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AfD-Mitglieder aus dem Sportverein werfen?

Brandenburger Vereinschef gegen Rauswurf AfD-Mitglieder aus dem Sportverein werfen?

Der Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt macht es vor und will künftig keine AfD-Mitglieder in den Verein aufnehmen. Dieser Vorstoß findet in Brandenburg nicht nur Zustimmung. Allerdings würden die Vereine bei politischer Agitation einschreiten. Wir haben uns umgehört.

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In Brandenburg wäre für viele Vereine die Mitgliedschaft in der AfD kein Problem.

Quelle: Archiv

Potsdam. Der Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt sorgt nicht nur für sportliche Schlagzeilen. Vereinspräsident Peter Fischer zementierte zuletzt mehrfach, dass eine Mitgliedschaft bei Eintracht Frankfurt und eine Unterstützung der rechtspopulistischen Partei AfD nicht miteinander vereinbar seien.

Fischer: „Dafür braucht man nicht so wahnsinnig viele Eier“

Bei der Mitgliederversammlung war der 61-Jährige kürzlich mit 99 Prozent Zustimmung im Amt bestätigt worden. Nun fordert Fischer, dass mehr Vereine ebenso aktiv werden: „Dafür braucht man nicht so wahnsinnig viele Eier. Was ich hier sage, ist doch nicht die schräge Meinung eines geistig Verwirrten. Ich sage: Das sind unsere Werte. Das steht in unseren Satzungen. Es gibt tausende von Vereinen, in denen das ebenfalls festgehalten ist. Ich hoffe wirklich, dass dieses Thema keine Soloveranstaltung von Peter Fischer und Eintracht Frankfurt bleibt.“ Für die Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV am 18. Februar gibt es einen Antrag auf Ausschluss von AfD-Mitgliedern, der heftige Reaktionen vor allem aus der AfD ausgelöst hat.

Kalbitz: „Pauschalisierte Hexenjagd“

In Brandenburger Sportvereinen hat es laut dem AfD-Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz bisher keine Sanktionen gegen Partei-Mitglieder gegeben. Er hält Fischers Vorstoß für eine „pauschalisierte Hexenjagd. Außerdem ist die Stimmung auf dem Land anders als in Frankfurt, hier ist die AfD längst angekommen“.

Die Märkische Allgemeine hat bei den größten Vereinen der Region nachgefragt, wie sie sich zum Thema AfD positionieren. „Wir als Verein mit vielen Kindern und Jugendlichen sind die Kinderstube der Demokratie“, sagt Birgit Faber, Vorsitzende des TSV Falkensee (Havelland). „Wir haben nicht das Recht, jemanden auszuschließen, der eine demokratisch gewählte Partei unterstützt. Aber wenn jemand gegen unsere Werte wie Toleranz und Menschlichkeit verstößt, dann haben wir die Möglichkeit eines Ausschlusses.“

TSV-Geschäftsführerin Birgit Faber

TSV-Geschäftsführerin Birgit Faber.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Keine detektivische Arbeit beim RSV

Michael Grunwaldt, Vorsitzender des RSV Eintracht Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark), sieht es ähnlich: „Wir fragen im Mitgliedsantrag keine politische Richtung ab. Ich würde mir auch keine detektivische Arbeit erdreisten“, sagt Grunwaldt, der daher über Fischer staune. „Aber wir sind politisch neutral. Wenn jemand im Verein politisch aktiv würde, müssten wir einschreiten.“

Michael Grunwaldt, Vorsitzender des RSV Eintracht Stahnsdorf

Michael Grunwaldt, Vorsitzender des RSV Eintracht Stahnsdorf.

Quelle: privat

Peter Rieger, Geschäftsführer des SC Potsdam, schlägt in die gleiche Kerbe. „Eine politische Meinung bei uns zu vertreten, geht nicht.“ Der Volleyball-Bundesligist grenzt sich außerdem von der Potsdamer AfD ab. „Das ist die einzige Fraktion, zu der wir nicht gehen, um unsere Projekte vorzustellen.“

Peter Rieger, Geschäftsführer des SC Potsdam

Peter Rieger, Geschäftsführer des SC Potsdam

Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 ist eher linksorientiert und hat mit der AfD gar nichts am Hut. Der SVB-Vorsitzende Archibald Horlitz stellt sich daher an die Seite von Peter Fischer: „Meine persönliche Hochachtung zur Haltung des Präsidenten von Eintracht Frankfurt. Dazu kann man ihm nur gratulieren. Sofern wir dieses Problem bei uns im Verein hätten, würden wir genauso reagieren.“

Der SVB-Vorsitzende Archibald Horlitz

Der SVB-Vorsitzende Archibald Horlitz

Quelle: Jan Kuppert

Kein Platz für Fremdenfeindlichkeit

Eine ganz klare rechtliche Handhabe gibt es derweil offenbar aber nicht. „Für die eigene Wahlentscheidung ist man in einer freiheitlichen Demokratie niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig, auch dem eigenen Sportverein nicht“, sagt Fabian Klein, Sprecher des Landessportbundes Brandenburg. Daher gebe es für Ausschlüsse aufgrund von politischen Haltungen, die mit der Verfassung vereinbar sind, keine vereinsrechtliche Grundlage. Klein betont allerdings, „dass Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung auf den märkischen Sportplätzen keinen Platz haben“.

Von Ronny Müller

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