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“In der Schule darfst du auch mal Fehler machen“

Der erste Schultag “In der Schule darfst du auch mal Fehler machen“

Mia ist sechs Jahre alt und kommt dieses Jahr zur Schule. Vor dem ersten Schultag bekommt sie zwei Briefe: einen von ihrer Mutter und einen von ihrer Grundschullehrerin. Unsere Autorin Monika Herbst hat sie aufgezeichnet.

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Aufregend für Kinder und Eltern: Der erste Schultag steht vor der Tür.

Quelle: Fotolia

Hannover.  

Liebe Mia,

von allen Seiten wirst du darauf angesprochen: “Du kommst ja bald zur Schule?“, “Freust du dich?“. Du ahnst, dass sich in deinem Leben etwas Großes verändern wird. Deine Lebenskette im Kindergarten, ein Band, das jeden Monat um eine Perle wächst, geht zu Ende. Deine Zeit im Kindergarten ist bald vorbei – und eigentlich willst du gar nicht weg. Man merkt dir die Anspannung an. Die letzten Monate waren nicht einfach für dich, du hast öfter geweint, mit deinem Bruder gestritten und bewusst meine Nähe gesucht.

Es wird in der Schule viel Neues auf dich zukommen. Du bist bereit dazu. Jeden Tag erschließt du dir mehr von dieser Welt. So wie beim Frühstück, wenn du versuchst, die Buchstaben auf der Milchpackung zu entziffern. Ich hoffe, dass du dir diese Neugierde und diesen Wissenshunger bewahrst. Und dass du gleichzeitig so ausgelassen und fröhlich bleibst.

Einmal saßen dein Vater und ich in einem Restaurant neben zwei Lehrerinnen und haben mitgehört, wie die ältere der beiden sagte: “Wenn ich manche Kinder auf der Schulmesse sehe, wie die dort rumzappeln, dann weiß ich schon: Das wird nichts.“ Ich hoffe, dass deine Lehrer anders sind. Dass sie euch Kinder nicht sofort in irgendwelche Schubladen stecken, sondern dass sie offen und neugierig sind, euch positiv annehmen und wirklich kennenlernen wollen.

Mir ist es wichtig, dass eure Lehrer die Stimmung in der Klasse im Blick haben, dass sie euch unterstützen, fair miteinander umzugehen, und dass sie eingreifen, wenn zum Beispiel ein Kind gemobbt wird. Ihr sollt Hilfe bekommen, wenn ihr sie braucht. Als ich zur Schule ging, war in meiner Klasse ein moppeliges Mädchen. Da waren zwei, drei Jungs, die dem Mädchen das Leben schwer gemacht haben. Sie haben ihr zum Beispiel Reißzwecken auf den Stuhl gelegt. Wir anderen haben gelacht. Keiner hat dem Mädchen geholfen. Das tut mir heute sehr leid. Ich hoffe, dass du stärker bist. Dass du ein Gefühl dafür entwickelst, was richtig und falsch ist, und dass du dich traust, aufzustehen und Ungerechtigkeiten anzusprechen. Das erfordert viel Mut und Selbstvertrauen.

Ich wünsche mir für dich, dass du Lehrer bekommst, die wirklich für ihren Beruf brennen und euch nicht nur Buchstaben und Zahlen beibringen, sondern das wahre Leben. Persönlichkeiten, die authentisch sind und euch inspirieren. So, wie meine frühere Englischlehrerin, die in England und Südafrika gelebt hat und uns viel von ihren Erfahrungen in den fremden Ländern erzählt hat. Oder wie mein Biologielehrer, der ganz liebevoll und detailliert eine Schulstunde lang einen Gimpel an die Tafel gemalt hat, den wir abmalen sollten. Ich habe das Bild des Vogels noch heute vor Augen.

Zum Glück bist du nicht so schüchtern, wie ich es als Kind war. Ich erinnere mich an einen Schulausflug in der ersten Klasse. Meine Mama hatte mir extra mein Lieblingsbrot, mit einem panierten Schnitzel drauf, eingepackt. Die anderen Kinder hatten alle ein Wurst- oder Käsebrot dabei. Ich wollte nicht anders sein. Ich hatte Angst, dass sie mich für mein Brot auslachen. Deshalb habe ich es den ganzen Tag in der Tasche gelassen, obwohl ich großen Hunger hatte. Heute ist mir klar, dass jeder Mensch anders ist und dass das vollkommen in Ordnung ist. Ich glaube, du weißt das viel besser, als ich es damals wusste.

Heute bekommen viele Kinder Nachhilfe. Die Erwachsenen konzentrieren sich auf das, was die Kinder nicht gut können. Dabei ist es doch viel schöner, die Talente der Kinder zu fördern und sie in den Dingen zu stärken, die sie gut können, damit sie selbstbewusst und stark ins Leben gehen können. Ich hoffe, dass dich die Schule dabei unterstützt, deinen Weg zu finden.

Du bist ehrgeizig und perfektionistisch, möchtest alles so gut und so schön wie irgend möglich machen. Wenn dir das nicht gelingt, bist du oft ungehalten mit dir selbst. Du bist schlau, trotzdem wird dir in der Schule nicht alles sofort gelingen. Du wirst Dinge üben müssen, bis du sie wirklich kannst. Du wirst auch mal Fehler machen und andere Kinder werden besser oder schneller sein. Ich wünsche dir die nötige Gelassenheit, damit klarzukommen.

Manchmal wirst du auch ein dickes Fell brauchen. Der Druck in unserer Gesellschaft, die Erwartungen der Eltern an die Schule und an die Leistungen der Kinder sind oft hoch. Ich möchte, dass du weißt: Schule ist wichtig, aber sie ist nicht alles. Ein Mensch ist so viel mehr als nur Wissen. Wir schätzen an dir deine Gabe, Dinge genau zu beobachten und einzuordnen. Weißt du noch, als wir Erwachsenen nach einer Geburtstagsfeier in eine Unterhaltung vertieft waren und du als Einzige wahrgenommen hast, dass eins der kleinen Geschwisterkinder mit seinem Roller zur Straße gefahren ist? Du hast uns Erwachsene sofort auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Du kannst so viel: Du bist empathisch, herzlich, offen für Neues, interessiert und mutig. Du singst und tanzt gern, du kannst schwimmen, fährst Fahrrad und Ski.

Es wird dir gefallen in der Schule. Du wirst bestimmt viel fragen und auch hinterfragen. Du wirst viel lernen und hoffentlich Freunde fürs Leben finden. Und wenn es doch mal Probleme gibt, dann weißt du, dass Familie und Freunde das Wichtigste im Leben sind und dass du immer zu uns kommen kannst.

Ich wünsche dir viele positive Erfahrungen in deiner Schulzeit und umarme dich,

Deine Mama

Zur Person: Dagmar Sander, 43, arbeitet als Projektmanagerin. Sie hat einen vierjährigen Sohn und eine sechsjährige Tochter, die dieses Jahr eingeschult wird. Sie hat ihre Gedanken zum Schulanfang in einem Brief an ihre Tochter festgehalten. Da der Brief sehr persönlich ist, hat sie darum gebeten, nicht ihren wirklichen Namen zu nennen.

Liebe Mia,

du kommst bald zur Schule und bist sicher schon ziemlich aufgeregt. Weißt du was: Nicht nur ihr Kinder seid aufgeregt, sondern auch wir Lehrerinnen. Wir fragen uns: Seid ihr neugierig? Könnt ihr euch an Regeln halten? Wie werdet ihr euch untereinander verstehen? Und werdet ihr zu einer guten Klassengemeinschaft zusammenfinden?

Sicher haben dir deine Eltern schon eine Menge von der Schule erzählt. Heute ist vieles anders als früher, als deine Mama und dein Papa zur Schule gegangen sind: Ihr Kinder sitzt zum Beispiel an Gruppentischen und nicht mehr in Reihen hintereinander, wie früher. Die Lehrer stehen oder sitzen oft zwischen euch und nicht mehr die ganze Zeit vorn an der Tafel, wie das eure Eltern noch kennen. Wenn du unsere Hilfe oder Unterstützung benötigst, kommen wir zu dir an den Platz.

Jedes neue Kind bekommt bei uns ein älteres Schulkind als Paten. Der Pate beantwortet alle deine Fragen und leistet dir in den ersten Schultagen auch in der Pause zwischen den Schulstunden Gesellschaft. Es ist also immer jemand für dich da, wenn du Hilfe brauchst. Natürlich kannst du auch mich, deine Lehrerin fragen, oder die anderen Kinder. Ich versuche dich zu unterstützen und dir zu helfen, wo ich kann. Und keine Sorge: Du kannst und musst nicht alles wissen. Das erwartet niemand von dir. Nur eine wichtige Bitte habe ich an dich: Wenn du etwas nicht verstehst, dann trau dich zu fragen. Das ist sehr wichtig, denn nur dann können wir dir helfen.

Bestimmt möchtest du gleich loslegen und rechnen und schreiben lernen. Keine Sorge, das kommt ganz schnell. Am Anfang zeigen wir dir und den anderen Erstklässlern erst mal die Schule und den Schulhof. Wir stellen dir die Schulleiterin, die Sekretärin und den Hausmeister vor. Wir zeigen dir, wo du deine Jacke aufhängen und deine Schuhe abstellen kannst. Im Klassenzimmer tragen alle Kinder Hausschuhe, keine Straßenschuhe. Wir zeigen dir, wo die Toiletten sind, und erklären dir, dass man eigentlich in der Pause auf die Toilette geht. Aber wenn du mal dringend musst und es in der Pause vergessen hast, darfst du auch mal während des Unterrichts gehen.

Und wir lernen uns kennen. Damit wir uns die Namen der anderen besser merken können, spielen wir Spiele, wie “Wer hat den Keks aus der Dose geklaut?“. Vielleicht kennst du das ja schon. Ich frage dabei im Spaß: “Wer hat den Keks aus der Dose geklaut?“ Ein Kind aus der Klasse antwortet zum Beispiel: “Tim hat den Keks aus der Dose geklaut.“ Tim fragt: “Wer? Ich?“Alle anderen sagen: “Ja, du!“ Tim sagt: “Niemals“, wir sagen im Chor: „Wer dann?“ Tim nennt den Namen eines anderen Kindes aus der Klasse: “Sarah hat den Keks aus der Dose geklaut.“ Sarah fragt: “Wer? Ich?“ Und dann wiederholen wir das mit vielen verschiedenen Namen aus der Klasse. Und bestimmt kommst auch du mal an die Reihe.

Uns Lehrerinnen ist es wichtig, dass sich alle an der Schule wohlfühlen. Dazu gehört auch, dass ihr Kinder freundlich miteinander umgeht. Bei uns gilt zum Beispiel die Regel, dass wir uns nicht auslachen. Und dass sich niemand ausgeschlossen fühlen soll. Wenn jemand fragt, ob er mitspielen darf, sagen wir immer erst mal: „Ja“. Trotzdem dürft ihr beim nächsten oder übernächsten Mal auch mal wieder allein spielen, wenn ihr das wollt.

Auch wenn wir viel lernen, kommt der Spaß bei uns nicht zu kurz. Ihr müsst auch nicht den ganzen Tag sitzen, wir machen zwischendurch lustige Bewegungsspiele. Eines geht so: Wir gehen schleichend im Klassenraum umher und sagen dabei “Hallo, guten Morgen, schön, dass du da bist!“. Immer zwei Kinder stellen sich danach einander gegenüber auf und klatschen sich über Kreuz abwechselnd mit der rechten und linken Hand ab und zählen dabei mit, wie oft sie sich abgeklatscht haben.

Wenn wir zählen und rechnen, bleiben wir nicht immer im Klassenzimmer, sondern gehen auch mal durch die Schule und spielen Zahlenforscher: Wir zählen die Türen auf dem Flur, die Stufen auf der Treppe, die Mädchen oder Jungen in der Klasse, oder wir suchen nach Zahlen, zum Beispiel an der Tür zu den verschiedenen Klassenzimmern.

Lesen und schreiben lernt ihr mit Hilfe einer Buchstabentabelle. Dort stehen alle Buchstaben, die es gibt. Vielleicht kennst du ja schon das M, mit dem dein Name anfängt. Auch die Buchstaben lernen wir heute anders als deine Eltern früher. Wenn deine Eltern das M buchstabieren, sagen sie vielleicht noch “Em“. Ihr lernt, dass das “M“ heißt. Heute weiß man nämlich, dass ihr viel leichter schreiben lernen könnt, wenn ihr “M“ sagt statt „Em“ oder “S“ statt “Es“, wie beim Anfangsbuchstaben deines Nachnamens. Siehst du, jetzt weißt du schon etwas, was vielleicht noch nicht mal deine Eltern wissen. So schnell geht das mit dem Lernen.

Natürlich darfst du auch Fehler machen. Jedes Kind kann etwas anderes gut oder auch nicht so gut. Das ist okay. Wir unterstützen das, was du schon gut kannst, und begleiten dich bei dem, was du noch nicht so gut kannst. So, dass du in allem vorankommst. Egal, wie du bist und was du kannst: Du bist willkommen!

Vielleicht gibt es etwas, das du ganz besonders toll kannst und mir und der Klasse sagen oder zeigen möchtest? Das würde uns sehr freuen. Wenn du uns nichts erzählen magst, oder vielleicht erst später, wenn du uns besser kennst, ist das auch in Ordnung. In jedem Fall freue ich mich sehr auf dich!

Deine Lehrerin

Zur Person: Eva-Maria Osterhues-Bruns, 45 Jahre, ist Konrektorin an der Grundschule Nordholz, nördlich von Bremerhaven. Sie arbeitet seit fast 20 Jahren als Grundschullehrerin und engagiert sich zudem als niedersächsische Landesvorsitzende im Grundschulverband, einer gemeinnützigen Initiative, die sich für eine zeitgemäße und kindgerechte Grundschule einsetzt.

Interview mit dem Schulpsychologen Klaus Seifried

Klaus Seifried (66) ist Schulpsychologiedirektor aD

Klaus Seifried (66) ist Schulpsychologiedirektor a.D. Bis August 2016 war er Leiter des Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungszentrums Tempelhof-Schöneberg in Berlin. Er hat 26 Jahre als Schulpsychologe gearbeitet, ist ausgebildeter Lehrer und approbierter Psychotherapeut.

Quelle: Markus Waechter

“Nun beginnt der Ernst des Lebens“ ist die Floskel schlechthin, wenn es um die Einschulung geht. Wie ernst wird es denn nun, Herr Seifried?

Nun ja, wenn man es genau nimmt, dann besteht der Ernst des Lebens ja ein Leben lang (lacht). Trotzdem halte ich solche Äußerungen nicht für hilfreich – auch wenn die Einschulung tatsächlich ein Einschnitt in der Biografie eines Kindes ist, weil in der Schule mehr Selbstständigkeit erwartet wird.

Man hat den Eindruck, dass viele Eltern heute einen Riesenwirbel um den Schulstart ihres Kindes machen.

Ich würde allen Eltern raten, nicht eine allzu große Feier zur Einschulung zu machen. Viel wichtiger ist es, dem Kind frühzeitig beizubringen, altersangemessen Verantwortung zu übernehmen, mit ihm den Schulweg gemeinsam abzugehen, um zu schauen, ob sich das Kind im Verkehr orientieren kann.

Ab wann sollte ein Kind den Schulweg allein gehen?

Wenn die Wege gut zu bewältigen sind, so schnell wie möglich. Ein bisschen hängt das natürlich auch vom Kind ab und davon, inwiefern die Eltern loslassen können. Ich kenne Eltern, die mit in den Klassenraum gehen, um sicherzustellen, dass dem Kind nichts passiert. Dabei ist es mit der Erfahrungswelt Schule wie beim Laufenlernen. Da fällt ein Kind auch mal hin und tut sich weh. Wichtiger ist es für Eltern, mit ihren Kindern im Gespräch zu bleiben, interessiert nachzufragen, wie es in der Schule war, und auch auf Antworten zu beharren.

Und wenn sich ein Kind mit Händen und Füßen dagegen wehrt, allein in der Schule zu bleiben?

Das haben wir recht häufig. Dahinter stecken Trennungsängste. Das liegt oft daran, dass die Eltern zu spät Selbstständigkeit mit dem Kind geübt haben. Wenn die Eltern es schon früh zulassen, dass sich ihr Kind auch mal von ihnen räumlich entfernt, ohne gleich hinterherzurennen, dann entwickelt ein Kind Selbstständigkeit. Andernfalls wird das Kind in der Abhängigkeit bleiben.

Und dann kommt es bei der Einschulung zu den beschriebenen Szenen.

Ja, das sind symbiotische Beziehungen. Da brauchen die Eltern die Nähe zum Kind. Das sind Abhängigkeiten, die ein Kind in seiner Entwicklung blockieren.

Viele Kinder sind im Ganztag und erledigen ihre Hausaufgaben in der Schule. Unter Eltern gibt es die Sorge, dass ihre Kinder nicht genug Unterstützung bekommen, einhergehend mit der Angst, dass die Kräfte nicht gut ausgebildet sind.

Ich würde Eltern dazu raten, sich ein Stück weit zurückzuhalten. Ein Kind soll ja auch lernen, mit unterschiedlichen Menschen auszukommen. Die Eltern können es begleiten. Aber sie können nicht danebenstehen und dem Kind diese Dinge abnehmen.

Ist es überhaupt sinnvoll, allzu viel Einfluss auf die Hausaufgaben zu nehmen?

Es ist immer das gleiche Prinzip: dem Kind möglichst viel Verantwortung geben für das eigene Lernen. Das beginnt am Abend vor der Schule mit dem Packen der Schultasche. Da ist das Kind gefordert und nicht die Eltern. Genauso ist es mit den Hausaufgaben. Eltern sollten den Kindern auch da eine Tagesstruktur geben, an die Hausaufgaben erinnern, aber nicht dabeisitzen, sondern dem Kind sagen: “Ich komme in zehn bis 15 Minuten wieder und dann zeigst du mir das.“ Das ist für das Kind wichtig, um eine Konzentrationsspanne zu entwickeln.

Und wenn das Kind es vehement einfordert, dass die Eltern sich dazusetzen?

Gerade dann sollten es die Eltern nicht tun, weil die Kinder sich dann auf diesem Weg entlasten und ihre Verantwortung delegieren.

Es gibt Eltern, die große Sorge haben, dass ihre Kinder in der Schule allzu schnell in eine Schublade gesteckt werden könnten oder Opfer von Mobbing werden.

Letztlich kann ich als Vater oder Mutter nur darauf vertrauen, dass ich dem Kind genug Selbstständigkeit und Ichstärke vermittelt habe, um solche Situationen selbst zu bewältigen. Die meisten Eltern reagieren zu früh, versuchen ihr Kind zu beschützen, aber das hilft dem Kind nicht, sondern hält es in der Abhängigkeit.

Wann sollten Eltern einschreiten?

Wenn ein Kind freudig zur Schule geht, nach ein paar Wochen aber nicht mehr in die Schule will, sollten Eltern hellhörig werden und das Gespräch suchen. Das gilt auch, wenn Kinder plötzlich leistungsmäßig absacken, massiv ihr Verhalten ändern oder plötzlich wieder einnässen.

Was würden Sie künftigen Schulkindeltern mit auf den Weg geben?

Erstens: Nicht die schulischen Inhalte vorwegnehmen und mit den Kindern lesen, schreiben oder rechnen üben, sonst langweilt sich das Kind in der Schule. Zweitens: Das Kind möglichst selbstständig werden lassen, es vorab auch ruhig mal bei Freunden übernachten lassen, damit ein Ablösungsprozess von den Eltern eingeleitet wird. Und Drittens: Freundschaftliche Beziehungen in der Klasse unterstützen.

Interview: Carolin Burchardt

Von Monika Herbst

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