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Sportbuzzer Abschied von einem Freund
Sportbuzzer Abschied von einem Freund
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18:08 12.10.2018
Dieses signierte Bild hat Willi Belger von Graciano Rocchigiani zum 75. Geburtstag geschenkt bekommen. Quelle: Ronny Müller
Großziethen

Die Stimme von Willi Belger stockt. Es fällt ihm phasenweise nicht leicht, über Graciano Rocchigiani zu reden. Der Hotelier aus Großziethen (Dahme-Spreewald) war ein väterlicher Freund des ehemaligen Box-Weltmeisters, der am 1. Oktober auf Sizilien im Alter von 54 Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt ist. „Es geht mir sehr nahe“, sagt der 78-jährige Belger.

Rocchigiani war ganz unten

Rocchigiani hat wie kaum ein anderer Profisportler die Amplituden einer Karriere von ganz oben bis ganz unten durchgemacht. Er war Weltmeister – und wegen Körperverletzung im Gefängnis. Er war Millionär – und so pleite, dass er Hartz IV beantragte. Im Jahr 2012 war Rocchigiani, der im Umgang mit Alkohol und anderen Drogen zu oft über die Stränge schlug, wieder ganz unten.

Es sollte nur ein paar Wochen dauern

Mithilfe der Profiboxerin Ramona Kühne und ihres Trainers Stephan Kühne landete er im Haus Belger in Großziethen. „Er kam hier mit einer großen Sporttasche an“, erinnert sich Willi Belger. Für ein paar Wochen sollte er dem Ex-Boxer ein Quartier geben. Es wurden viereinhalb Jahre mit kurzen Unterbrechungen. „Er sollte nicht mehr in sein altes Milieu zurück“, erzählt Belger. Weg von den falschen Freunden. „Man hätte einige seiner Kumpel wegsperren müssen, die waren nicht gut für ihn. Er war von anderen leicht zu beeinflussen.“

Gemeinsame Unternehmungen

Der Einfluss von Willi Belger tat Rocky dagegen gut. „Im ersten Jahr habe ich gemerkt, wie viel ich bei ihm erreicht habe.“ Der Ex-Sportler war beinahe täglich beim Training in Berlin. Belger und Rocchigiani unternahmen viel, fuhren in den Urlaub, besuchten Box-Wettkämpfe. „Wenn wir zum Boxen gefahren sind, dann ist er aufgeblüht und war sehr temperamentvoll. Woanders ließ er schon mal den Max raushängen, hier nie.“ Rocchigiani sei im Hotel immer aufgeschlossen gewesen. „Er gehörte zur Familie, hat sich hier wohlgefühlt.“

Zu Gast bei Rockys Trauerfeier

Dennoch waren es Jahre mit Höhen und Tiefen. „Ich bedaure, dass ich es nicht geschafft habe, ihn vom Alkohol loszukriegen“, sagt Belger mit traurigem Blick. Er hat viel versucht, Rocky in die richtige Spur zu bringen. Aber es war schwierig. „Wenn es nicht nach seinem Kopf ging, hat er schnell das Handtuch geschmissen.“ So auch bei einem gemeinsamen Besuch in der Mongolei. Es ging darum, ein deutsch-mongolisches Boxteam zu initiieren. Rocky ließ jedoch einen Pressetermin platzen, weil ihm bei einem Showtraining etwas nicht gepasst hatte. Die Beziehung Belger-Rocchigiani bekam einen Knacks. „Wir haben später aber noch oft telefoniert“, sagt Belger. Er habe sich gefreut, dass Rocky sein privates Glück mit seiner italienischen Frau gefunden habe. „Wir hatten überwiegend schöne Erlebnisse, es hat auch Spaß gemacht. Aber ich bin nicht mehr der Jüngste, ich war nervlich am Boden.“ An der Rezeption im Haus Belger steht ein Foto von Rocchigiani mit Trauerflor. Am Samstag, 13. Oktober, findet um 12 Uhr auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg die Trauerfeier statt. Auf dem Friedhof an der Großgörschenstraße fanden unter anderen auch die Berliner Rocklegende Rio Reiser und die Gebrüder Grimm ihre letzte Ruhe. Ein Gedenkstein erinnert an die ermordeten Hitler-Attentäter. Selbstverständlich ist auch Willi Belger dabei, um sich von seinem Freund zu verabschieden.

Von Ronny Müller

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