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20:00 23.06.2017
Eine der prominenten Buzz Cut-Trägerinnen: Das britische Model Cara Delevingne mit der Trendfrisur des Sommers. Quelle: AP
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Hannover

Die irische Sängerin Sinéad O’Connor wurde in den Achtzigern durch zwei Dinge bekannt: ihre großartige Stimme und ihre millimeterkurzen Haare. Sie habe gegen das erwünschte Frauenbild der Branche rebellieren wollen, sagte O’Connor einmal in einem Interview. In der feministischen Zeitschrift “Spare Rib“ behauptete sie schlicht: “Mein Aussehen hat mich einfach gelangweilt.“ Im gleichen Interview findet sich aber auch der rotzige Satz: “Die Männer glauben immer, ich sei eine Lesbe oder ein Skinhead, die halten mich für scheißaggressiv.“ O’Connor wirkte zuweilen tatsächlich aggressiv. Aber nicht nur. In ihrem Video zur Trennungshymne “Nothing Compares 2 U“ erschien sie vielmehr äußerst verletzlich.

Im 2017 Jahr nun sind überraschend viele Frauen mit ultrakurzen Haaren und einer sehr ähnlichen, ambivalenten Attitüde anzutreffen, darunter einige sehr prominente. Weil heutzutage alles einen Namen haben muss, nennt sich der extrakurze Kurzhaarschnitt “Buzz Cut“, lautmalerisch benannt nach dem Geräusch, das der Rasierer von sich gibt.

Gegen Erwartungen an weibliche Schönheit

Warum also tragen unter anderem Cara Delevingne, Katy Perry und Kristen Stewart die Trendfrisur? Bei Delevingne lag es zunächst daran, dass sie im Film “Life in a Year“ die Rolle einer krebskranken jungen Frau übernahm. Das Model hat den Look aber auch nach Abschluss der Dreharbeiten einfach beibehalten – und färbt ihn nun gefühlt im Wochentakt in einer anderen Farbe ein.

Die selbstbewusste 24-Jährige betreibt das Spiel mit Rollen und Frauenbildern durchaus mit Humor. Karl Lagerfeld nannte sie mal den “Charlie Chaplin der Modewelt“. Die bisexuelle Delevingne macht sich jedoch auch für Gleichberechtigung stark. Eine Frisur, die jede gängige Erwartung an weibliche Schönheit unterläuft, kann auch als Bekenntnis zum Feminismus gewertet werden. Der “Buzz Cut“ ist sozusagen die Frisur zum “We should all be feminists“-T-Shirt von Dior.

Bereits in den Siebzigern kritisierten Frauen gesellschaftliche Normierungen, indem sie sich von ihren Haaren trennten – vor allem dunkelhäutige Models und Musikerinnen wie Pat Evans oder Grace Jones. Evans missfiel, dass sich die Modeindustrie auf lange, glatte Haare fixiert hatte.

“Es hat was unglaublich Befreiendes“

Manchmal reagieren Frauen aber auch auf eine individuelle Krise mit einem radikalen Schnitt – wie zum Beispiel vor zehn Jahren Britney Spears. Auch die seit Neuestem kurzhaarige Katy Perry überraschte nun damit, dass sie ein Gespräch mit ihrem Therapeuten öffentlich machte. Diesem berichtete die Künstlerin, , die eigentlich Katheryn Hudson heißt, von Selbstmordgedanken und dass sie manchmal Probleme damit habe, ein Popstar zu sein. “Ich möchte so sehr Katheryn Hudson sein, dass ich manchmal gar nicht mehr wie Katy Perry aussehen möchte“, sagte sie.

Ob Mode, politisches Bekenntnis oder Therapie – ein Leben ohne Haare scheint eine positive Wirkung zu haben. Charlize Theron, die in “Mad Max: Fury Road“ mit “Buzz Cut“ auftrat, sagte: “Es hat was unglaublich Befreiendes, ich kann es wirklich empfehlen. Ich finde, jede Frau sollte das mal tun.“ Gut überlegt sollte der Schritt dennoch sein. Denn Haare wachsen nur einen Zentimeter im Monat. Und: Prominente Kurzhaarträgerinnen geben damit lediglich einen kleinen Teil ihres Glamours auf – das professionelle Make-up und die perfekt passende Designerkleidung behalten sie. Da kann nicht jede mithalten.

Von Christiane Eickmann

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