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Sportbuzzer Märkische Sternstunde beim WM-Wunder von Oslo
Sportbuzzer Märkische Sternstunde beim WM-Wunder von Oslo
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19:13 04.12.2018
Brandenburger Jubel nach dem WM-Finale: Bianca Urbanke (l., aus Ludwigsfelde) und Karen Heinrich (aus Falkensee) feiern den Titel. Quelle: foto: dpa
Potsdam

So ganz genau weiß Lothar Doering (68) auch nicht, ob die spontane Aktion tatsächlich ein Schlüsselmoment auf dem Weg zum Titel war: Inzwischen aber ist die Schlittenfahrt des späteren Weltmeisterteams in der skandinavischen Weite längst Teil der Legende, die ganz große Triumphe umrankt. „Nach unserem mäßigen Auftakt haben wir entschieden, dass wir statt einer Trainingseinheit eine Fahrt durch den norwegischen Schnee unternehmen“, erinnert sich der damalige Cheftrainer des Teams, „die Mannschaft war eigentlich dagegen. Man kann ja immer darüber streiten, ob solch eine Maßnahme sportlich Sinn macht – aber danach jedenfalls lief es wie geschmiert.“

In den Tagen nach dem Winterausflug kämpfte sich die deutsche Auswahl bei der Handball-WM 1993 in Norwegen zum Titelgewinn, den das DHB-Ensemble vor exakt 25 Jahren am 5. Dezember durch einen 22:21-Finalsieg nach Verlängerung in Oslo gegen Dänemark sicherte. Dem Erfolg auf der Weltbühne des Sports folgte eine Feierstunde im gediegenen Ambiente. „Klar haben wir dann in unserem Hotel – die norwegischen Gastgeber hatten uns nobel im ersten Hotel am Platz untergebracht – noch gefeiert“, berichtet Doering, den neben dem Siegeswillen auch eine geografische Nähe zu vielen Spielerinnen verband: In der Sternstunde des deutschen Sports steckte auch eine Menge Brandenburg. Chefstratege Doering wurde in Potsdam geboren, Bianca Urbanke-Rösicke (Rückraum) stammt aus Ludwigsfelde, Karen Heinrich (Rückraum) startete ihre Laufbahn bei der BSG Motor Falkensee – das Trio sorgte auch für eine märkische Sternstunde. Und: Torhüterin Sabine Bothe begann ihre Karriere in Havelberg – nur ein paar ordentliche Abwürfe hinter der brandenburgischen Landesgrenze in Sachsen-Anhalt gelegen.

Nach einem Triumph, der sich besonders tief ins öffentliche Bewusstsein brennen sollte, weil es der bislang einzige Sieg einer gesamtdeutschen Mannschaft bei einer Frauen-Handball-WM ist (die DDR-Auswahl holte dreimal WM-Gold), hatte es zunächst nicht ausgesehen. Das Ensemble, das nach der Wieder-Vereinigung aus den Topstars in Ost und West formiert worden war, schlingerte mit einer wenig glorreichen Form- und Ergebniskurve durch die Arenen. „Wir hatten auch das nötige Glück“, sagt Doering, „in einigen Spielen haben wir uns durchbeißen müssen. Durch das verlorene Vorrundenspiel gegen Rumänien hatten wir das Aus schon früh vor Augen.“

Nach der Niederlage – die beiden Minuspunkte nahm das deutsche Team mit in die Hauptrunden-Gruppe, in der sich nur der Tabellenerste für das Endspiel qualifizierte – balancierte sich die Equipe mit dieser schweren Hypothek im Gepäck Schritt für Schritt und Sieg für Sieg auf schwierigem Terrain Richtung Titel. Das letzte Hauptrundenspiel – der prominent besetzte Kontrahent Österreich wurde mit 25:10 überrannt – galt nicht nur für Doering als Schlüsselpartie. Das Endspiel schließlich wurde zu einem Nervenspiel gegen die dänische Auswahl, die als Favorit galt, und 7500 Zuschauer in Oslo, die das Ensemble aus dem skandinavischen Nachbarland anfeuerten.

In der Verlängerung rang sich das deutsche Team durch. Doering, der schon als Spieler mit dem SC Leipzig 1976 und 1979 DDR-Meister wurde und mit der Nationalmannschaft die Vizeweltmeisterschaft (1974) und 1980 den Olympiasieg in Moskau erkämpft hatte, war auch als Trainer ganz oben angekommen. Später trainierte er unter anderem die Männerteams des SC Magdeburg und von Aufbau Altenburg, auch nach einem 1999 erlittenen Herzinfarkt stand er wieder an der Seitenlinie. Vor drei Jahren beendete Doering seine Laufbahn, auch um endlich mehr Zeit für die Familie zu haben.

Am 14. Januar soll es beim WM-Spiel der deutschen Männerauswahl gegen Russland in Berlin eine Feierstunde geben. „Ich denke schon, dass viele aus der Mannschaft kommen werden“, sagt Doering. Auch der zweite große Erfolg des Teams dürfte dann wieder in den Fokus rücken: 1994 erkämpfte ein Gros des Weltmeisterteams Rang zwei bei der Europameisterschaft. Zumindest der Start für die Nachfahren der Goldenen Generation bei der derzeit laufenden EM in Frankreich ist gelungen: Im ersten Gruppenspiel bezwang Deutschland am Sonnabend Rekord-Europameister Norwegen (33:32). „Das ist zumindest schon ein Riesenschritt Richtung Hauptrunde gewesen“, sagte Lothar Doering nach der Auftaktpartie. Am Montag unterlag die deutsche Auswahl dann Rumänien – nach einer Niederlage gegen den Rivalen vom Balkan aber kann immer noch ein großer Triumph folgen: 1993 in Norwegen war das jedenfalls gelungen.

Von Lars Sittig

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