Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Sport in Brandenburg Neuruppiner Bernd Gummelt hatte 1990 gleich mehrere Sternstunden
Sportbuzzer Lokalsport Sport in Brandenburg Neuruppiner Bernd Gummelt hatte 1990 gleich mehrere Sternstunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 31.07.2018
Bernd Gummelt (Nr. 337) 1988 bei den DDR-Meisterschaften, wo er Zweiter hinter Ronald Weigel (Nr. 333) wurde. Quelle: MAZ-Archiv
Neuruppin

Der Potsdamer Gehsport hat eine riesige Tradition mit Olympiasiegern und Weltmeistern, aber bei Leichtathletik-Europameisterschaften sorgte Bernd Gummelt für den größten Erfolg. 1990 wurde der Sportler vom Armeesportklub Potsdam Zweiter im 50 Kilometer Gehen. Im kroatischen Split trotzte er der Hitze.

„Das war ein besonderer Wettkampf, der aber eine Vorgeschichte hatte“, erzählt der Neuruppiner. „1990 lief es bei mir wie am Schnürchen.“ Schon im Mai ging er in Berlin mit 3:46:43 Stunden persönliche Bestzeit über 50

Bernd Gummelt (54) gewann 1990 in Split die Silbermedaille bei den Europameisterschaften im 50-km-Gehen Quelle: Dirk Becker

Kilometer. Anschließend holte er bei den Goodwill Games in Seattle/USA Bronze über 20 Kilometer. So fasste er für die EM einen Doppelstart ins Auge. Zunächst standen die 20 Kilometer auf dem Programm, wo er Platz sieben belegte. Drei Tage später folgten bei sengender Hitze die 50 Kilometer. „Noch dazu war der Zwei-Kilometer-Rundkurs sehr hügelig. Anfangs hielt ich mich noch zurück, ging in einer Gruppe mit dem Erfurter Hartwig Gauder und dem Italiener Maurizio Damilano.“ Das waren zu jener Zeit wie Gummelts Potsdamer Vereinskamerad Ronald Weigel die dominierenden Geher auf dem langen Kanten. Ab Kilometer 35 konnte sich Gummelt absetzen und belegte am Ende hinter Andrej Perlow aus der Sowjetunion Platz zwei. Gauder wurde Dritter.

Für Olympia 1988 nicht berücksichtigt

„Die 50 Kilometer geht man mit einer anderen Motivation als die 20“, sagt Gummelt. „Da entscheidet vieles der Kopf. Inzwischen hatte ich mit 26 Jahren auch die nötige Trainingsreife erreicht.“ Dass in jener Wendezeit um ihn herum alles drunter und drüber ging, hatte ihn kaum bewegt. „Ich habe mich damals auf den Sport konzentriert“, erzählt Gummelt, der seine

MAZ-Serie Sport zur Leichtathletik-EM Quelle: Detlev Scheerbarth

Laufbahn bei Elektronik Neuruppin begann, ehe er 1982 mit 18 Jahren zum Sportklub nach Potsdam in die Trainingsgruppe von Hans-Joachim Pathus wechselte. Seit 1984 nahm Gummelt an Länderkämpfen teil. Die Olympia-Qualifikation für 1988 verpasste er knapp.

Bei den DDR-Meisterschaften in jenem Jahr in Rostock wurde er Zweiter über 20 Kilometer hinter Weigel. In 1:21:40 Stunden blieb Gummelt nur zehn Sekunden über der Norm des DDR-Leichtathletikverbandes. „Da ich über 50 Kilometer die Norm erfüllt hatte, rechnete ich schon damit, dass man mich ins Olympia-Aufgebot beruft.“ Doch schließlich wurden nur zwei Athleten für die 20 Kilometer mitgenommen, der dritte Startplatz blieb unbesetzt.

Pfeiffersches Drüsenfieber der Anfang vom Ende

Nach EM-Silber 1990 wollte er im folgenden Jahr bei den Weltmeisterschaften in Tokio erneut auf das Podest. Doch im Höhentrainingslager in Mexiko erkrankte Gummelt an Pfeifferschem Drüsenfieber. Auch die Olympischen Spiele 1992 verpasste er. Deshalb meint er im Nachhinein: „So war es besonders bitter, dass man mich 1988 nicht mit zu Olympia nach Seoul genommen hatte. Damals sagte man, ich hätte noch viel Zeit, aber man muss die Chance nutzen, wenn sie da ist. Auf später zu warten, kann im Leistungssport ein Trugschluss sein.“

Gummelt klingt keineswegs verbittert, wenn er das erzählt. „Im Prinzip hatte ich drei gute Jahre und einige Auftritte bei internationalen Höhepunkten.“ In besonderer Erinnerung ist ihm zum Beispiel der Weltcup in New York/USA 1987 geblieben. Der Leistungssport habe ihm viel mitgegeben für das Leben.

Denn auch beruflich startete er noch mal neu durch. Der gelernte Werkzeugmacher hatte in Wildau zunächst Maschinenbau studiert, sattelte dann nach der Wende aber um und machte in Köln 1995 seinen Abschluss als Diplomsportlehrer.

Jugendkoordinator im Kreissportbund

Gummelt, der zwei Kinder – Sarah (20) und Sebastian (11) – hat, arbeitet inzwischen seit 20 Jahren als Jugendkoordinator beim Kreissportbund Ostprignitz-Ruppin. Ehrenamtlich trainiert er außerdem den Leichtathletiknachwuchs beim LAC Ruppin – und Gummelt zählt zu den Lauforganisatoren. Weit über Neuruppin hinaus bekannt ist der Hubertuslauf, der am 28. Oktober 2018 seine 43. Auflage erlebt. Wenn Gummelt mit den jungen Athleten trainiert, dann fließen oft auch Gedanken und Erfahrungen aus der eigenen Karriere mit ein. „Entscheidend ist es, dass du als junger Sportler Erfolgserlebnisse brauchst. Wenn du positive Wettkampferlebnisse hast, trainierst du auch vernünftig weiter, bleibst bei der Stange, bist motivierter.“

Der 54-Jährige appelliert auch an die Eigenverantwortung. „Bist du zufrieden, wenn du abends im Bett liegst oder plagt dich das schlechte Gewissen, weil du dies oder das im Training weggelassen hast?“ Gummelt hatte als Geher stets ein hartes Pensum mit 270 Kilometern in der Woche, 10 000 bis 12 000 Kilometern im Jahr. Trotzdem sagt er: „Es war eine schöne Zeit. Wir sind ja auch viel gereist, ob zu Wettkämpfen oder ins Trainingslager. Ich war geografisch immer sehr interessiert. Das Reisen hat mir Spaß gemacht.“

Für die EM in Berlin drückt er seinen Nachfolgern die Daumen. Nach 28 Jahren wäre es ja mal wieder an der Zeit für eine EM-Medaille im Gehen made in Brandenburg.

Von Peter Stein

Gegen den ehemaligen Olympia-Rodler Thomas Köhler hatte Wolfgang Stenzel vom ESV Kirchmöser keine Chance beim letzten Verbandsliga-Punktspiel der Ü-70-Tennis-Oldies. Zum Schluss gab es noch eine Überraschung für die Gastgeber in Kirchmöser.

26.07.2018
Sportbuzzer MAZ-Serie: Geschichten zur Leichtathletik-EM - Olaf Beyer lief vor 40 Jahren sensationell zu Gold

In der MAZ-Serie zur Leichtathletik-EM in Berlin stellen wird diesmal Olaf Beyer vor. Der Potsdamer holt 1978 in Prag Gold über 800 Meter und überspurtete dabei zwei britische Lauf-Ikonen.

26.07.2018

Bei der Tour de France ist der aus Wandlitz (Barnim) stammende Simon Geschke einer der wichtigsten Helfer für seinen Sunweb-Kapitän Tom Dumoulin. Geschke spricht über einen möglichen Toursieg Dumoulins, die spezielle Strecke 2018 und seinen Bart.

24.07.2018