Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Sportbuzzer Hertha-Arzt Schleicher: „Rasen ist gelenkschonender“
Sportbuzzer Hertha-Arzt Schleicher: „Rasen ist gelenkschonender“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 14.03.2018
Erstversorgung auf dem Platz: Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher mit dem verletzten Hertha-Stürmer Salomon Kalou . Quelle: Foto: dpa
Berlin

Ulrich Schleicher ist seit 20 Jahren Teamarzt von Fußball-Bundesligist Hertha BSC. Im Interview spricht er über die Wichtigkeit der Oberkörpermuskulatur, die Gefährlichkeit von Kunstrasen und Hüftprobleme bei Fußballern.

Sie sind seit 20 Jahren bei Hertha BSC als Mannschaftsarzt. Wie hat sich in dieser Zeit die Belastung geändert?

Ulrich Schleicher: Durch Pressing und Gegenpressing hat sich die Athletik enorm verändert. Die Laufstrecken haben sich vergrößert und die Strecken, die Fußballer mit höherem Tempo gehen, ebenfalls. Die Belastung ist größer geworden, aber es wird auch mehr für den Körper getan. Früher wurde der Oberkörper bei Fußballern, vorsichtig ausgedrückt, oft vernachlässigt. Da gab es dann beispielsweise auch häufig Leistenprobleme bei den Spielern. Dem versucht man entgegenzutreten, indem man den gesamten Körper trainiert. Je besser der Körper trainiert ist, desto mehr sind die Gelenke geschützt – das gilt natürlich auch für den Breitensport.

Gibt es „Verletzungsanfälligkeit“, oder ist das eine Frage des Trainings?

Nicht jeder Mensch ist gleich, deshalb gibt es auch verletzungsanfälligere Spieler. Zum einen gibt es genetisch bedingte Unterschiede beim Muskeltyp. Davon gibt es zwei: Ausdauer und Schnellkraft. Die, die diese schnellzuckenden Muskeln haben, sind häufig auch verletzungsanfälliger als der Ausdauertyp, die brauchen auch mehr Regeneration. Auch bei der Körperstatik gibt es Unterschiede. Wenn man mehr ein O- oder X-Bein hat, können Fehlbelastungen auftreten. Bei O-Beinen hat man mehr Belastung auf der Bein-Innenseite und man ist gefährdeter, dass man einen Innenmeniskusriss bekommt.

Lässt sich an der Statik viel ändern?

Mit Einlagen kann man entgegenwirken. Wenn es ein ausgeprägterer Fall ist, kann man in jungen Jahren auch Operationen durchführen, um Arthrosen vorzubeugen.

Wie sieht so eine OP aus?

Wenn man noch Wachstumsfugen hat, die offen sind, kann man diese am Schienbein mit einer Klammer fixieren, so dass die Gegenseite wächst, um die Fehlstellung auszugleichen. Bei Erwachsenen bricht man den Knochen und korrigiert die Fehlstellung mit einem Keil.

Sie sprechen Jugendliche an: Gibt es da spezielle Probleme?

Die jungen Sportler wachsen und können gar nicht so schnell ihre Muskulatur den Anforderungen, denen sie bei hohem Trainingspensum ausgesetzt sind, trainieren, weil das Längenwachstum die Muskulatur schwächt. Speziell im Fußball ist das dann gefährlich, weil oft auf Kunstrasen gespielt wird und es dann schnell zu Verletzungen der Gelenke kommen kann.

Warum ist Kunstrasen so gefährlich?

Der normale Rasen, der auch eine gewisse Feuchtigkeit hat, gibt auch nach und dämpft so den Stoß. Vor allem ältere Kunstrasen sind dagegen meist stumpf. Der Spieler stoppt abrupt und der Stoß direkt auf das Gelenk. Kunstrasen wird inzwischen elastischer gestaltet. Aber bisher ist es immer noch so, dass der natürliche Rasen gelenkschonender ist.

Gibt es auch fußballspezifische Hüftprobleme?

Es gibt Gelenklippenverletzungen, die zugenommen haben, weil ein Spieler heutzutage das doppelte oder dreifache an Pässen spielt, als es früher der Fall war. Die Gelenklippe umfasst die Pfanne des Gelenks und ist ein Bindegewebe. Wenn man also den Ball mit der Innenseite passt, kommt es zu kleinen Stauchungen. Ich kenne viele Fußballer, die da schon eine Arthroskopie machen lassen mussten.

Yoga ist ein großer Trend. Wie gefährlich ist der, wenn man sich beim Lotussitz den Meniskus reißen kann?

Bestimmte Übungsformen bergen Gefahren, wenn man sie entweder zu häufig macht, oder in einem höheren Alter einsteigt und der Meniskus die Bewegung nicht gewöhnt ist. Denn er verliert seine Elastizität, mit 20 fängt er schon leicht an zu degenerieren. Auch hier gilt, dass man sich vorsichtig rantasten muss und eine gute Anleitung braucht.

Der Mensch hat rund 360 Gelenke, davon rund 100 bewegliche. Welche sind die wichtigsten?

Es ist schwer, das zu gewichten. Wenn das Daumensattelgelenk kaputt ist und man nicht mehr Greifen kann, dann hat ein kleines Gelenk auch eine Riesenbedeutung. Aber es gibt natürlich die Gelenke, die das Körpergewicht tragen, wie Hüft-, Knie- und Sprunggelenk. Die sind im Laufe des Lebens mehr belastet. Ellenbogen- oder Schultergelenk sind aber durch Bewegung auch stark belastet, wie beispielsweise bei Handballern oder Tennisspielern. Und beim Fußball sind das die Knie- und Sprunggelenke.

Welche Gelenk-Tipps haben Sie für einen Sportanfänger?

Wenn man zuvor nicht viel Sport gemacht und vielleicht auch noch etwas Übergewicht hat, ist Vorsicht geboten, weil die Gelenke gleich eine volle Belastung haben, ohne dass sie geschützt sind. Deshalb der Klassiker: Zunächst Schwimmen oder Radfahren, also gelenkschonende Sportarten, bei denen man Muskulatur stabilisiert und aufbaut und Kondition bekommt. Wenn man das eine Weile getan hat, kann man das dann auch mit dem Joggen kombinieren.

Was halten Sie von natürlichen „Gelenkpulvern“ wie Grünlippmuschel?

Diese Mittel sind nicht durch Studien getestet. Trotzdem kann man sagen, dass einige Stoffe, die beim Knorpelaufbau benötigt werden, in diesen Naturprodukten zu finden sind. Die gibt es auch in der Apotheke als Arthrosepulver. Die haben durchaus ihre Wirksamkeit, man darf sich nur nicht davon versprechen, dass die Arthrose davon weggeht. Außerdem darf man nicht vergessen: Bei jeder Einnahme einer Tablette gibt es in 30 Prozent der Fälle einen Placebo-Effekt. Jemand, der also einen positiven Effekt durch solche Pulver hat, kann die auch weiter nehmen.

Knackende Gelenke kein Problem

Manche Mensche
n finden es eklig, andere entspannend: knackende Gelenke. Manche können die Finger krachen lassen, bei anderen knallt es im Knie, wenn sie in die Hocke gehen.

Woher kommt das Geräusch? „Wir wissen es nicht“, sagt Orthopädin Caroline Werkmeister, die das Athleticum am Universitätsklinikum Eppendorf leitet.

Sicher ist: Flüssigkeit neigt dazu, in Gas überzugehen. Je niedriger der atmosphärische Druck ist, desto eher passiert das. Deshalb kocht Wasser im Tal erst bei 100 Grad Celsius, in großer Höhe aber schon früher.

Möglicherweise geschieht bei manchen Menschen genau das: Die Flüssigkeit in der Gelenkkapsel wird unter Zug zu Gas und schlagartig wieder zu Wasser, wenn der Zug nachlässt. Diese Vorgänge verursachen das knallende Geräusch. „Große Studien dazu gibt es aber schlichtweg nicht.“

Was also tun? Entspannt weiterknacken! Die schlechte Studienlage lässt durchaus die Schlussfolgerung zu, dass es sich nicht um ein allzu großes Problem handelt, sagt Werkmeister. „Wir hätten vermutlich bereits bemerkt, wenn Menschen, die ihre Gelenke knacken lassen können, häufiger Probleme mit diesen Gelenken haben.“

Deshalb ist der Gang zum Arzt in der Regel nur angesagt, wenn das Knacken schmerzt.

Von Stephan Henke

Nur ein Weltcup-Sieg stand bislang in der Jahresbilanz von Eric Frenzel. Zum Saisonende aber kommt er noch einmal in Schwung. Nun sind auch die einst als Bestmarke für die Ewigkeit betitelten 48 Siege des Finnen Hannu Manninen nicht mehr weit.

13.03.2018

Zweimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze holte die deutschen Athleten am Dienstag bei den Paralympics. Gold-Lieferantin Anna Schaffelhuber wurde dabei erstmals geschlagen - von einer Teamkollegin.

13.03.2018

Erst Fahnenträgerin, dann Silber, nun Gold: Andrea Eskau trumpft bei den Paralympics in Pyeongchang groß auf. Die 46-Jährige präsentiert sich topfit und berichtet von einem großen Vorteil ihrer Routine.

13.03.2018