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Sportbuzzer Höhnes Gang durch die Hölle in der Höhe
Sportbuzzer Höhnes Gang durch die Hölle in der Höhe
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18:15 16.10.2018
Christoph Höhne bei den Olympischen Spielen 1968 allein auf weiter Flur auf dem Weg zum Olympiasieg. Quelle: Fotos: MAZ-Archiv
Fürstenwalde

Irgendwann in diesem nicht enden wollenden Sommer hat er sich ertappt. „Mensch, das ist ja jetzt 50 Jahre her“, meint Christoph Höhne. Exakt am 17. Oktober vor 50 Jahren wurde er in Mexiko-City Olympiasieger im 50 Kilometer Gehen. In 4:20:13,6 Stunden distanzierte er die Konkurrenten um über zehn Minuten – einer der überlegensten Olympiasiege. An seinen Gang durch die Hölle – Hitze und die dünne Höhenluft auf 2200 Metern machten den Wettkämpfern zu schaffen – kann sich Höhne zwar gut erinnern, aber das ruft keine Gänsehaut mehr bei ihm hervor.

Keine Verbannung in die Strafkolonie

Christoph Höhne braucht viele Paar Sportschuhe. Er ist noch immer als Geher aktiv. Quelle: privat

Als Weltrekordler auf der Bahn – drei Jahre zuvor war er in Potsdam die 125 Runden (!) in 4:10:51,8 Stunden gegangen – und Olympia-Sechster von 1964 zählte er sicher zu den Mitfavoriten. „Wir hatten uns als DDR-Leichtathleten gut auf die speziellen Höhenbedingungen vorbereitet, waren im Höhentrainingslager in Armenien. Vor den Spielen haben wir uns in Toluca aufgehalten, das lag noch höher als Mexiko-Stadt“, beginnt er seine Schilderungen. Doch als die ersten Wettbewerbe losgingen, blieben die DDR-Leichtathleten unter ihren Möglichkeiten. Höhne weiß noch, als er in den Bus einstieg, der ihn zum Start brachte, wünschte ihm Reporter-Legende Heinz Florian Oertel alles Gute. „Aber unter uns Sportlern haben wir schon geflachst, danach geht es zurück in die Strafkolonie nach Toluca. Denn nur wer erfolgreich war, durfte in Mexiko-Stadt bleiben.“ Höhne ging seinen Wettkampf verhalten an. „Ich bin relativ gleichmäßig durchgegangen.“ Nach gut der Hälfte war er schon allein an der Spitze. „Unterwegs hatte ich aber keine Ahnung, wie weit ich vor den anderen war“, berichtet Höhne, der sich alle fünf Kilometer von Tee mit Traubenzucker und Zitrone aus der Thermoskanne von Betreuern versorgen ließ. „Zwischendurch habe ich versucht, nicht daran zu denken, dass ich an erster Stelle liege. Erst als ich ins Stadion kam und fast alle Zuschauer noch da waren und mir zujubelten, wurde es mir bewusst.“

Im offenen Wagen durch Leipzig

Die Siegerehrung fand am nächsten Tag statt, als der US-Amerikaner Bob Beamon seinen legendären Jahrhundertsprung von 8,90 Meter vollführte. „Als ich die Medaille erhielt, hatte ich nicht mal Tränen in den Augen. Ich war emotional nicht so ergriffen, habe mich bei Erfolgen anderer Sportler mehr gefreut“, sagt Höhne, der in einem Dorf bei Leipzig aufgewachsen ist. Er erinnert sich noch daran, dass er nach der Heimkehr im offenen Wagen gemeinsam mit Margitta Gummel, Olympiasiegerin im Kugelstoßen, durch die Messestadt fuhr und es auf dem Markt einen großen Empfang gab.

Karriere als Sportfotograf

Während er damals etwa 200 Kilometer in der Woche trainierte, steigerte Höhne sein Pensum Anfang der 1970er Jahre auf fast 350 Kilometer in der Woche, das hieß mitunter mehr als 50 Kilometer am Tag. Bei den Sommerspielen 1972 in München blieb er als 14. aber unter seinen Möglichkeiten. Ein anonymer Anrufer hatte ihn bei der DDR-Sportführung denunziert, er wolle während des Wettkampfes flüchten. „Das war natürlich Quatsch“, sagt der heute 77-Jährige. 1974 wurde er zum zweiten Mal nach 1969 Europameister. Danach beendete er seine Karriere, wurde Sportfotograf.

Als Alterssportler bei der WM erfolgreich

Vor sechs Jahren startete er als Walker ein Comeback, um etwas gegen seine Herzrhythmusstörungen zu tun. Er schloss sich dem Triathlonverein Fürstenwalde (Oder-Spree) an, wo er mit seiner Frau Monika wohnt. Beide unterstützen zum Beispiel den Storkower Seelauf. Für den Verein gestaltet Höhne mit seinen Fotos einen Jahreskalender. Und er war sogar wieder erfolgreich, nahm an Senioren-Europa- und Weltmeisterschaften teil. 2016 gewann er in Perth/Australien dreimal WM-Gold im Gehen in der Altersklasse 75. Nach einer Operation an der Halsschlagader musste er in diesem Jahr etwas kürzer treten. Aber der Olympiasieger schnürt fast täglich seine Geherschuhe und walkt an der Spree entlang.

Von Peter Stein

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