Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Gipfelgefühle im platten Land

Brandenburger Alpenverein Gipfelgefühle im platten Land

In der MAZ-Serie „Mein Verein“ stellen wir diesmal die Sektion Hoher Fläming des Deutschen Alpenvereins vor. Für die Mitglieder ist das Klettern am Turm und in der Halle eine Möglichkeit im flachen Land ein Gipfelgefühl zu erlangen. Aber die Kletterer leben ihre Liebe zum Berg auch außerhalb des Vereins.

Voriger Artikel
TSV Spitzenteam wahrt weiße Weste
Nächster Artikel
Fläminger Judo-Routinier wiederholt WM-Bronze

In Wiesenburg steht der Kletterturm des Deutschen Alpenvereins (DAV) der Sektion Hoher Fläming. Im Bild: Lukas aus Hagelberg.

Quelle: Archivbild von Klaus Dietmar Gabbert

Wiesenburg/Mark. Erika Müller lacht, als sie auf ihren Titel angesprochen wird: „Sportlerin des Jahres.“ „Ich weiß gar nicht, warum ich den Titel bekommen habe“, sagt sie selbst. „Sie hat eine außerordentliche Entwicklung gemacht“, lobt die Vereinsvorsitzende Anna Margareta Stadler-Glück ihre Vereinskollegin. Die gebürtige Österreicherin Müller (48) klettert erst seit drei Jahren, wandert und besteigt Berge jedoch schon seit 20 Jahren. Seit einem Jahr ist sie nun auch in der Sektion „Hoher Fläming“ des Deutschen Alpenvereins.

Der DAV ist die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt und hat deutschlandweit 356 regionale Sektionen. Eine davon ist die Sektion in Wiesenburg/Mark (Potsdam-Mittelmark). 2005 gründeten Anna Margareta Stadler-Glück und ihr Mann Christian die Sektion. Zusammen mit dem Kinderförderverein „Wir e.V.“ aus Brandenburg/Havel wollten sie benachteiligten Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten. Darüber hinaus vermisste die gebürtige Schweizerin Stalder-Glück die Berge und fand es „lustig, in einem so platten Land eine Alpensektion zu gründen“. Damals wollte der DAV seine Arbeit im Osten ausdehnen. 30 Mitglieder musste der Verein umfassen, damit die Sektion anerkannt wurde. „Dass wir bis heute über 170 sind hätte ich nie gedacht“, erzählt Stalder-Glück.

Erika Müller wurde von ihrem Verein als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet

Erika Müller wurde von ihrem Verein als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Jedes Jahr verbringt sie drei Wochen in den Bergen mit Klettertouren.

Quelle: privat

Erika Müller findet es schön, dass es im Hohen Fläming eine Möglichkeit gibt, einen kleinen Gipfel zu besteigen. Sonst müsse sie zum Klettern immer nach Berlin pendeln. Die 48-Jährige ist in der Nähe von Wien aufgewachsen und kam schon vor 20 Jahren nach Deutschland. „Die Halle ist mehr Mittel zum Zweck“, erzählt sie. „Hier auf dem platten Land ist der Kletterturm oder die Halle die einzige Möglichkeit ein Gipfelgefühl zu bekommen“, sagt sie und lächelt verträumt. Die Halle nutzt sie jedoch mehr als Ausdauertraining für ihre Aktiv-Urlaube. „Ich liebe die Berge und fahre so oft es geht dorthin“, berichtet sie. Dass sie dennoch erst so spät mit dem Klettern angefangen hat, sei ihrer früheren Ängstlichkeit geschuldet. Doch mittlerweile ist sie die Höhenangst los und empfindet keinen Schwindel mehr. Am Klettern gefällt ihr, dass man dabei seine eigenen Grenzen austestet. „Da lernt man die totale Ruhe und vergisst alles um sich herum“, erzählt sie begeistert. Verletzt hat sie sich noch nicht. „Höchstens mal abgerutscht oder den Knöchel verstaucht.“

Müllers Entwicklung, von der einfachen Bergsteigerin zur ambitionierten Kletterin, hat auch Stalder-Glück motiviert. „Der Elan und die Begeisterung ist inspirierend“, erzählt sie. „Sie bezwingt Kletterrouten, die ich nie schaffen würde“, erklärt Stalder-Glück, die im Berner Oberland aufgewachsen ist. „Ich habe vor ein paar Jahren einen Basiskurs für alpines Klettern belegt“, erzählt Erika Müller, dort lernte sie die Grundlagen für anspruchsvolle Bergtouren.

Erika Müller, Mein Verein DAV Sektion Hoher Fläming, in Aktion

Erika Müller, Mein Verein DAV Sektion Hoher Fläming, in Aktion

Quelle: privat

Angespornt durch die Österreicherin wagte sich die Vereinsvorsitzende an kniffeligere Routen und verbesserte sich selbst um einen Schwierigkeitsgrad, wie sie erzählt. Um den „inneren Schweinehund“ stets herauszufordern, klettern die Mitglieder bei ihren Kletterabenden immer andere Touren und versuchen besonders schwierige Pfade zu knacken. „Es geht bei uns sehr lustig zu“, berichtet Stalder-Glück. Darüber hinaus werden die Griffe etwa alle zwei Jahre abgeschraubt und neu montiert – so entstehen immer andere Routen.

DAV Hoher Fläming

Gründung 2005

Mitglieder 170

Ältestes Mitglied 72 Jahre

Jüngstes Mitglied 1 Jahr

Vorstand: Vorsitzende:

Anna Margareta Stalder-Glück

Stellvertretender Vorsitzender: Thomas Wernicke

Schatzmeister: Daniel Kajari

Verwaltung, Schriftführer und Presseverantwortlicher:

Christian Glück

Vertreter der Sektionsjugend:

Andreas Schubert

Abteilungen

Keine. Abseits des Vereinslebens fahren einige gemeinsam zum Ski fahren, wandern oder klettern.

Besonderheiten

Der Verein engagiert sich für die Region und möchte an einem positiven Umfeld insbesondere für Kinder und Jugendliche arbeiten, um die Freizeitattraktivität des ländlichen Raums zu stärken.

Internet

www.davhf.de

Wer mittwochs um 19 Uhr zum Schnupperklettern kommen möchte, wird gebeten sich unter

0151/15 75 96 61 anmelden.

Auch als Externer kann man die Anlage nutzen. „Einige Familien feiern hier den Kindergeburtstag. Man kann auch einen Schnupperkurs besuchen“, berichtet Stalder-Glück. Dazu veranstaltet der Verein ein, zwei Mal im Jahr einen Tag der offenen Tür, bei dem man sich alles anschauen kann. Wer seine Grenzen selbst mal an dem fast 25 Meter hohen Turm oder in der Halle austesten möchte, kann zu einem der Vereinsklettertreffen kommen.

Erika Müller, Mein Verein DAV Sektion Hoher Fläming

Erika Müller, Mein Verein DAV Sektion Hoher Fläming

Quelle: privat

Neben zwei Erwachsenen-Klettergruppen gibt es auch zwei Kinder-Klettergruppen. „Wir sind ein sehr familienorientierter Verein“, berichtet Christian Glück. Der Schwabe zog zu Beginn der 90er-Jahre in den Osten und wurde hier sesshaft. „Als Kind mochte ich Wandern gar nicht“, erzählt er und lacht. Anders sieht das bei seinen eigenen Kindern aus, die auch im Verein sind. Nachwuchsmangel kennt der Verein nicht. „Eher im Gegenteil“, wirft Glück ein. Des Weiteren setzt sich die Sektion auch für Umweltschutz ein und führt regelmäßige Müllwanderungen in der Umgebung durch. Und zu Weihnachten unternehmen die Vereinsmitglieder eine Fackelwanderung im Dunkeln. „Das ist immer eine schöne Wanderung für Familien und Freunde“, erzählt Glück.

Die Begeisterung fürs Klettern oder Wandern zeigt sich bei den Vereinsmitgliedern auch im Urlaub. „Viele Mitglieder sind in Gruppen unterwegs und drei, vier Familien fahren immer gemeinsam in Skiurlaub“, erzählt Christian Glück. Auch er verbringt die Ferien mit seiner Familie in den Bergen. Ebenso wie Erika Müller.

Von Lisa Neumann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZ Sportbuzzer
Finde Bundesliga-Wettquoten und mehr exklusiv bei SmartBets.