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Sportbuzzer "Le Kaiser" Kittel und Reizfigur Froome im Mittelpunkt
Sportbuzzer "Le Kaiser" Kittel und Reizfigur Froome im Mittelpunkt
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15:47 05.07.2018
Sprintstar Marcel Kittel möchte das Gelbe Trikot auf der ersten Etappe erobern. Quelle: Uwe Anspach
Noirmoutier

Für "Le Kaiser" Marcel Kittel und die Reizfigur Chris Froome sind die Vorjahreserfolge schwere Lasten. Da trotz des Freispruchs gegen den Briten die Zweifel bleiben, erwartet ihn bei der 105. Tour de France auf dem Weg zu seinem fünften Triumph ein Spießrutenlauf.

Neben sportlichen Herausforderungen steht Froome wegen der vom Radsport-Weltverband UCI so fragwürdig gelösten Salbutamol-Affäre ein Nervenkrieg der besonderen Art bevor. Er bat die Fans um Fairness, Bodyguards sollen ihn schützen, und der vielleicht aussichtsreichste Herausforderer Tom Dumoulin will sicherheitshalber Abstand zu Froome halten.

Kittel, der 2017 fast ein Viertel aller Etappen gewann, steht ebenso unter Druck. "Das krasse Vorjahr mit fünf Siegen zu wiederholen, ist natürlich unrealistisch", sagte der Topsprinter aus Thüringen vor dem Start des größten Radrennens der Welt. Schon im Ziel der ersten Etappe in Fontenay könnte er sich am Samstag im Gelben Trikot sonnen, so wie ihm das 2013 auf Korsika und 2014 in Yorkshire gelang.

"Gelb ist drin, aber ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster. Die Zielankunft hat es in sich", sagte der Katusha-Alpecin-Kapitän, dessen Sprintzug mit Rick Zabel und Tony Martin noch nicht wie geschmiert läuft. "Die Zielgerade von Yorkshire war sehr ähnlich der von Fontenay", sagte Kittel-Manager Jörg Werner hoffnungsvoll.

"Dieses Jahr war nicht mein bestes der Karriere, deswegen sehe ich mich auch nicht als Favoriten in den Sprints", sagte Kittel. Das Leader-Trikot habe er aber im Blick. "Ich weiß, wie gut es sich anfühlt, Gelb zu haben. Das motiviert mich. Es gibt große Konkurrenz, aber keinen extra Druck."

Der Startschuss zur 3351-Kilometer-Tour durch Frankreich, die am 29. Juli auf den Pariser Champs Elysées endet, fällt auf der Atlantik-Insel Noirmoutier. Ein Teamzeitfahren in Cholet, eine Kopfsteinpflaster-Passage nach Roubaix mit Aussichten für Martin und John Degenkolb, ein Einzelzeitfahren am vorletzten Tourtag an der spanischen Grenze und drei Bergankünfte sind die sportlichen Eckpunkte dieser brisanten Tour.

Froome hat den Giro in den Knochen und die Folgen der neunmonatigen Salbutamol-Affäre bestimmt nicht restlos verdaut. Diese Kombination könnte der Konkurrenz - Vincenzo Nibali, Dumoulin, Nairo Quintana, Richie Porte oder Romain Bardet - ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Die Schar der Aspiranten auf das Maillot Jaune war selten größer.

Der umstrittene Kapitän des mit geschätzten 30 Millionen Euro pro Saison üppig ausgestatteten Sky-Teams darf nach seinem Giro-Triumph weiter auf Rekordjagd gehen. Er peilt seinen fünften Toursieg und den vierten GrandTour-Erfolg in Serie an. "Ich mache Froome keinen Vorwurf. Er ist freigesprochen. Aber wie chaotisch der Fall gehandelt wurde, ist nicht das, was der Radsport braucht. Die Fans fliehen - aus diesem Grund", sagte der in Italien vom Briten bezwungene Sunweb-Kapitän Dumoulin aus den Niederlanden.

In Erinnerung an die unappetitliche Urin-Attacke eines Fans auf Froome im Jahr 2015 will er, so sagte er scherzhaft, in gebührendem Abstand fahren. Sky hat "besondere Vorkehrungen" getroffen, um Froome zu schützen - wozu wie zu Armstrong-Zeiten auch Bodyguards gehören sollen. Beim ersten öffentlichen Auftritt des Briten in Westfrankreich war von ihnen allerdings noch nichts zu sehen.

"Alle gehen heute auf die UCI los, aber wenn ich am 28. Juni einen Brief von der WADA erhalte, der mir sagt, dass die Proben von Herrn Froome keine Verletzung der Anti-Doping-Regeln darstellen, sehe ich nicht, wie ich Chris Froome im Licht dessen sanktionieren könnte", sagte UCI-Präsident David Lappartient der Zeitung "Le Figaro". "Ich verstehe die Reaktion der Leute, aber sie wollten Frooms Kopf auf einer Stange, ob er schuldig ist oder nicht."

Die Diskussionen um den zweifelhaften Hauptdarsteller der Tour lassen Kittel verhältnismäßig kalt. Der 30-Jährige, der in Frankreich vom Tour-Sprecher den Spitznamen "Kaiser" verpasst bekam, konzentriert sich auf den Flachetappen auf seine Konkurrenz. Die steht mit seinem Nachfolger beim Erfolgsteam Quick-Step, Fernando Gaviria aus Kolumbien, dem Australier Michael Matthews, dem Franzosen Arnaud Démare, dem Niederländer Dylan Groenewegen, André Greipel und Peter Sagan so breitgefächert da wie in kaum in einen Jahr zuvor. Sein Landsmann Greipel, der nach einem Schlüsselbeinbruch im März pausieren musste, will nach der ersten Tour ohne Etappenerfolg 2017 diesmal wieder ganz vorne fahren.

Der dreimalige Weltmeister und Bora-hansgrohe-Kapitän Sagan hat mit der Tour noch eine Rechnung offen. Im Vorjahr hatte Slowake die Rundfahrt nach der vierten Etappe verlassen müssen, weil er im Zielsprint von Vittel mit einem angeblichen Bodycheck die schwere Verletzung des Briten Mark Cavendishs verursacht hätte. Erst Monate später wurde er von der Disziplinar-Kommission der UCI rehabilitiert.

Sagan, der sich nach seiner ungerechtfertigten Demission seinen dritten WM-Titel geholt hatte, will jetzt sein Grünes Trikot zurück. Damit hatte sich im Vorjahr Michael Matthews vom Sunweb-Team geschmückt. Der kündigte an: "Das Trikot ist keine Option - wir fahren alle für Tom Dumoulin".

dpa

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