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Ohne Giesela Vogel läuft nichts

Treue Seele Ohne Giesela Vogel läuft nichts

„18?, 20?, 22?, 23?, 24? Weg!“ Giesela Vogel reizt solange, bis sie aufgrund der Wertigkeiten, die es beim Skatspiel zu beachten gibt, nicht mehr höher mitgehen kann. „Schade, ich hatte ein schönes Kreuzspiel, leider nur einfach, auf der Hand“, so die 82-Jährige, „aber überreizen oder auf zwei gute Karten, die im Skat liegen könnten, das mache ich so gut wie nie.“

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Die 82-jährige Giesela Vogel präsentiert stolz ihren Berlin-Pokal, den sie 2006 bei den Frauen gewinnen konnte.

Quelle: Oliver Schwandt

Königs Wusterhausen. „18?, 20?, 22?, 23?, 24? Weg!“ Giesela Vogel reizt solange, bis sie aufgrund der Wertigkeiten, die es beim Skatspiel zu beachten gibt, nicht mehr höher mitgehen kann. „Schade, ich hatte ein schönes Kreuzspiel, leider nur einfach, auf der Hand“, so die 82-Jährige, „aber überreizen oder auf zwei gute Karten, die im Skat liegen könnten, das mache ich so gut wie nie.“

Skat bestimmte bei Giesela Vogel, die den Verein „Die Maurer Diepensee“ mitgegründet hat, schon fast ihr gesamtes Leben. Als die Mutter von fünf Kindern mit Sohn Hansi im Wochenbett lag, sah ihr Mann Karl-Heinz die Zeit gekommen, ihr das komplexe Spiel mit den 32 Karten beizubringen. „Sonst haben ja nur mein Vater, Großvater und Karl-Heinz stundenlang Skat gespielt“, erinnert sich Giesela Vogel, wie sie ihren ersten Schritte im wohl beliebtesten Kartenspiel der Deutschen absolvierte, „Karl-Heinz notierte auf einem Blatt, mit welchen Karten man wie hoch reizen kann. Ich habe wochenlang gebraucht, bis ich das Reizen richtig verstanden habe. Weihnachten war bei uns immer ganz schlimm. Kaum war das Essen vom Tisch, dann wurden die Karten herausgeholt und bis tief in die Nacht gekloppt.“

Einmal im Monat gingen die Vogels geschlossen zum Preisskat, der in ihrem Wohnort Alt-Diepensee im Dorfbungalow stattfand. „Die 30 Plätze sind immer besetzt gewesen“, sagt die Rentnerin, „wir waren dort eine verschworene Truppe, die auch viele gemeinsame Unternehmungen abseits des Skats miteinander unternahm.“

Das änderte sich alles, als die Alt-Diepenseer Ende 2003 ihren Heimatort aufgrund des Flughafenbaus verlassen mussten. Die Vogels zogen nach Neu-Diepensee um, andere Skatfreunde landeten zum Beispiel in Senzig und Eichwalde. „Um wieder regelmäßig Skatabende mit den alten Weggefährten abhalten zu können, kam uns die Idee, einen Verein ins Leben zu rufen“, berichtet Vogel weiter. Dieser wurde am 1. April 2004 mit 30 Mitgliedern gegründet. „Wir kamen auf den Namen ,Die Maurer Diepensee’, weil wir nicht mauern, sondern beim Skat immer vorne mitmischen wollen“, erzählt Sohn Wolffgang, der der erste Vorsitzende des neu ins Leben gerufenen Vereins war. Seit 2015 spielt die erste Mannschaft sogar in der Oberliga, die zweite geht in der Verbandsliga an den Start.

Von Anfang an war seine Mutter das sogenannte „Mädchen für Alles“ bei den „Maurern“. „Giesela ist aus unserer Vereinsarbeit überhaupt nicht mehr wegzudenken“, sagt Wolffgang Vogel, „während des Trainings oder bei den Skatturnieren ist sie unter anderem für die Beschaffung der Preise zuständig.“ Lächelnd unterbricht ihn seine Mutter: „Es gab ja wohl noch nichts, was ich hier nicht gemacht habe. Ich kochte Eisbein, schmierte Brötchen, habe Kartoffelsalat selbst gemacht – der nach wie vor sehr beliebt ist – und die Preise in der Metro geholt. Ich bin immer mit Karl-Heinz nach Waltersdorf gefahren. Seitdem er vor knapp zwei Jahren gestorben ist, muss ich mir dafür immer jemanden suchen, der mich chauffiert.“

Sie weiß mit ihrer jahrelangen Erfahrung auch ganz genau, auf welche Preise die Skatspieler stehen. „Als erstes kommt immer die Pinke“, so Vogel, „aber dann ist bei den Männern ein 4 bis 5 kg schweres Kotelettstück sehr beliebt. Auch Geflügel und andere Fleischprodukte gehen weg wie warme Semmeln.“ Natürlich lässt sie es sich nicht nehmen, mit den überwiegend männlichen Gegner am Tisch die Karten zu kloppen. Als ehemalige Verbandsligaspielerin ist sie regelmäßig bei den eigenen Skatturnieren in der Endabrechnung im einstelligen Bereich zu finden. Ihren größten Erfolg feierte Giesela Vogel 2006, als sie die Berlin-Meisterschaft bei den Frauen gewinnen konnte. „Das war für mich ein unvergessliches Erlebnis und mein bisher größter Triumph beim Skat“, freut sich die 82-Jährige, die am vergangenen Dienstag ihren Geburtstag im Kreise ihrer Kinder feierte, „wenn ich nicht Skat spielen kann, dann fühle ich mich nicht richtig wohl.“

Und wenn Giesela Vogel mal etwas Langeweile hat, das so gut wie nie in ihrem voll gefüllten Tagesablauf vorkommt, dann schnappt sie sich einen Putzlappen und säubert die Vitrine mit den gewonnen Pokalen der „Maurer“, in der sich im Laufe der Zeit bisher 30 davon angesammelt haben.

Interessierte Kartenspieler sind zu Skat und Rommé herzlich eingeladen. Gespielt wird immer donnerstags von 18 bis 22 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Neu-Diepensee.

Von Oliver Schwandt

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