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Fussball Hertha-Trainer Dardai wünscht sich größere Tore
Sportbuzzer Fussball Hertha-Trainer Dardai wünscht sich größere Tore
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01:16 03.09.2018
Pal Dardai ist seit dem 5. Februar 2015 Trainer bei Hertha BSC. Quelle: Zinken/dpa
Berlin

Kaum ein Trainer verkörpert einen Bundesliga-Verein so wie Pal Dardai Hertha BSC. Der 42-Jährige steht seit dreieinhalb Jahren bei den Berlinern an der Linie, am Sonntag (18 Uhr) tritt er mit Hertha beim FC Schalke 04 an. Im Interview spricht der Ungar über Zeugen bei Trainergesprächen, Stareinkäufe und Hertha als „Mini-Ajax“.

Herr Dardai, stellen Sie sich einmal vor, Sie dürften eine Sache aus der Bundesliga streichen. Eine Regel, ein Verhaltensmuster, egal was. Wofür würden Sie sich entscheiden?

Pál Dardai: Ich würde das Tor vergrößern. Einen halben Meter nach oben und einen halben Meter nach links und rechts.

Weshalb?

Weil wir wieder häufiger Ergebnisse wie früher in der Bundesliga hätten – ein schönes 4:4 oder ein 5:3. Es sollten mehr Tore fallen für die Zuschauer. Früher waren die Torhüter kleiner, häufig waren sie so groß wie ich. Das ist heute anders, doch das Tor wird nicht angepasst.

Trainieren wie vor 40 Jahren

Würden Sie gerne mal in der Zeit reisen, um zu schauen, wie Trainer vor 40 Jahren arbeiteten?

Ich habe es mitbekommen, wenn auch nicht in der Bundesliga, sondern in Ungarn. Schon mit sechs Jahren habe ich bei meinem Vater in Pécs in der Trainerkabine gehockt und in der Halbzeit auf dem Rasen vor 16 000 Zuschauern mit dem Ball gespielt. Das war eine andere Welt. Nun gibt es noch mehr Medien, mehr Zuschauer und größere Stadien.

Im vergangenen Jahr verstarb ihr Vater. Er war eine ihrer engsten Bezugspersonen. Was vermissen Sie am meisten an Pál Senior, der genau wie Sie Fußballtrainer war?

Zum Beispiel die ehrliche und direkte Kritik meines Vaters. Es war früher wie ein Reflex von mir nach dem Spiel als erstes bei ihm anzurufen. Mich interessierte, wie er die Partie gesehen hat. Das fehlt mir. Aber da muss ich durch. Ich habe so viel von ihm bekommen, habe so viel von ihm gelernt. Ich bin sehr stolz auf meinen Vater. Ich will für meine Kinder ein Vater sein, wie er es für mich war.

Ertappen Sie sich dabei, wie Sie auf dem Fußballplatz in Verhaltensmuster Ihres Vaters verfallen?

Ich bin ein anderer Trainertyp als mein Vater es war. Mein Spielsystem und das Training sind anders. Als Mensch versuche ich wie er zu sein. Er hat seine Spieler wie Partner behandelt.

Dardai schlief in seiner Anfangszeit bei Hertha wenig

Sie sind sehr ehrgeizig, so waren Sie schon als Spieler. Können Sie auch mal abschalten oder liegen Sie abends noch Zuhause im Bett und denken an Hertha BSC?

In meiner Anfangszeit als Hertha-Trainer konnte ich tatsächlich kaum schlafen. Habe mir Gedanken gemacht, wie wir das alles möglichst schnell hinbekommen. Damals war noch vieles im Verein etwas anders, es gab beispielsweise keinen richtigen Fitnesstrainer. Wir brauchten neue Strukturen. Seitdem wir da nachgebessert haben, liegt Pál Dardai um 21.30 Uhr in seinem Pyjama im Bett, schaut ein bisschen Fernsehen und schläft gegen 22 Uhr ein (lacht).

Wie unterscheiden Sie als Trainer im Umgang mit älteren und jüngeren Spielern?

Ich rede mit jedem meiner Spieler gleich. Sollte es mal etwas Ernstes sein, hole ich den Spieler zu mir und bitte einen Co-Trainer als Zeugen dazu.

Warum brauchen Sie einen Zeugen?

Damit der Spieler später nicht irgendetwas anderes erzählt. Aber allgemein ist meine Ansprache und mein Ton gegenüber den Spielern immer der gleiche.

Pal Dardai über das Spieler-Dasein

Die Trainerarbeit hat sich über die Jahre verändert, gleiches gilt auch für den Job des Spielers. Wären Sie persönlich heutzutage noch gerne Fußballprofi? Stichwort Druck.

Immer! Ich wäre froh, wenn ich noch einmal spielen könnte. Es ist das allerschönste, Fußballer zu sein. Im Kindergarten bekommst du zum ersten Mal einen Ball, auf einmal bist du Profi und erhältst dafür auch noch Geld. Ich würde sehr gerne noch mal Spieler sein.

Als Profi waren Sie bei Hertha BSC einst direkter Kontrahent vom aktuellen Bayern-Trainer Niko Kovac. Haben Sie damals schon daran geglaubt, dass sie beide erfolgreiche Trainer werden?

Wir waren beide Sechser, unsere Aufgabe war die Organisation auf dem Feld. Als Sechser bist du auf dem Platz der verlängerte Arm des Trainers. Das ist ein Vorteil für den späteren Trainerberuf, weil man schon viel vom Trainerjob mitbekommt. Ich komme aus Ungarn, ein kleiner Junge von einem schwarzen Ascheplatz. Ich bin sehr stolz, dass ich es bis zum Hertha-Trainer geschafft habe.

Mit 286 Bundesligaeinsätzen haben Sie es auch zum Rekordspieler von Hertha BSC gebracht. Früher spielten Sie in einem Team mit klangvollen Namen wie Marko Pantélic, Andriy Voronin oder Marcelinho. Lässt sich diese Mannschaft mit der aktuellen vergleichen?

Das war ein völlig anderes Team, als das, was wir jetzt haben. Eine Mannschaft mit vielen Topstars. Wir hingegen wollen heute junge Spieler entwickeln und halten. Wenn ein Fan oder ein Journalist mich aktuell fragt, wann wir Meister werden, dann geht es bei mir auf der einen Seite rein und auf der anderen wieder raus. Denn das ist von der Realität so weit weg.

Der Hertha-Trainer über den Nachwuchs

Toptransfers kann Hertha BSC nicht tätigen, dafür fehlt Geld. Sie haben aktuell zwölf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs im Kader. Warum?

Für uns ist das der einzige Weg. Seien wir mal ehrlich: Wir sind die Hauptstadt und hatten früher Teams in denen Pantélic und Marcelinho spielten, doch das können wir nicht mehr leisten. Trotzdem haben auch wir Potenzial. Wir haben eine sehr gute Akademie. Ich sehe Hertha heute vielleicht als eine Art Mini-Ajax.

Was genau meinen Sie mit Mini-Ajax?

Wir wollen Nachwuchsspieler in die Bundesliga bringen. Die Besten von ihnen werden uns vielleicht verlassen. Aber wenn sie später in der Karriere dann eventuell zu uns zurückkommen, dann wäre das doch eine schöne Sache.

Heute reicht häufig eine gute Bundesligasaison aus und das Eigengewächs wechselt den Verein.

Heute musst du nicht mal mehr eine gute Bundesligasaison spielen. Leipzig hat uns in diesem Sommer einen Spieler aus der U13 weggenommen. Ich hoffe, er erhält dort eine gute Ausbildung. Aber ich stelle mir die Frage, ob es so auch besser für ihn ist? Darüber sollte man diskutieren.

Von Robert Hiersemann

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