Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° heiter

Navigation:
Ex-Radprofi Jens Voigt sammelt 15 000 Euro für Krebshilfe

Charity-Aktion Ex-Radprofi Jens Voigt sammelt 15 000 Euro für Krebshilfe

Er musste zwar seinen Marathon-Wahnsinn mit sieben Läufen über 42,195 Kilometer in sieben Tagen vorzeitig aufgrund einer Verletzung abbrechen, aber sein Spendenziel hat Ex-Radprofi Jens Voigt übertroffen.

Jens Voigt (r.) lief nicht allein.

Quelle: Foto: Shut up Legs

Berlin. Am Montag war Kindergeburtstag im Hause Voigt in Berlin-Grunewald. Da durfte das Familienoberhaupt nicht fehlen. Tochter Helen wurde sieben Jahre alt. Jens Voigt, der sechsfache Vater, war längst wieder guter Laune, obwohl eine Woche Martyrium hinter ihm lag.

Der Ex-Radprofi hatte eine neue Charity-Aktion gestartet, wollte sieben Marathons in sieben Tagen laufen und dabei Spendengelder für die „Tour de Cure“ sammeln. Dahinter steckt eine australische Organisation, die den Kampf gegen Krebs unterstützt. Der 46-Jährige musste nach vier Marathons aufgeben. „Der Arzt hat mir verboten, weiter zu laufen“, berichtete Voigt. Im Unterschenkel des linken Beins hatte er sich eine bakterielle Infektion eingehandelt. Die Haut wurde blutrot, das Bein war dick geschwollen.

Viele Mitläufer setzten die Aktion am fünften und sechsten Tag fort

„Ich hätte besser schon nach dem dritten Marathon aufhören sollen. Dann haben wir das Bein noch mal getapet und ich habe mich beim vierten Marathon durchgequält. Aber ich hatte bei jedem Schritt Schmerzen. Danach bin ich gleich in die Apotheke und musste sofort Antibiotika nehmen“, erzählte er weiter. „Das war ein Schock für mich. Aber was danach passierte, hat mich wieder aufgebaut. Denn die Leute sind trotzdem gekommen und haben mich unterstützt. Sie sind einfach für mich weitergelaufen. Am Samstag und Sonntag waren jeweils 60 bis 70 Leute da. Manche liefen zwei, drei der gut sieben Kilometer langen Runde um den Teufelsberg, manche auch einen ganzen Marathon und wieder andere wollten nur eine Spende abgeben.“ Am Wochenende stand Voigt mit seiner Ehefrau Stephanie am Verpflegungsstand und betreute die Läuferschar. „Sie haben bei uns warmen Tee bekommen oder Bananenstückchen.“ Am Montag, am siebten Tag, lief aber keiner mehr.

Thema Krebs geht jeden an

Auf die Frage, welche Begegnung mit den bis dato wildfremden Leuten ihm am meisten nahe gegangen ist, meinte Voigt: „Da kann ich keinen Moment über den anderen stellen. Aber gefreut habe ich mich darüber, dass ein alter Schulkamerad, den ich jahrelang nicht gesehen habe, gekommen ist, ebenso wie mein ehemaliger Klassenlehrer, bei dem ich das Abitur gemacht habe. Eine Frau war Ultramarathonläuferin, für die war ein Marathon ein Klacks. Das waren alles viele persönliche Begegnungen, die mir viel gegeben haben. Und ich habe gespürt, das Thema Krebs geht alle an. Jeder ist in seinem Leben damit schon mal konfrontiert worden. Für viele gab es da ganz persönliche Gründe zum Mitlaufen. Dafür bin ich den Leuten sehr dankbar.“

Am meisten habe ihm geholfen, dass die Unterstützer Verständnis für seinen Abbruch zeigten. „Sie meinten, ich solle auf meine Gesundheit achten, schließlich habe ich sechs Kinder.“

Marathons zu schnell gelaufen

Voigt weiß nicht, wie er sich die Infektion zugezogen hat. „Das kann eine kleine Verletzung auf der Haut sein, durch die die Bakterien in den Körper dringen. Das kann aber auch von meinem Infekt herrühren, den ich vorher hatte. Egal, ich hoffe, ich werde schnell wieder gesund.“ Dass er sich möglicherweise zuviel zugemutet habe, stehe auf einem ganz anderen Blatt. „Ich bin wohl auch zu schnell gelaufen. Die vielen Mitläufer haben mich einfach dazu animiert, die Zeit ging so schnell vorbei. 4:11 Stunden, 4:07 Stunden, 4:05 Stunden und 4:15 Stunden waren die Marathonzeiten. Eigentlich hatte ich mir Zeiten um 4:30 Stunden vorgenommen.“

Nächste Charity-Aktion folgt

Am meisten freute sich Voigt darüber, dass das Spendenziel übertroffen wurde. „Wir haben 15 000 Euro statt der avisierten 10 000 Euro zusammen bekommen. Das ist doch großartig. Dafür hat sich jeder Meter gelohnt.“ Er versprach: „Wenn ich wieder gesund bin, hole ich die drei Marathons noch nach. Das mache ich auf jeden Fall.“ Zugleich kündigte er eine Fortsetzung der Charity-Aktion an. „Vielleicht paddele ich die Elbe durch von der Quelle bis nach Hamburg“, sagte er. „Ich probiere auf jeden Fall was Neues.“

Im vorigen Jahr hatte Voigt mit dem Rad bei der „Everest Challenge“ eine 27-stündige Non-Stop-Tour den Teufelsberg rauf und runter unternommen und 9000 Höhenmeter geschafft. Damals waren über 25 000 Euro für die Krebsbekämpfung zusammengekommen.

17 Mal bei der Tour de France

Jens Voigt nahm als Radprofi 17 Mal an der Tour de France teil. Dort konnte er zwei Etappensiege (2001 und 2006) erringen. 2006 und 2007 gewann er die Deutschland-Tour, die in diesem Jahr wiederbelebt wird.

Am 18. September 2014 stellte er mit 51,115 Kilometern einen Stunden-Weltrekord auf der Bahn auf. Danach beendete er seine Radsportkarriere.

Der Berliner hat eine Autobiografie geschrieben: „Shut Up Legs“, so heißt auch seine Firma für Radsportbekleidung.

Am 25. Januar tritt Voigt bei der Eröffnung des 107. Berliner Sechstagerennens in der „Nacht der Legenden“ unter anderen mit Olaf Ludwig und Silvio Martinello an.

Von Peter Stein

Mehr aus Lokalsport
MAZ Sportbuzzer
Finde Bundesliga-Wettquoten und mehr exklusiv bei SmartBets.