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Technik & Apps Tonstudio für die Hosentasche
Sonntag Technik & Apps
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20:05 12.05.2017
Quelle: Shutterstock
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Berlin

Die App-Stores quillen über vor Angeboten. Alleine Apple hat mehr als zwei Millionen Anwendungen im Angebot – darunter auch zahllose digitale Helfer für Musiker und Musikbegeisterte: von der Anwendung, die einem beim Stimmen der Gitarre hilft, bis hin zum Synthesizer oder zu Apps, die einem Klavierspielen beibringen wollen. Doch ob solche Anwendungen jemals einen Musiklehrer aus Fleisch und Blut oder ein reales Tonstudio ersetzen können, steht auf einem anderen Blatt.

Aktuell gibt es über 50 000 Musik-Apps in in den App-Stores von Apple und Google. „Die meisten dieser Apps sind für das Abspielen von Musikaufnahmen geeignet“, sagt Matthias Krebs von der Forschungsstelle Appmusik an der Universität der Künste Berlin. “Neben den zahlreichen Player- und Radio-Apps werden ebenso rund 5000 Apps angeboten, mit denen der Nutzer auf vielfältige Weise Musik machen kann.“ Diese Anwendungen unterstützen das Musikmachen mit herkömmlichen Instrumenten wie Klavier und Gitarre oder mit Gesang – etwa in Gestalt von Stimmgeräten, Metronomen, Akkordtabellen für Gitarristen oder Programmen zum Notenschreiben.

Touchdisplays werden zu Spiel-Interfaces

Bei unbekannteren Musik-Apps ist es wie bei jeder anderen Anwendung auch sinnvoll, Erfahrungsberichte zu lesen. “Bewertungen sollten aber auch nur bedingt als Indikator herangezogen werden, da nie auszuschließen ist, dass nicht auch Fake-Bewertungen enthalten sind“, warnt Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. Hier sei es, falls möglich, sinnvoll, immer mehrere Quellen zurate zu ziehen.

Mit der richtigen App werden Touchdisplays zu Spiel-Interfaces von App-Instrumenten, und die eingebauten Bewegungssensoren zu Modulatoren für den Klang. “In Studios oder auf großen Konzertbühnen weltweit sind dagegen Mischpult-Apps heute Standard“, weiß Musikexperte Krebs. Aber auch viele Hobbymusiker verwenden Apps als mobile Studios. Und: “Meiner Erfahrung nach haben Musik-Apps das Stimmgerät und das Metronom schon bei sehr vielen Musikern ersetzt.“

Weniger Simulation als eigenständiges Instrument

Dass Apps jemals Instrumente ersetzen können, glaubt Musikforscher Krebs aber nicht: “Jedes Instrument hat seine eigenen Qualitäten, da ersetzt die E-Gitarre nicht die Akustikgitarre und das Keyboard nicht das Klavier“, sagt der Experte. Letztlich seien Apps weniger Simulationen analoger Instrumente, sondern eigenständige Geräte mit spezifischen Eigenschaften in Klangerzeugung und Handhabung, die geübt werden wollen. Hilfreiche Video-Tutorials finden sich oftmals bei Youtube.

Das vom Bundesbildungsministerium geförderte Musikapp-Netzwerk “tAPP“ hat insgesamt zwei Dutzend empfehlenswerte Anwendungen zum Musizieren identifiziert und getestet – fast alle für iOS, weil Apples mobiles Betriebssystem eine besonders kurze Reaktionszeit bietet, was insbesondere zur Imitation von Musikinstrumenten wichtig ist. Zu den empfohlenen Apps zählt etwa der kostenlose Drum-Computer “Keezy Drummer“ für Anfänger oder “iSpark“ als umfangreiche Lösung für fortgeschrittene Beats-Produzenten sowie die Sample-App “Samplr“.

49,95 Euro, das ist ein wahrhaft stolzer Preis für eine App. Dafür jedoch bietet die Anwendung Cubasis 2 (für iPad) des Musiksoftwarespezialisten Steinberg Media eine Fülle an professionellen Features, die die App zur ersten Wahl für Musikproduzenten mit gehobenem Anspruch macht: etwa unbegrenzt viele Audio- und MIDI-Spuren, Time-Stretching und Pitch-Shifting in Echtzeit, eine große Auswahl überzeugend emulierten Instrumenten, zudem die Möglichkeit, neue Instrumente zu kreieren. Freilich ist die Funktionsfülle derart üppig, dass sich Einsteiger zunächst überfordert fühlen können. Deshalb ist Cubasis 2 vor allem eine Option für Fortgeschrittene. Quelle: Hersteller

Aber auch die Anwendung “Loopy“ eignet sich dem “tAPP“-Netzwerk zufolge für Musikinteressierte. Dabei werden Sprachaufnahmen in Beats umgewandelt, indem die eigene Stimme mehrmals eingespielt wird. Diese Aufnahmen können dann je nach Gusto neben- und übereinander gelegt werden. Besonders eignet sich die App zum Üben von Beatboxing, dem Imitieren von Schlagzeugklängen mit der Stimme. Auch “Pyka_Loop“ ist eine Anwendung zum Loopen von Mikrofonaufnahmen, während sich mit der App “Das Orchester“ unter anderem der komplette Tonumfang von Orchesterinstrumenten abspielen lässt.

Einsteigern empfiehlt Matthias Krebs etwa die kostenlose App “SoundPrism“ für iOS. Dabei handelt es sich um einen Generator für harmonische Klangtexturen zum Komponieren von Akkordfolgen oder ganzen Songs. Für Android-Geräte und ebenso gratis ist die Anwendung “GrooveGrid“, mit der auch ohne Vorkenntnisse Tracks gestaltet werden können.

Von Benedikt Frank

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