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Die besten Actioncams Der Adrenalinklick

Wer mit waghalsigen Urlaubs- und Sportvideos aus der Egoperspektive beeindrucken möchte, greift zur Actioncam. Inzwischen gibt es zahlreiche Modelle – doch die sind längst nicht alle gleich gut. Vor allem beim Verwacklungsschutz gibt es große Unterschiede.

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Viel Raum für neue Ideen

Immer dabei: Actioncams setzen den Selfietrend im Bewegtbild fort – und dort, wo es rasant zur Sache geht.

Quelle: iStock

Hannover. Lange war der Name GoPro ein Synonym für Actioncams. Doch längst hat der Platzhirsch Konkurrenz bekommen – denn kompakte und besonders robuste Videokameras erfreuen sich in Zeiten aktivitätsbetonten Freizeit- und Ferienverhaltens rasant steigender Beliebtheit. Von 2011 bis 2016 hat sich der Jahresabsatz von Actionkameras hierzulande von rund 50 000 auf mehr als eine halbe Million Einheiten verzehnfacht.

Nahezu alle klassischen Kamerahersteller bieten inzwischen eigene Modelle an, hinzu kommen Produzenten, die eigentlich auf anderen Feldern tätig sind, etwa der Fahrradkomponentenspezialist Shimano oder der Navigationsgeräteentwickler Garmin. Zudem gibt es zahllose Niedrigpreisprodukte aus China, die teils für weniger als 100 Euro zu haben sind. “Actioncams unterscheiden sich gegenüber klassischen Digitalkameras und Camcordern vor allem in zwei Punkten: beim Objektiv und in puncto Robustheit,“, sagt Moritz Wanke, Fotoexperte bei der Zeitschrift “Chip“.

“Actioncams nutzen in fast allen Fällen ein Ultra-Weitwinkelobjektiv“, erläutert Wanke. So zeichnen sie möglichst große Bildwinkel auf, bis zu 180 Grad. Auf diese Weise muss man nicht allzu sehr auf den Ausschnitt achten, wenn man gewagte Stunts mit dem Mountainbike vollführt oder auf dem Surfbrett wild über Wellenkämme reitet. Wer die Kamera grob in Richtung des Geschehens hält, hat das Wichtigste drauf.

Zwei Objektive, die in entgegengesetzte Richtungen “gucken“ bescheren der GoXtreme FullDome 360 (um 150 Euro) vollen Rundumblick

Zwei Objektive, die in entgegengesetzte Richtungen “gucken“ bescheren der GoXtreme FullDome 360 (um 150 Euro) vollen Rundumblick. So lassen sich leicht Filme mit Virtual-Reality-Feeling erstellen. Allerdings fällt die Auflösung mit nur 1920 mal 960 Pixel mager aus.

Quelle: Easypix

Dafür müssen Actionfilmer Abstriche bei der Abbildungsleistung machen. Durch die Weitwinkellinse entsteht der sogenannte Fischaugeneffekt, der zum Bildrand hin zu tonnenförmigen Verzerrungen führt. Deshalb sollte das zentrale Motiv möglichst in der Bildmitte platziert werden, weil dort die Proportionen einigermaßen realistisch abgebildet werden.

Wer mit den Eigenheiten extremer Weitwinkelperspektive leben kann, erhält dafür eine Kamera, die Stürze ebenso gut wegsteckt wie Sand oder Spritzwasser. Mit vielen Modellen kann man zudem tauchen, teilweise sogar ohne zusätzliches Schutzgehäuse. “Wir lassen die Kameras aus einem Meter Höhe auf Beton oder eine Wasseroberfläche fallen und machen einen Kältetest bei minus zehn Grad“, erklärt Sandra Schwarz von der Stiftung Warentest. Erkenntnis aus den Robustheitsprüfungen: “Die halten das ziemlich gut aus.“

Dank mitgeliefertem Gehäuse ist die Garmin Virb Ultra 30 bis zu 40 Metern Tiefe wasserdicht

Dank mitgeliefertem Gehäuse ist die Garmin Virb Ultra 30 bis zu 40 Metern Tiefe wasserdicht. Der Touchscreen der 4K-Kamera lässt sich auch mit der schützenden Umhüllung gut bedienen. Auf HD-Auflösung reduziert filmt die Kamera mit 120 Bildern pro Sekunde – voll actiontauglich.

Quelle: Garmin

Deutlicher unterscheiden sich die Kameras hingegen bei der Bildqualität. “Mit Gegenlicht haben viele Modelle Probleme“, sagt Schwarz. Gleiches gelte für Aufnahmen in der Dämmerung oder unter anderen nicht optimalen Lichtbedingungen. Störende Lichtreflexe und erhöhtes Bildrauschen resultieren aus den nicht allzu hochwertigen Objektiven und Bildsensoren der meisten Actioncams. Dennoch werden die Ergebnisse zumindest Amateure in den meisten Fällen überzeugen – und das auch an größeren Bildschirmen.

Denn eine Auflösung in vierfacher HD-Auflösung, zumeist als Ultra-HD oder 4K bezeichnet, ist inzwischen Klassenstandard und sorgt für wesentlich detailreichere Bilder als jene, die “einfache“ HD-Kameras noch vor ein, zwei Jahren lieferten. Neben der Auflösung entscheidet die Bildrate über die Qualität der Videos: Je mehr Bilder pro Sekunde die Kamera aufzeichnet, desto flüssiger wird die Aufnahme nachher abgespielt, was vor allem Slow-Motion-Aufnahmen zugutekommt. Nachteil des Leistungszuwachses: aktuelle Actioncams sind äußert hungrig nach Speicher und Batteriestrom.

Mindestens ebenso wichtig wie Bildrate und Auflösungsleistung ist für überzeugende Action-Aufnahmen ein wirkungsvoller Verwacklungsschutz. Dafür bedarf es eines leistungsfähigen Bildstabilisators, der auch das Geruckel auf der Mountainbike-Piste ausgleicht. “Bei manchen Videos wird einem sonst schon beim Zusehen schlecht“, sagt Warentesterin Schwarz.

Marktführer GoPro hat viel Konkurrenz bekommen, behauptet sich mit der Hero 5 dennoch weiterhin im Spitzenfeld

Marktführer GoPro hat viel Konkurrenz bekommen, behauptet sich mit der Hero 5 dennoch weiterhin im Spitzenfeld: Die 4K-Bilder sind scharf und kontrastreich, zudem gehört der Bildstabilisator zu den effektivsten dieser Kameraklasse. Bestens geeignet also für besonders Bewegungsfreudige.

Quelle: GoPro

Fragt sich nur, wie das eigentlich gehen soll mit dem Filmen, wenn man mit Vollgas durch die Landschaft prescht. “Angefangen bei klassischen Klebehalterungen über spezielle Klemmhalterungen für Motor- und Fahrradlenker bis hin zu Brustgurten und sogar Tiergeschirren steht für jede Gelegenheit das Passende bereit“, beschreibt “Chip“-Redakteur Wanke die Befestigungsoptionen.

Und damit auch die Bedienung freihändig funktioniert, setzen immer mehr Kameras auf Sprachsteuerung. Denn nur eine Actioncam, die aufs Wort gehorcht, lässt ihrem Nutzer genug Raum für das, worum es eigentlich geht: volle Action.

Von Julia Ruhnau

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