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Potsdam SV Rochade – der etwas andere Schachverein
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17:35 13.06.2018
Frank Michalske (56) hat immer noch Spaß am Spiel. Quelle: Foto: Dirk Becker
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Potsdam

Weiß eröffnet, Schwarz wartet ab. Letzteres liegt Frank Michalske – Schachspieler und 1. Vorsitzender vom Schachverein Rochade Potsdam-West. Am letzten Spieltag der Regionalliga West beim Derby gegen Potsdam SV Mitte III gelangen die Züge nicht sehr gut, er hatte die weißen Figuren und musste eröffnen. „Ich spiele gern mit Schwarz, weil ich eher der abwartende Typ bin und lieber auf einen Angriff antworte. Weiss muss immer die Initiative ergreifen, was mir schwer fällt.“ Frank Michalske verlor gegen seinen spielstarken Gegner Klim Pak mit 0:1, seine Mannschaft mit 2:6, was den letzten Platz in der Liga nach elf Spieltagen mit einem Sieg und zehn Niederlagen bedeutete. „Wir können aber nicht absteigen“, sagt der Mannschaftsleiter.

Immer auf der Suche nach einer Bleibe

Die erste Rochade-Mannschaft spielt in der Landesklasse Nord, belegte am Saisonende den 6. Platz mit vier Siegen und fünf Niederlagen, eine davon im Derby gegen den Potsdamer SV Mitte I. Ein Verein mit eigenem Domizil in einer Grundschule und mit dem Angebot einer Schach-AG vor Ort, ohne Nachwuchssorgen. Alles das, was dem SV Rochade Potsdam-West fehlt. „Unsere Jugendarbeit ist ein bisschen mau“, sagt Frank Michalske, seit 1999 Vereinsvorsitzender. Anders als bei den weiteren Schachvereinen – in Potsdam gibt es gleich vier größere mit dem USV, besagtem Potsdam-Mitte, Empor und Babelsberg 03 – hat Rochade kein eigenes Vereinslokal. „Jahrelang haben wir uns am Schillerplatz bei der Arbeiterwohlfahrt getroffen“, schildert Michalske den Werdegang, „irgendwann wurde das Gebäude geräumt.“ Seitdem finden die Schachspieler in unterschiedlichen Gastronomien zueinander, zum Beispiel im Cafe labendig. „Wir haben kein regelmäßiges Training“, so der Rochade-Chef, „wir treffen uns eher zufällig. An Spieltagen sprechen wir uns telefonisch ab, wer spielt.“ An Spieltagen mit Heimrecht werden während der Saison die Bretter in den Räumen des Sekiz e.V. aufgestellt. „Ich hatte schon angestrebt, dass wir uns der Schachabteilung von Babelsberg 03 anschließen, aber die Mitglieder wollten das nicht.“

Keine Nachwuchsarbeit möglich

Unter diesen eher provisorischen Bedingungen würde eine vernünftige Jugendarbeit nicht funktionieren. Das weiß auch Frank Michalske, der selbst bei Aufbau als Jugendspieler begonnen hat , „irgendwann in der Schulzeit“. Das war Mitte der 1970er Jahre. Mit kurzen Unterbrechungen ist der gelernte Karosserieklempner dabeigeblieben. „Ich habe keine Zeit, um 13 Uhr in der Schule auf der Matte zu stehen. Den Rentnern kann man die Nachwuchsarbeit nicht zumuten, oder sie möchten es nicht machen. Und die Jüngeren müssen arbeiten“, meint der 56-Jährige.

Frank Michalske hat trotz der vielleicht für andere widrigen Umstände den Spaß am Schachspielen nicht verloren. „Schach macht einfach Spaß. Dabei kann ich abschalten, was tagtäglich passiert.“ In diesem Verein geht es eben ungezwungen zu, ein Vereinsleben, wie andernorts, „wurde seit der Wende nicht gelebt“. Alle miteinander sind die Spieler alt geworden. „Es versickert so langsam. Bald wird es wohl keine zweite Mannschaft mehr geben. Schade, aber ich glaube nicht, dass noch was Neues kommt. Ich bemühe mich, den Verein solange am Leben zu halten, wie möglich.“ An Weihnachten treffen sich die Mitglieder zum Skat spielen und freuen sich, dass sie alle da sind.

Von Dirk Becker

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