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Sven Marx ist dem Tod einfach davon geradelt

Weltenbummler Sven Marx ist dem Tod einfach davon geradelt

Sven Marx hatten nach einem Hirntumor die Ärzte schon aufgegeben. Er aber nicht, rappelte sich wieder auf. Nun ist er als Weltenbummler mit dem Fahrrad unterwegs. Am Dienstag war er in der Rollireitschule in Neuruppin-Radensleben.

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Weltenbummler Sven Marx an den Pyramiden in Ägypten.

Neuruppin. Welche Route Sven Marx genau nimmt, hat er nicht geplant. „Wenn mir was einfällt, biege ich einfach ab.“ Und wenn es mitten in Russland ist. Marx hat Großes vor, eine Reise um die Welt. Mit dem Fahrrad, allein. „Ich denke, es werden an die 29 000 Kilometer werden“, sagt Marx, der am Dienstag in der Rollireitschule Neuruppin-Radensleben (Ostprignitz-Ruppin) trainierte. Reisen war immer sein Lebensinhalt, wenn er nicht gerade als Tauchlehrer in den Tauchparadiesen dieser Welt arbeitete, zuletzt am Roten Meer. Damals reiste der Berliner noch gerne mit dem Motorrad.

Dann kam der Tag, der das Leben des Sven Marx dramatisch veränderte: 2009 wurde ein Tumor am Hirnstamm bei dem heute 49-Jährigen festgestellt, der teilweise entfernt werden konnte. Drei Monate lag Marx auf der Intensivstation. Halbseitig gelähmt, künstlich ernährt und beatmet, war der Weltenbummler ans Bett gefesselt und kam als Schwerbehinderter in die Reha. Die Ärzte im Krankenhaus hatten ihn da schon aufgegeben. Ein harter Kampf zurück ins Leben begann. Und Sven Marx gab nicht auf. „Ich habe alles versucht, bis ich erst im Rollstuhl saß und dann einen Rollator bekam. Dann bin ich raus und durch den Wald gepest.“ Wie oft er stürzte, weiß er nicht mehr. Marx war nur froh, dass ihn niemand vom Pflegepersonal sah. „Vielleicht haben sie auch weggeschaut und gedacht, dass ich schon weiß, was ich mache. Ich sah jedenfalls immer aus wie die Sau.“

Radfahren nach Gehör

Wieder zu Hause in Weißensee begann Sven Marx mit dem Fahrrad, um den Block zu fahren. Die Straße zu benutzen, war zu gefährlich. Denn bis heute kann er nicht richtig sehen. Linkes und rechtes Auge senden unterschiedliche, sich überlappende Bilder ans Gehirn. Wenn er in der Welt unterwegs ist, fahre er „auch nach Gehör“. Nachts fahren geht nicht, die Reize von hell und dunkel lassen ihn nahezu erblinden. „In Rumänien habe ich einmal für vier Kilometer eine dreiviertel Stunde gebraucht.“

Nach seinem ersten Ziel, dem Brandenburger Tor, das in sieben Kilometer Entfernung von seiner Wohnungstür liegt, weitete der Berliner seine Touren aus, bis er eines Tages auf den Tacho sah und an die 200 Kilometer an einem Tag zurückgelegt hatte. „Jetzt kann ich wieder reisen.“ Ein halbes Jahr war seit der Operation vergangen.

Rückschlag 2011

Nach vielen Touren in der Welt und einem herben Rückschlag im Jahr 2011, da musste sich Sven Marx im Gesicht am Schwarzen Hautkrebs operieren lassen, steht das Brandenburger Tor erneut im Mittelpunkt seiner Reise. „Zum ersten Mal will ich einmal um die Welt an einem Stück.“ Bislang hat Marx viele Einzeltouren unternommen, hat 49 000 Kilometer in 29 Länder auf vier Kontinenten zurückgelegt. Im Oktober 2014 schloss er sich mit dem Verein Health-Media zusammen und wurde Botschafter des Projekts „Inklusion braucht Aktion“. Ein Jahr später kam ein weiteres Projekt hinzu. Sven Marx übernahm die sogenannte Inklusionsfackel vom Netzwerk Inklusion Deutschland und trug sie gemeinsam mit anderen über die Alpen zum Papst, der sie segnete. Seitdem hat Marx die Fackel auf seinen Reisen im Gepäck. Im vergangenen Jahr trug er sie sogar bis nach Rio de Janeiro zu den Paralympics, wo er die Fackel im Deutschen Haus an die Deutsche Mannschaft übergab.

Training auf den Pferden

Dort traf er auch Christa Lemme, die mit ihrem Verein „Wir sind Nachbarn“ auch in der Rollireitschule Radensleben mit gemeinnützigen Projekten auf sich aufmerksam macht und Marx gestern zu einem Sondertraining auf dem Pferd vor Ort einlud. „Ich mache das jetzt nicht unbedingt fürs Fahrradfahren“, sagt Sven Marx während einer Trainingspause. „Ich mache das, damit ich besser laufen kann.“ Denn Laufen fällt ihm immer noch schwer. „Das Training auf den Pferden hilft bei der Koordination.“ Radfahren sei leichter.

Am 23. April wird Sven Marx am Brandenburger Tor in die Welt hinaus verabschiedet. „Es gibt eine große Veranstaltung mit einer Bühne“, sagt Marx. An die 29 000 Euro wird die Reise kosten. Finanziert werden soll das ganze durch ein Crowdfunding und Spenden, die der Verein „Wir sind Nachbarn“ für Marx sammelt.

Mehr zu Sven Marx’ Reise finden Sie unter www.sven-globetrotter.com

Von Dirk Becker

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