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SC Potsdam Gehen: 30 und 10 statt 50 und 20 Kilometer?
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18:27 12.02.2019
Das Potsdamer Trio bei der EM 2018 in Berlin: Nils Brembach, Hagen Pohle und Christopher Linke (v.l.). Quelle: foto: S. Hoppe/dpa
Potsdam

Potsdams Weltklasse-Geher schlagen Alarm gegen die Pläne des Internationalen Leichtathletikverbandes IAAF, die Wettkampfstrecken bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen von bisher 20 und 50 Kilometer auf 10 und 30 Kilometer bei Frauen und Männern zu verkürzen. Die Gehsportkommission der IAAF hat einen entsprechenden Entwurf erarbeitet, der dem Council des Weltverbandes am 10./11. März zur Entscheidung vorgelegt wird. Danach könnten sowohl bei den Weltmeisterschaften 2023 in Budapest als auch bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris die neuen kürzeren Distanzen schon auf dem Programm stehen.

Für die Beibehaltung der Strecken

„Die IAAF-Gehsportkommission glaubt, durch eine Kürzung der Strecken das Gehen attraktiver zu machen. Aber das sehen wir nicht so“, sagt Geher Hagen Pohle vom SC Potsdam. „Die 50 Kilometer sind die längste olympische Distanz in der Leichtathletik. Dieses Alleinstellungsmerkmal zu streichen, ist der falsche Weg. Gerade die lange Distanz sorgt immer wieder für mediale Aufmerksamkeit.“ Nils Brembach, EM-Fünfter über 20 Kilometer im Vorjahr, sieht das genauso: „Wir Athleten sind für die Beibehaltung der Strecken.“

Der Olympia-Fünfte Christopher Linke findet: „Die 50 Kilometer haben eine lange Tradition, sind seit 1932 olympisch. 10 und 30 Kilometer klingt x-beliebig. Langstreckengeher, die bisher über 50 Kilometer ihre Chance hatten, werden diese über 30 Kilometer kaum mehr haben. Als 20-Kilometer-Geher könnte ich sowohl auf die 10 als auch auf die 30 Kilometer ausweichen und wäre konkurrenzfähig.“

DLV steht hinter den Athleten

Idriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport im Deutschen Leichtathletikverband (DLV), sagt: „Wir stehen als Verband hinter der Meinung der Athleten. Andererseits sehen wir als Traditionssportart auch die Notwendigkeit, uns moderner aufzustellen.“

Linke zeigt Verständnis für den Versuch der Modernisierung, sagt aber klar: „10 und 30 Kilometer sind nichts Halbes und nichts Ganzes. Das ist für mich ein bisschen wie der Anfang vom Ende. Ich sehe eher die Gefahr, dass die Strecken noch unattraktiver werden und eines Tages das Gehen ganz aus dem Olympia-Programm verschwindet.“

Kommt der elektronische Gehrichter?

Das Potsdamer Trio sieht noch ein weiteres Problem. „Durch die Verkürzung der Strecken werden sich die Flugphasen noch erhöhen“, meint Pohle und spielt damit darauf an, dass durch das höhere Tempo der laut Regelwerk geforderte ständige Bodenkontakt mindestens eines Fußes kaum mehr umsetzbar sei.

Dem will die IAAF durch die Einführung eines elektronischen Gehrichters ab 2021 einen Riegel vorschieben. „Da ist weder etwas erprobt, noch spruchreif, wie das geschehen soll“, sagt Pohle, der eine Sohlentechnologie für möglich hält.

Die Potsdamer, die ihre Unterschrift wie der gesamte Bundeskader Gehen des DLV unter den Brief an die IAAF-Gehkommission gesetzt haben, stehen international nicht allein mit ihrem Widerstand gegen die IAAF-Pläne. So hätten sich unter anderen der Weltrekordler Yohann Diniz (Frankreich) und der Olympiasieger Matej Toth (Slowakei) über 50 Kilometer gegen die Abschaffung dieser Strecke ausgesprochen.

Kurios: 2020 in Tokio werden neben den 20 und 50 Kilometern für die Männer bei den Frauen außer den 20 erstmals die 50 Kilometer auf dem Olympia-Programm stehen. Sollten die IAAF-Pläne umgesetzt werden, zum ersten und letzten Mal.

Von Peter Stein

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