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Sport in Brandenburg Robert Harting vor dem letzten Dreh
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19:04 01.09.2018
Robert Harting tritt am Sonntag beim Istaf zum letzten Mal an. Quelle: foto: Jens Büttner/dpa
Berlin

Robert Harting kommt ein wenig zu spät zu seiner letzten großen Pressekonferenz. Am Sonntag (Beginn 13.30 Uhr) beim 77. Internationalen Stadionfest (Istaf) im Berliner Olympiastadion tritt er ein letztes Mal in den Diskusring. Obwohl der Abschiedstermin schon lange im Voraus geplant war, hat der gebürtige Cottbuser keinen Plan B von dem, was danach kommt. Geschweige denn, dass sich der 33-Jährige mit einem Rückblick auf seine großartige Karriere beschäftigt hätte.

Auf die Frage nach seinen drei größten Erfolgen und schwersten Niederlagen kommt er einen Moment lang erst einmal ins Grübeln, fasst sich an seinen dichten Rauschebart und beginnt zögerlich zu antworten: „Da ist sicherlich zuerst der Olympiasieg 2012 in London zu nennen. Dann mein erster Weltmeistertitel 2009 in Berlin. Und drittens mein Verzicht auf die Nominierung zum Weltleichtathleten, weil die IAAF danach ihre Nominierungsrichtlinien geändert hat.“ 2014 ließ er sich von der Kandidatenliste zum „Leichtathleten des Jahres“ streichen, weil auf dieser auch ehemalige Doping-Sünder wie US-Sprinter Justin Gatlin standen.

Zu wenige Niederlagen

Die Antwort zu den drei größten Niederlagen fällt Harting noch schwerer: „Vielleicht, weil ich in meiner Karriere nicht so oft verloren habe. Möglicherweise hätte ich früher noch mehr Niederlagen gebraucht, um noch besser zu werden. Aber Platz 13 bei der EM 2006 war schon sehr schmerzhaft, auch dass ich bei Olympia 2016 das Finale verpasst hatte.“ Vor zwei Jahren scheiterte er nach einem Hexenschuss in der Qualifikation.

Aber mit sich im Reinen ist der dreimalige Weltmeister, der über ein Jahrzehnt das Gesicht der deutschen Leichtathletik war, in Bezug auf seinen Rücktritt. „Ein Rücktritt vom Rücktritt wird bei mir ganz sicher nicht passieren“, sagt Harting am Freitag. „Das wäre unseriös. Ich freue mich auf eine tolle Verabschiedung.“ Das Olympiastadion, das Istaf, sei genau der richtige Ort und die richtige Veranstaltung dafür, da habe er keine Zweifel.

Dann versucht er, seine Gefühlswelt zu erklären: „Das fühlt sich so ganz anders an. Ich bin ja ein emotionaler Typ. Aber wenn so viele bekannte Leute kommen, Freunde und meine Familie, dann bin ich doch eher introvertiert. Es wäre schön, wenn ich noch mal einen raushauen könnte und mit einem breiten Grinsen aus dem Ring trete. Dafür drücke ich mir selbst ein bisschen die Daumen. Es ist sehr schwer, mental die richtige Einstellung zu finden. Einerseits will ich den Abschied genießen, andererseits bin ich ein Wettkämpfer, muss mich im Sinne des Antriebs motivieren.“

Alle Trainer waren wichtig

Dass zu seinem letzten Wettkampf auch Zehnkampf-Europameister Arthur Abele mit in den Diskusring tritt, habe ihn schon überrascht. Aber Abele wollte beim Harting-Abschied unbedingt dabei sein.

Mit dem Polen Piotr Malachowski und dem Italiener Hannes Kirchler sind zwei internationale Konkurrenten dabei, die Harting im Laufe der Jahre am meisten schätzen lernte. Malachowski sei sportlich immer ein großer Rivale gewesen, schnappte Harting 2010 zum Beispiel den EM-Titel weg. Mit Kirchler habe er öfter mal nach Wettkämpfen ein Bierchen getrunken. „Das passt menschlich ziemlich gut“, meint Harting, der auf der sportlichen Ebene dann noch den Litauer Virgilijus Alekna und den Iraner Ehsan Hadadi als größte Gegner nennt.

Bei den Trainern wollte er sich erst recht nicht auf eine Top drei einlassen. „Die waren alle wichtig. Von jedem konnte ich was lernen. “ Er vergisst dabei ebenso wenig Ralf Lauenroth, seinen ersten Wurftrainer an der Sportschule in Cottbus, wie Werner Goldmann, der ihn zum Weltmeister und Olympiasieger machte. Zuletzt wurde Harting von Marko Badura betreut.

Die Welt besser machen

Seine liebsten Meetings waren neben dem Istaf im Freien und in der Halle vor allem Zürich und Rom. „In Zürich findest du als Leichtathlet diese besondere Wertschätzung. Das fängt an mit der Schokolade auf dem Hotelzimmer“, erzählt der Berliner mit einem Schmunzeln. Selbst auf die abschließende Frage nach den Zielen für die Zukunft gibt sich Harting perplex. Was, wenn eine Fee kommen würde, und ihm drei Wünsche erfülle? Da gerät der Koloss ins Wanken. Beim Thema Familiengründung – Ehefrau Julia ist ebenso Diskuswerferin – hält er sich bedeckt. Erst mal wolle er sein Masterstudium für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste abschließen. „Ich habe bisher ein privilegiertes Leben geführt und ich werde alles daran setzen, dass ich dies auch weiterhin kann“, meint der Zwei-Meter-Mann. „Ich will die Welt ein bisschen besser machen.“ Trainer werde er definitiv nicht. „Die müssen abartig viel arbeiten und verdienen abartig wenig. Außerdem sitzen sie auf einem heißen Stuhl. Da würde mir auch immer in der Arbeit mit dem Sportler der Geduldsfaden reißen.“

Also auf geht’s. „Der letzte Schrei“ hat das Istaf Hartings Abschiedsgala plakatiert. Der Zwei-Kilo-Scheibe werde er definitiv noch mal hinterher schreien. Das Trikot aber danach nicht zerreißen, betont der dreimalige Sportler des Jahres in Deutschland. Die Istaf-Macher haben noch ein paar Überraschungen zum Abschied angekündigt. „Überraschungen gefallen mir gar nicht“, kontert Harting ein letztes Mal.

Von Peter Stein

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