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Sport in Brandenburg Joachim Kirst: Zweimal der König der Athleten
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18:21 27.04.2018
Einst im Straddle – auch Wälzer genannt – über die Latte: Joachim Kirst beim Hochsprung. Quelle: Foto: DPA
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Potsdam

Joachim Kirst steht auf der Kunststoffbahn im Stadion Luftschiffhafen, das einst seine sportliche Heimat war und wo 1973 seine

MAZ-Serie zur Leichtathletik-EM Quelle: Detlev Scheerbarth

Karriere jäh endete. „Vom Platz weg wurde ich ins Armee-Krankenhaus nach Bad Saarow gebracht, ich fühlte mich schlapp“, erzählt der 70-Jährige. „Zwei Jahre hat man an mir herumgedoktert, aber mein Zustand verbesserte sich nicht. Erst 1992 wurde Hepatitis C festgestellt und danach habe ich eine langjährige Behandlung begonnen – mit Erfolg.“

Im Kugelstoßen und im Hochsprung eine Wucht

Joachim Kirst erzählt das ohne Groll, mit der Milde des Alters blickt er auf seine sportliche Laufbahn zurück. Geboren im thüringischen Neunhofen wurde für den Sohn eines Lehrers und einer Milchprüferin der Sport an der Schule schnell das Lieblingsfach. Und weil der die Kugel viel weiter als alle anderen stieß, kam er am 3. Januar „mitten im Schuljahr“ auf die Kinder- und Jugendsportschule nach Bad Blankenburg. Weil er nicht nur im Kugelstoßen, sondern auch im Hochsprung eine Wucht war, erkannten die Trainer schnell sein Talent für den Mehrkampf. 1963 wurde er DDR-Jugendmeister im Kugelstoßen.

Joachim Kirst im Frühjahr 2018 im Stadion Luftschiffhafen in Potsdam Quelle: Peter Stein

Nach dem Abitur 1965 beim SC Motor Jena wechselte er zum Armeesportklub Vorwärts nach Potsdam und kam bei Günter Krause in eine starke Trainingsgruppe. 1968 stellte Kirst mit 2,16 Meter einen DDR-Rekord im Hochsprung auf und qualifizierte sich im Zehnkampf für die Olympischen Spiele in Mexiko. „Ich war in Form, sprang aus drei Schritten Anlauf 2,05 Meter hoch im Training, wollte im Kugelstoßen 18 Meter schaffen, habe dann aber eine Menge Lehrgeld gezahlt.“ Kirst kann seine Ergebnisse in den zehn Disziplinen herbeten, als wäre es gestern gewesen. Es blieb bei 16,43 Meter im Kugelstoßen und 1,98 Meter im Hochsprung, weil ein heftiger Regenguss einsetzte. Am Ende wurde er Fünfter.

Der erste Streich in Athen

Umso motivierter fuhr er zu den Europameisterschaften 1969 in Athen. „Diesmal lief alles normal, unter anderem schaffte ich 2,13 Meter im Hochsprung“, berichtet Kirst, der mit der Weltklasse-Hochspringerin Rita Kirst verheiratet war. Er gibt zu: „Natürlich hatte ich immer einen Plan im Kopf und habe gerechnet, was ich erreichen muss, um eine bestimmte Punktzahl zu bekommen. Aber keine Planung hat je zugetroffen. Am besten war, es lief einfach.“ So wie in Athen, wo er mit 8041 Punkten Europameister wurde.

Bereits zwei Jahre später – üblich war damals ein Vier-Jahres-Rhythmus – fanden in Helsinki 1971 die nächsten Europameisterschaften statt. „Dort erlebte ich den härtesten Zehnkampf meines Lebens.“, schätzt Kirst ein. Denn mitten im Kalten Krieg machte die Ost-West-Auseinandersetzung keinen Bogen um den Sportplatz. Zumal die BRD-Athleten nach dem Boykott vom 1969 besonders erpicht darauf waren, „Kirst zu schlagen“, wie er sagt. „Ich war damals Jahresweltbester.“

Der 1500-m-Lauf und der Zehnkampf seines Lebens

Da habe es während des Wettkampfes immer wieder Störmanöver gegeben. „Das ging weniger von den Athleten aus, als vielmehr von den Funktionären“, stellt Kirst klar. „Da durfte ich kein Magnesia an die Kugel machen und so weiter. Dann die neunte Disziplin Speerwerfen. Aus irgendeinem Grund kam ich nicht in die stärkere Gruppe. Aber ich habe 65,51 Meter geworfen. Das haben die anderen im Stadion am TV-Bildschirm verfolgt. Da konnten sie nicht mithalten. Vor dem abschließenden 1500 Meter-Lauf hatte ich 200 Punkte Vorsprung vor dem Schweden Lennart Hedmark. Der konnte aber fast eine Minute schneller laufen als ich. Also habe ich mich hinter ihm reingehangen. Er ist zweimal angetreten, aber ich blieb dran. Im Ziel sind wir beide umgefallen. Als ich wieder bei Sinnen war, hatte ich mit 4:44:7 Minuten eine Bestzeit aufgestellt.“ Kirst war mit 8196 Punkten wieder Europameister.

An der zweiten Hürde war Schluss

Das erhöhte den Druck für Olympia 1972 in München. Kirst erhielt von den DDR-Sportoberen den Goldauftrag, führte tatsächlich nach dem ersten Tag. „Ich war immer ein Mann des ersten Tages mit meinen Topdisziplinen Kugelstoßen und Hochsprung“, sagt Kirst. Dann begann der zweite Tag mit dem 110 Meter Hürdenlauf, „schon immer meine Schwachstelle“. Aber die Kampfrichter monierten seine Spikes. „Ich musste die zwei Dornen unter der Ferse aus dem Spikes entfernen.“ Dann stürzte der Armeesportler an der zweiten Hürde und zog sich eine Zerrung zu. Hinterher wurde ihm zwar Recht gegeben, dass seine Spikes mitnichten den Regeln widersprachen, und er hätte sogar noch mal antreten können, aber die Zerrung ließ das nicht zu.

Später als Trainer gearbeitet

Das war sein letzter großer Auftritt für den unvollendeten „König der Athleten“. Kirst, der nie DDR-Meister im Zehnkampf wurde, sagt: „Ich habe den Zehnkampf geliebt. Die zwei Tage auf dem Feld, das war mein Ding.“ Später arbeitete er als Trainer – nach der Wende in Koblenz (Rheinland-Pfalz), danach in Zeulenroda in seiner thüringischen Heimat. Nun lebt der Vater zweier Kinder in Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Einmal in der Woche trifft er sich noch zum Athletiktraining mit seinen früheren Weggefährten wie Herbert Wessel, EM-Zweiter im Zehnkampf 1969, zum Fitness-Training im Luftschiffhafen. Und hin und wieder frönt der Gitarren- und Keybordspieler seinem Hobby, der Musik. In seinem Hausstudio produziert er CD’s für Familienfeiern. Dann lässt es „Achim“ Kirst richtig rocken – wie früher auf dem Sportplatz.

Ein Blick in die EM-Historie

Am Sonntag sind es genau noch 100 Tage, dann beginnen die 24. Leichtathletik-Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion (7. bis 12. August). Die MAZ schaut in einer Serie auf erfolgreiche Brandenburger zurück. Bis zur ersten WM 1983 war die EM neben Olympischen Spielen das herausragende Ereignis. Seit 2012 finden sie alle zwei Jahre statt.

Die ersten Europameisterschaften fanden 1934 in Turin nur für Männer statt. 1938 gab es EM in Paris (Männer) und Wien (Frauen).

1938 gab es auch die ersten Medaillen für Brandenburger. Feodora zu Solms aus Baruth (Teltow-Fläming), die für den MSV Wünsdorf startete, gewann Bronze im Hochsprung. Gisela Voß aus Vehlow (Ostprignitz) holte ebenfalls Bronze im Weitsprung.

Von Peter Stein

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