kleid mit Capeansatz von Stella McCartney, Chrissy Teigen strahlte in einer Robe von Zuhair Murad und Hailee Steinfeld wurde von Presse und Modebloggern für ihr Modell von Ralph & Russo Couture gefeiert. Naomie Harris alias James Bonds Miss Moneypenny wählte eine knielange Kreation von Calvin Klein By Appointment, stand in Sachen Eleganz den Kolleginnen mit langer Robe jedoch in nichts nach. Bei so viel Strahlkraft ist auch für das Jahr 2018 damit zu rechnen, dass viele Stars wieder auf Weiß setzen.

Gerade für den Sommer ist das kleine Weiße auch eine dankbare Alternative zum Kleid mit Blümchen oder Mustermix im Kleiderschrank von Normalsterblichen, denn man braucht nicht umständlich nach passenden Schuhen, Handtaschen, Gürteln oder Schmuck zu suchen. Zum weißen Kleid passt einfach alles. Je nach Laune, Anlass, Ort oder Tageszeit ist das kleine Weiße wandelbar: Man kann es mit Jeansjacke und Sneakers, Blazer und Slingpumps oder mit rot lackierten Zehennägeln in Flipflops tragen. Puristen wählen nur ein Accessoire: ein edles Schmuckstück oder eine extravagante Handtasche. Denn das weiße Kleid bringt Details zum Leuchten, wie auch die Haarfarbe oder den Teint. Und so lange dieser nicht den gleichen Ton hat wie das Kleid, ist ein makelloser Auftritt sicher.

Von Kerstin Hergt

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