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Sehen “Westworld" und mehr DVD-Tipps
Sonntag Tipps & Kritik Sehen “Westworld" und mehr DVD-Tipps
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19:51 24.11.2017
Quelle: iStockphoto
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Hannover


Westworld, Staffel 1: Es ist wie im “Schweigen der Lämmer“. Der Mime Anthony Hopkins kann noch immer diese böse Kälte in sein großväterliches Lächeln hineinziehen, so dass man als Zuschauer jäh zu frieren beginnt. Mit diesem Mordlächeln bescheidet er auch jenem Mann die Unfähigkeit, der sich Szenarien für seinen Wildwest-Themenpark “Westworld“ ausdenkt. Das Urteil seiner Figur lautet: zu viele “billige Tricks“. Die Gäste kämen aber nur wieder, “wenn sie sich in Westworld verlieben, wenn sie bei uns eine Ahnung davon bekommen, wer sie sein könnten“, sagt er zu dem urplötzlich sehr unglücklichen Mann. Der (Fernseh-)Zuschauer ist sofort verliebt.

“Westworld“ ist ein prächtiges Serienmonster - ein Epos, das, so stellt es sich jedenfalls Produzent J. J. Abrams (“Star Trek“, “Star Wars“) vor, sechs, sieben Staffeln tragen wird. Wie nicht wenige US-Serien zurzeit gründet “Westworld“ auf einem (gleichnamigen) Film. 1973 hatte Yul Brynner noch einmal seine schwarze Revolverheldkluft aus “Die glorreichen Sieben“ (1960) angelegt, um in dem Science-Fiction-Streifen einen Robot-Pistolero zu spielen, der sich nicht mehr von schmerbäuchigen “Ponderosa“-Fans über den Haufen schießen lassen wollte. Die Attraktion schoss zurück. In Zeiten alltäglichen Gladiatorenfernsehens würde eine reine Moralstunde über die Grenzen der Amüsierkultur kaum noch verfangen.

Das neue “Westworld“ handelt vielmehr von einem der Albträume unserer Zeit – der Entstehung einer künstlichen Intelligenz, die dabei ist, die menschliche zu überflügeln. Irgendwer hat den genialischen Funken in die programmierten Wesen von Fords Park getragen. So sollen wir nun Zeuge werden, wie sich aus dem von 3-D-Druckern eindrucksvoll geschaffenen Westernpersonal eine neue Spezies entwickelt. Jonathan Nolan, Bruder von “Dunkirk“-Regisseur Christopher Nolan, verpackt Rätsel in Rätsel. die Bilder haben kinohafte Wucht. Das schon von Western-Urvater John Ford geliebte Monument Valley ist abgefilmt wie das Mittelerde in Peter Jacksons Tolkien-Filmen. Die Bilder brennen sich ein, etwa das einer Straße voller Toter, durch die als einziges lebendes Wesen ein Wolf huscht.

Westworld, Staffel 1 Quelle: HBO/Warner

Big Little Lies, Miniserie: Monterey, amerikanische Westküste, ein überschaubares Gemeinwesen mit 30 000 Einwohnern, berühmt durch das Festival zum Sommer der Liebe 1967. Hier lässt Regisseur Jean-Marc Vallée (“Dallas Buyers Club“) ein halbes Jahrhundert später die junge Jane (Shailene Woodley) mit ihrem kleinen Sohn Ziggy (Iain Armitage) eintreffen. Der Junge, Ergebnis einer Vergewaltigung, gerät in den Verdacht, eine Klassenkameradin geschlagen zu haben, es bilden sich Allianzen für und gegen die Neuankömmlinge, Gehässigkeiten und Gewalt blitzen auf. Während sich die Schule auf ein Benefizereignis zubewegt, wächst die böse Wolke, Drohungen werden ausgesprochen und der Zuschauer, der von Beginn der sieben Episoden weiß, dass jemand bei der “Elvis Presley & Audrey Hepburn“-Spendengala sterben wird, wird sowohl von diesem Rätsel als auch von den faszinierenden, seelisch in unterschiedlicher Ausprägung deformierten Protagonisten in Atem gehalten.

Vallées “Big Little Lies“ kriecht unter die blitzsaubere Oberfläche, wo man Neid entdeckt, Missgunst, Hass und häusliche Gewalt. Eine schmucke Schatulle voller Schrecken, ein schwarzsatirisches Scharmützel, in dem neben Woodley die großen Hollywood-Ladys Reese Witherspoon, Nicole Kidman und Laura Dern fantastisch aufspielen und das einem zum Showdown der Elvisse und Audreys hin Gänsehaut verpasst (auch ob Adam Scotts tief empfundener Performance der Ballade “The Wonder of You“). Nicht zu vergessen ist Alexander Skarsgard als liebender Vater, der für seine Söhne gern das Monster spielt und der auch eines ist. Derzeit wird die Möglichkeit einer zweiten Staffel diskutiert. Bitte nur bei einem Drehbuch wie diesem.

Big Little Lies Quelle: HBO/Warner

Born to be Blue: Und dann spielt der Jimmy Dean des Jazz, der King of West-Coast-Swing, smoothen, rauchigen musikalischen Schwebstoff wie “Somewhere Over the Rainbow“ und “My Funny Valentine“ auf der Trompete, und das wird sein neues Ding. Sinnlich, melancholisch, aber auch poppiger als früher gerät das Comeback von Chet Baker, nicht mehr wild und getrieben wie früher. Nach all den Abstürzen und Abhängigkeiten, nach dem Verlust seiner Schneidezähne (und damit seines Ansatzes), nach Zeiten der Kränkungen und Demütigungen, steigt sein Stern ein zweites Mal, dank- so sagt es uns der Film “Born to be Blue“ von Robert Budreau.

Ethan Hawke und Carmen Ejogo spielen die Hauptrollen in einer höchste dramatischen Dreiecksstory von Mann, Frau und Bühne. Es gibt naturgemäß keine schöneren Musikgeschichten fürs Kino als die von denen, die es allen gezeigt haben, und keine traurigeren als die von denen, die trotzdem alles verlieren. Wenn man Ethan Hawke vorm Spiegel der Garderobe im New Yorker Kultclub Birdland sitzen und langsam zu sich selbst finden sieht, wenn er dann auf der Bühne sein “I’ve never been in Love“ flüstert und die Trompete zum Kern aller Zweisamkeit vordringen lässt, wird das Innerste des Genies sichtbar: der unbedingte Egoismus. Nichts will man weniger sein, so sangen es die unvergesslichen Bay City Rollers in einem Song des jüngst verstorbenen australischen Musikers und Songwriters George Young, als ein “Yesterday’s Hero“. Koste es was es wolle.

Born to be blue Quelle: Alive!

Sieben Minuten nach Mitternacht: Der sensible, fantasiebegabte Conor (Lewis MacDougall) hat Mitgefühl mit Monstern. Als er sich eines Abends auf dem Projektor seines verstorbenen Großvaters den alten “King Kong“-Film ansieht, ist der Affe für ihn ganz klar das Opfer, die Menschen dagegen, die ihn jagen und töten, sind die unverständigen “Idioten“. Mit Menschen hat der künstlerisch begabte Conor schlechte Erfahrungen gemacht. Auf dem Schulhof wird der zierliche Junge gemobbt und verprügelt, seine strenge, unnahbare Großmutter (Sigourney Weaver) jagt ihm Angst ein.

Er blickt von seinem Zimmerfenster aus auf einen alten Friedhof und dort auf eine mächtige Eibe. Der Baum verwandelt sich eines Nachts in ein Ungeheuer, das behauptet, der zornige, traurige Junge habe es gerufen, und das ihn fortan um “Sieben Minuten nach Mitternacht“ besuchen kommt, auch als er zu seiner Oma zieht, weil seine Mutter ins Krankenhaus muss. Drei “Märchen“ erzählt es ihm, die anders enden als gedacht und die ihn stark machen sollen für die Wirklichkeit, die selten Raum lässt für wundersame Heilungen und Happy Ends.

Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona legt mit den Mitteln des Horror- und Fantasygenres und mit wunderbaren Trickfilmsequenzen die unbedingte Klarheit im Innenleben eines verzweifelten und verwirrten Kindes offen, zeigt die Schönheit des Lebens, die Tragik des Todes und die Schwierigkeit, beide in Verbindung zu bringen, sich im Leid tiefsten Wahrheiten zu stellen, sich mit seinen Gefühlen zu versöhnen statt sich mit Schuld zuzumauern. Ein anrührender und für manchen Zuschauer, je nach den Erfahrungen, auch regelrecht befreiender Film.

Sieben Minuten nach Mitternacht Quelle: Studiocanal

Das Belko-Experiment: Menschen töten, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Davon erzählte William Golding eindrucksvoll in seiner Massenrobinsonade “Herr der Fliegen“. War es damals der zufällige Schiffsuntergang, der Kinder und Jugendliche auf eine einsame Insel verschlug, auf der sie alsbald selbstbestimmt Gruppen bildeten, deren eine die andere auszulöschen trachtete, so sind die Firmenangestellten der amerikanischen, in Kolumbien ansässigen Regierungsunternehmens Belko fremdbestimmte Täter und Opfer.

Eines Tages sind neue, aggressivere Sicherheitskräfte an den Pforten, das Gebäude wird unentrinnbar abgeschottet, über die Firmenlautsprecher erfolgt eine Mordanweisung. Wenn bis zu einer bestimmten Uhrzeit nicht 30 Angestellte ums Leben gekommen sind, müssen 30 weitere sterben. Unerwartet schnell verwandelt sich die geschockte Belegschaft in Jäger und Gejagte, die irgendwann begreifen, dass ihr Bürogebäude, ihr Arbeitsplatz vor Jahren für exakt diesen Tag konzipiert wurden. Die Lage ist aussichtslos: Die Betroffenen sind gechippt, in den Chips befinden sich Sprengsätze, die von dem unheimlichen Überwacher des “Belko-Experiments“ auf Knopfdruck aktiviert werden können.

Greg McLeans Film könnte als Warnung verstanden werden, dass derzeit weltweit faschistoide Kräfte auf dem Vormarsch sind, denen das einzelne Menschenleben wieder völlig egal ist. Und in der Tat kommen einem die hier wirkenden Kräfte aus der nicht allzu weit entfernten deutschen Geschichte überaus vertraut vor. Parallel aber setzt McLean nicht auf die Macht der Imagination sondern auf den platten Schrecken von Blut und Innerei. So vermag er zwar trotz vieler Stereotypen immer wieder zu überraschen und in Spannung zu versetzen, muss sich aber auch die Frage gefallen lassen, ob er nicht eine Affinität zu Sadismus besitzt.

Das Belko-Experiment Quelle: Fox/Orion

This Is Us, Staffel 1: Vier Menschen, die am selben Tag 36. Wiegenfest haben. Da sind Rebecca und Jack, das Paar, das am Geburtstag des Mannes Drillinge erwartet, da ist der Fernsehstar Kevin, der als oberflächlicher Schönling für Zeitschriftencover herhält, aber von tiefschürfenden Gedanken heimgesucht wird und der eine Zwillingsschwester namens Kate hat, die fett ist, noch immer keinen Freund hat und versucht sich mit beschrifteten Klebezetteln vom Kühlschrank fernzuhalten. Und da ist schließlich der Businessmann und Familienvater Randall von der Ostküste, der an seinem Geburtstag seinen biologischen Vater ausfindig gemacht hat, der ihn als Baby an einer Feuerwache aussetzte. Diese separate Leben lebenden Menschen empfinden nicht nur die übliche Dreißigertraurigkeit, sie fühlen sich von fremden Kräften von ihrem eigentlichen Sein und ihren Möglichkeiten ferngehalten.

Als Hollywoodserie ist natürlich auch ein wenig Hollywood in “This Is Us“, eine leichte Überzuckerung des wirklichen Lebens mit “bigger than life“-Streuseln. Aber es sind nicht allzu viele Streusel, und nachdem am Ende der ersten Episode klar ist, wie diese Menschen miteinander verbunden sind (eine Überraschung), folgt man ihnen mit wachsendem Interesse und versteht nicht ganz, weshalb die deutsche TV-Ausstrahlung bei Pro 7 so derb floppte – im Gegensatz zu der erfolgreichen Sendung bei NBC in den USA). Zu sanften Folksongs von Dire Straits & Co spielen uns Milo Ventimiglia, Mandy Moore, Justin Hartley, Chrissy Metz und Ron Cephas Jones vor, wie man das Gute in die Welt bringt. Keine Serienmörder, nirgends. Versprochen!

This Is Us, Staffel 1 Quelle: Fox

The Dinner: Im Vorspann werden Speisen angerichtet wie für eine Kunstausstellung, aber die gelegentlichen Blicke der Kamera auf einen Friedhof lassen vermuten, dass es kein Film über Küche und Köche werden wird oder über Gäste, die ihre Banalität hinter pseudointellektuellem Geschwätz und Gewitzel zu verstecken suchen. Die Figur des pausenlos sich echauffierenden Neurotikers Paul (Steve Coogan) freilich, der ein misanthropisches Festungsdasein führt, und den schon das Familiendinner mit seinem Bruder Stan (Richard Gere), dem Abgeordneten überfordert, könnte auch einer Komödie von Woody Allen entstammen.

Wäre da nicht das fürchterliche Verbrechen, das beider Söhne aus Spaß begangen hätten, den Mord an einer wehrlosen Landstreicherin. Das Dinner dient dem Umgang mit der Tat, mit den Tätern. Die fassungslosen Eltern fragen sich, was ihre behüteten Kinder zu einer solch grausamen Tat trieb und ob man sie nun schützen, decken, entschuldigen muss oder dazu bringen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. In Rückblenden wird klar, wie das Schwadronieren des Geschichtsdozenten Paul über die “nutzlosen Arschlöcher der Gesellschaft“ und das Beispiel des erfolgreichen Politikers und Alphatiers Stan den Söhnen ein Weltbild vermittelten, das die Würde des als nutzlos empfundenen Mitmenschen antastbar macht.

Eine zwingende Kausalität entwickelt Regisseur Oren Moverman nicht, vieles lässt er offen. Aber die Stimmung im Restaurant wird zunehmend unbehaglich, und während Coogan, Laura Linney, Rebecca Hall und vor allem Gere bravourös aufspielen, beginnt der Zuschauer mit dem Taxieren der Figuren, wird er gezwungen, Stellung zu beziehen. Ein Thriller an Tisch und Stühlen. “Geschichte ist vorbei. Alles passiert in dieser Sekunde“, sagt Paul. Und obwohl er wirklich ein anstrengender, fürchterlich selbstverliebter Weltleidensgriesgram ist, muss man ihm eingedenk des kühlen Endes dieses Films uneingeschränkt recht geben.

The Dinner Quelle: Tobis/Universum

Rillington Place – Der Böse, Miniserie: Die Nebel stehen so geisterweiß in den schmutzigen Gassen des Weltkriegslondon, dass sie selbst einen Jack the Ripper das Fürchten lehren könnten. Hier, im Anwesen Rillington Place 10, versteckt sich Reg Christie (Tim Roth), eine verkrachte Existenz, mit seiner Ehefrau Ethel (Samantha Morton), zu der er neun Jahre nach seinem sang- und klanglosen Verschwinden zurückgekehrt ist. Der unscheinbare Mann nutzt die bedingungslose Treue seiner Frau, um ein Doppelleben zu führen. Zunächst vermutet seine Frau Hurengeschichten und Seitensprünge, bald aber kommt ihr der Verdacht, es könnte sich um ein weit schlimmeres Geheimnis handeln. Als sie die Wahrheit erfährt und die Möglichkeit hat, ihn zu entlarven, deckt sie den Verbrecher an ihrer Seite stattdessen.

In der Rolle des berühmtesten englischen Serienmörders des 20. Jahrhunderts glänzt Tim Roth, der mit heiserer Stimme seine Schmeicheleien, Lügen und Drohungen ausflüstert und im Mantel mit Hut unheilvoll durch die Gassen schlurft. Nicht minder bemerkenswert ist Morton als graue Gattin, die sich den Geboten einer Zeit unterstellt, in der Frauen ihren Männern untertan zu sein hatten, um nicht Anstoß zu erregen. In falsch verstandener Treue macht sie sich zur Komplizin, als ein Unschuldiger in Verdacht gerät. Ein düsteres Drama, dessen elektronisch schwirrender Soundtrack viel zu der unheilvollen Wirkung beiträgt, das seine Spannungshöhepunkte indes leider viel zu früh verrät und dann geradezu hektisch überstürzt an sein Ende flitzt, ohne dabei auch nur einen Versuch des Einblicks zu unternehmen, den Menschen in seinem Biest ausfindig zu machen.

Rillington Place – Der Böse Quelle: Polyband

Unlocked: Islamistische Terroristen, Biowaffen (ein modifiziertes Marburg-Virus mit Luftübertragungsweg droht freigesetzt zu werden), MI-6, CIA (letztere offenbar unterwandert) und eine reaktivierte CIA-Agentin, die sich nach einem desaströsen Anschlag zurückgezogen hatte: Noomi Rapace spielt in Michael Apteds “Unlocked“ eine Spezialistin mit unglaublichem Spürsinn, die versuchen muss, einen Angriff auf London zu verhindern und dabei von Lebensgefahr zu Lebensgefahr springt. Unterstützt wird diese Heldin namens Alice dabei recht handgreiflich von einem Kollegen (Orlando Bloom), der kinofolkloristische Sätze sagt wie “Im Moment bin ich der einzige Freund, den du hast“, und der diese schon bald auf die grobe Tour widerlegt.

Toni Colette ist eine schussfeste MI-6-Einsatzleiterin im Annie-Lennox-Look, Michael Douglas ein väterlicher Freund mit Doppelleben, der eigentlich zu früh aus dem (Film-)Leben scheidet, um sein Mitwirken hier zu rechtfertigen. John Malkovich scheint als einziger die unfreiwillige Komik des überraschungsarmen Drehbuchs zu bemerken und lehnt seine Rolle mit ein wenig Humor an die seines Agenten Osbourne Cox aus “Burn After Reading“ der Coen-Brüder an. Das hilft diesem schwer nachvollziehbaren und schwerfälligen Agententhriller des einstigen Bond-Regisseurs Apted aber kein bisschen in die Puschen.

Unlocked Quelle: Universum

Gold: Gold zu finden ist schon schwer, es zu behalten noch viel mehr. In Indonesien gräbt der notorisch euphorische Kenny Wells (Matthew McConaughey) mit dem besonnener wirkenden Acosta (Edgar Ramirez), dem Erfinder der obskuren “Feuerringtheorie“ nach Gold, entdeckt es, gerät unter die Raubmenschen der Wall Street (der Kontaktmann heißt nicht umsonst Wolf), hebt ab und verstößt den einzigen Menschen, der je an ihn geglaubt hat – seine bedingungslos liebende Ehefrau Kay (Bryce Dallas Howard).

Eine Mustergeschichte der Verblendung hat Oscarpreisträger Stephen Gaghan (bestes adaptiertes Drehbuch für “Traffic“) mit „Gold“ inszeniert, tragisch im Kern, komisch an den Rändern. Manche Kritiker haben McConaugheys saufenden, mit Diktatorensöhnen liebäugelnden, Tiger streichelnden, instinkthaften, nicht allzu hell belichteten Wells als Karikatur auf den amtierenden US-Präsidenten Trump begriffen. Aber McConaughey – der Film ist seine Show - schafft mit seiner Unbeirrbarkeit trotz aller charakterlichen Defizite den Sprung in die Mag-ich-Zone unseres Herzens, die Big Donald auf ewig vorenthalten bleiben muss. Auch wenn der märchenhafte Schluss das satirische Potenzial des Films gewaltig mindert, gönnen wir es Wells.

Gold Quelle: Studiocanal

The Autopsy of Jane Doe: Viele Tote findet der Sheriff in einem Haus, allesamt Opfer blutiger Gewalt, - Tathergang unklar. Plus die nackte Leiche einer unbekannten jungen Frau, die im Keller, halb in Erde begraben, gefunden wird und als Jane Doe (dem Pseudonym aller anonymen weiblichen Toten), ins Leichenschauhaus kommt. Dort häufen sich bald schon die Mysterien, das Innenleben der äußerlich völlig Unversehrten, birgt ein Rätsel nach dem anderen. Geräusche sind plötzlich auf den Fluren und in den Lüftungsschächten des Leichenschauhauses zu hören, die Türen der Kühlfächer öffnen sich wie von Geisterhand, Schemen zeigen sich, und die geliebte Hauskatze verstirbt aus unbekannter Ursache.

Vater Tommy (Brian Cox) und Sohn Austin (Emile Hirsch) versuchen das Unheimliche des Falls zu ignorieren, bemerken auch kaum, wie die Stimmung zwischen ihnen immer aggressiver wird, während draußen der Donner rollt und ein Radiosprecher den Examinierenden verspricht: “Hier kommt keiner mehr raus!“ Was sich zu bewahrheiten scheint, bald schon ist Totentanz in der Morgue. Der Zuschauer, der zunächst eine vampirische Existenz am Werke wähnt, hat bald schon eine ganz klare Vorstellung davon, um was es sich bei Jane Doe handelt. Und die Frage ist nur noch, welche Mächte die Tote besitzt und wie sie sie ausspielt.

Ein klaustrophobisches Kammerspiel voller Schrecken, den Protagonisten fliegt die Wirklichkeit nur so um die Ohren, was der Norweger André Ovredal überaus effektiv gestaltet. Wenn er dabei auch den unschuldigen Opfern von Salem 1692 Unrecht widerfahren lassen muss.

The Autopsy of Jane Doe Quelle: Universum

Von Matthias Halbig

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