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Schmuckstücke für 2017 Echt jetzt

Je unsicherer die Zeiten, desto kostbarer der Schmuck: Die Deutschen kaufen in diesem Winter vor allem Hochwertiges. Es muss ja nicht gleich von Tiffany sein. Andere Designer haben auch glänzende Ideen.

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Schmuckexperten sind sich beim Trend für den Winter einig: Echt und stilvoll muss es sein – aber nicht unbedingt vom Edel-Juwelier. Junge Schmuckdesigner haben oft individuellere Stücke zu bieten.

Quelle: iStock

Tiffany & Co. scheint dieser Tage noch unerreichbarer als sonst: Wer zum Haupthaus in der New Yorker 5th Avenue will, um wie einst Audrey Hepburn als Holly Golightly zumindest durch das Schaufenster einen Hauch von Luxus zu erhaschen, scheitert an Absperrungen und Wachpersonal. Statt auf Elsa Perettis berühmte "Open Heart"-Kollektion, stößt man auf verschlossene Türen. Stattdessen bedarf es eines Umwegs über die 57. Straße auf der anderen Seite des Gebäudes.

Schuld am Rückgang vor allem zahlungskräftiger Touristen ist der berühmte Nachbar Donald Trump. Seit der Präsidentschaftswahl ist das Areal um den Trump Tower und das angrenzende Tiffany-Ladengeschäft Hochsicherheitszone. Laut "Handelsblatt" kostet Tiffany dieser Umstand wöchentliche Umsatzeinbußen von 4 bis 6 Millionen Dollar. Kundschaft in dem für das Unternehmen so wichtigen Flagship Store ist zurzeit rar.

Doch nicht nur der namhafte Luxusjuwelier hat mit dem Tourismusgeschäft zu kämpfen. Auch Inhaber deutscher Schmuckgeschäfte in Großstädten wie München, Berlin oder Frankfurt am Main beklagen für 2016 Umsatzrückgänge von bis zu 4 Prozent durch fehlende Kunden aus Fernost, Russland oder dem arabischen Raum.

Alligator-Armreif von Capulet

Nina Heyd setzt bei ihrer Marke "Capulet" auf massiven Sterlingsilberschmuck, oft in Tierform, wie bei diesem Alligator-Armreif.

Quelle: Capulet

Das bestätigt Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ): Das britische Pfund sowie verschärfte ausländische Gesetze und Einfuhrbestimmungen ziehen Käufer ab. Die Deutschen wiederum seien durchaus kaufwillig: "Der Trend geht zu hochwertigem Echtschmuck", sagt Dünkelmann.

Dabei wird die Branche von einer jungen Designerszene belebt: Saskia Diez aus München, Nina Heyd von "Capulet Jewelry" und Julia Neumann und ihr Label "Chaingang" sind mittlerweile auch international gefragt. Ihre Entwürfe sind höchst unterschiedlich, haben jedoch eines gemeinsam: Sie entsprechen dem Zeitgeist, Schmuck nicht als Objekt zur Schau zu tragen, sondern mit ausgewählten Einzelstücken die Persönlichkeit zu unterstreichen.

Nina Heyd setzt bei ihrer 2010 gegründeten Marke "Capulet" auf massiven Sterlingsilberschmuck, der mittlerweile auch prominente Fans wie Karl Lagerfeld, Johnny Depp und Lady Gaga hat. Ihre Ringe, Armbänder und Ketten sind Statement-Pieces, häufig in Form von allerhand Tieren von der Biene übers Nashorn bis zum Seepferdchen.

So individuell wie möglich

Wer es noch individueller haben will, kann Namen oder ganze Texte auf Herzen, Münzen, oder sogenannte Creed-Platten gravieren lassen. Buchstäblich sagenhaft ist die Masterpiece-Kollektion mit Ringen, die den Kopf von Venus, Adonis oder Engel aus Ovids "Metamorphosen" zeigen. Schmuck aus dem Hause "Capulet" ist stets unübersehbar.

Gegen den schweren Silberschmuck wirken die Kreationen von Saskia Diez fast schon ätherisch, sind aber nicht weniger augenfällig: Filigrane Ear Cuffs (Ohrenspangen) mit Turmalinen oder winzigen Süßwasserperlen sowie spinnwebfeine Goldketten von teilweise weniger als einem halben Millimeter Dicke bestechen durch ihre Zartheit.

Doch auch mit gröberen Materialien wie Holz, Leder oder Porzellan kreiert Diez elegante Hingucker, mit denen die ausgebildete Goldschmiedin und Industriedesignerin aus München mittlerweile weit über Deutschland hinaus Aufmerksamkeit erlangt hat: Ihre in Zusammenarbeit mit anderen Goldschmieden ausschließlich regional gefertigten Modelle sind mittlerweile in mehr als 35 Designerläden in Berlin, Paris, London, New York und Tokio zu haben.

Schmuckstücke von Chaingang

Julia Neumann ist bei den Stücken ihres Labels "Chaingang" wichtig, dass sie perfekt zur Trägerin passen.

Quelle: Chaingang

Wie Diez und Heyd, füllt auch Julia Neumann eine Lücke auf dem von klassischer Juwelierware, technisch orientiertem Designerschmuck und mädchenhaft-verspielten Kreationen à la Pandora oder Thomas Sabo bestimmten Markt: Mit ihrem bereits 2006 gegründeten Label "Chaingang" lässt sie sich ebenfalls in keine der gängigen Schubladen stecken. Die in ihrem Münchner Atelier gefertigten Modelle aus zum Teil vergoldetem und mit Materialien wie Edelsteinen oder Leder kombiniertem Sterlingsilber sind von Gegenständlichkeit und Symbolik geprägt.

Die Kollektionen setzen mit Überschriften wie "Ein Tag am Meer" oder "I Promise You a Rose Garden" auf assoziative Themen. Neumann will damit nicht zuletzt sicherstellen, dass jedes Schmuckstück so ausgewählt wird, dass es auch hundertprozentig zur Persönlichkeit seiner Trägerin passt. Denn darauf gründet sich ihre Firmenphilosophie.

Männer, die zu Weihnachten mit einem Schmuckstück als Geschenk punkten wollen, sollten sich dennoch nicht von poetisch klingenden Produkt- oder schillernden Markennamen beeinflussen lassen, sondern vielmehr auf Tiffany-Expertin Holly Goligthly hören: "Was ein Mann wirklich von einer Frau hält, erkennt man an den Ohrringen, die er ihr schenkt."

Von Kerstin Hergt

Schmucktrends 2017
Angesagt: Choker, enge Halsbänder, die an die frühen 90er Jahre erinnern.

Angesagt: Choker (hier von Zara), enge Halsbänder, die an die frühen 90er Jahre erinnern.

Quelle: Zara

Reifenohrringe oder auch Hoop Earrings sind wieder angesagt. Der Unterschied zu den Modellen der Achtziger besteht hauptsächlich darin, dass man damals Creolen sagte.
 
Ear Cuffs, zu Deutsch Ohrspangen, haben bereits die roten Teppiche erobert. Der Vorteil: Man braucht keine Ohrlöcher. Häufig wird nur ein Ohr mit der Klemme verziert. Statementringe oder auch Cocktailringe für Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand werden als prachtvolle Hingucker getragen.
 
Perlenketten blitzten bei den diesjährigen Fashion Weeks häufig hervor. Dabei überwog weniger modernes Design als vielmehr Vintage-Style: Klassisch kurz oder mehrlagig und lang, kombiniert sowohl zum Spitzenkragen als auch zur Militärjacke.

Choker sind, frei übersetzt, Würgehalsbänder – allerdings schön anzusehen. Vor allem wenn sie von Chanel oder Balmain stammen. Auch Sängerin Rihanna hat für Puma ein Modell kreiert: nicht aus Edelmetall, sondern aus "schweißabsorbierendem Material" mit Klettverschluss.

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