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Sportbuzzer Operation Rose
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09:04 18.06.2013
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BERLIN

. Der Auftrag sei überraschend gekommen, sagt er. Unangenehm dürfte er aber keineswegs gewesen sein. Hommann wurde auf die Frau angesetzt, für die er ohnehin noch schwärmte. Es ging um seine Jugendliebe, die Ehefrau des prominenten „Republik-Flüchtlings“ – so der offizielle Sprachgebrauch – Lutz Eigendorf. Der war am 21. März 1979 nach einem BFC-Spiel in Kaiserslautern im Westen geblieben. „Wooo ist denn der Eigendorf?“, skandierten fortan gegnerische Fans bei Spielen des BFC.

Für das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) war sofort klar: „Maßnahmen“ müssen ergriffen werden, der „Operativvorgang Rose“ wurde gestartet. Der Image-Schaden für die DDR und den Stasi-Club sollte in Grenzen gehalten werden. Die bis ins Mark getroffenen Stasi-Granden um Club-Förderer und Stasi-Chef Erich Mielke wollten unter allen Umständen verhindern, dass Gabriele Eigendorf mit ihrer Tochter Sandy die DDR ebenfalls verlässt.

Gabriele Eigendorf wusste nach eigenem Bekunden nichts von den Fluchtabsichten ihres Mannes. Dennoch wurde sie ebenso wie Eigendorfs Eltern sofort bewacht und bespitzelt. Bei der jungen Frau wurde zu einer der perfidesten Formen geheimdienstlicher „Arbeit“ gegriffen – wodurch Hommann ins teuflische Geschäft kam. Nach zwei Fehlversuchen, Kandidaten, bei denen Gabi Eigendorf nicht angebissen hatte, sollte nun Peter Hommann ihr Vertrauen erschleichen.

Kamenz, Mai 1979: Aus der Unterkunft der Armeefußballer der ASG Vorwärts verschwindet quasi über Nacht Mittelfeldspieler Peter Hommann. Dort leistet der 24-jährige, bei Union Berlin ausgebildete Kicker seinen „NVA-Ehrendienst“. Relativ komfortabel, denn die Repräsentations-Truppe der DDR-Luftstreitkräfte trainiert und spielt unter passablen Bedingungen Fußball. Doch Hommann hat einen hochbrisanten Zusatzauftrag, von dem keiner seiner Kameraden etwas ahnt.

Am 2. Mai 1979, sechs Wochen, nachdem sich Eigendorf abgesetzt hatte, stand Hommann mit einem Blumenstrauß vor Gabriele Eigendorfs Wohnung und bot seine Hilfe an. Er kam offenbar im richtigen Moment, sie war verunsichert und mehrfach verhört worden. Die Bewachung ihrer Wohnung in der Zechliner Straße 3 war auch kaum zu übersehen. Hommann erwähnte ihr gegenüber sogar, dass er gute Kontakte zur Stasi habe, dass sie sich keine Sorgen machen solle. Er verneinte allerdings ihre Frage, ob er von der Stasi angesprochen worden sei, wie ein Bericht an Führungsoffizier Werner Franke offenlegt. „Ich wusste, dass er mich liebt. Er war ein guter Bekannter“, schilderte Gabi Eigendorf in einer Fernseh-Dokumentation von Heribert Schwan ihr damaliges Verhältnis zu Hommann und die Umstände seines „Comebacks“. „Sie (Stasi-Mitarbeiter/Anm. d. A.) kamen täglich in meine Wohnung und machten Lutz schlecht. Sie wollten, dass ich mich von ihm trenne.“ Von ihrem Mann erreichte sie in dieser Zeit nur ein Brief, den Rest fing die Stasi ab.

Der „Romeo“ hatte den Auftrag, sie von ihrem Mann zu entfremden. Er muss gute „Arbeit“ geleistet haben, denn sie ließ sich von Lutz am 7. Juni 1979 scheiden, verlobte sich schon tags darauf mit Hommann, um ihn schließlich zu heiraten. Die Stasi organisierte einen Ostsee-Urlaub für „IM Peter“ und Gabi – Honeymoon in Binz.

Wenige Wochen nach dem Wiedersehen mit Gabi war Hommann für seine Kamenzer Mitspieler spurlos verschwunden. Selbst zu einem Berliner Kumpel unter den Vorwärts-Kickern brach der Kontakt ab. Die Stasi hatte Hommanns Versetzung eingefädelt, als sicher war, dass ihr Plan aufgeht – aus Tarngründen in eine andere Armeedienststelle, praktischerweise nach Berlin.

Hommann kam dieser Auftrag sehr gelegen: Erstens hatte er sich um die Frau zu kümmern, die er ohnehin liebte. Zweitens war sein Armeedienst mit einem Schlag praktisch vorbei. Und drittens bekam er laut Stasi-Unterlagen etliche Sonderzahlungen. Im Jahr 1979 insgesamt 3700 Mark – für DDR-Verhältnisse stattliche Summen. Dies alles um den Preis, seine große Liebe dem Geheimdienst auszuliefern. Nach und nach berichtete Hommann selbst über intimste Dinge. Zeitweise fuhr er direkt von Gabi in die konspirative Wohnung, welche die Stasi für Treffs eingerichtet hatte.

Die Kamenzer Mitspieler Hommanns begriffen erst durch Schwans Fernseh-Dokumentation, welch schmutzige Teilgeschichte von ihrer Unterkunft aus begonnen hatte. Als Gabriele vom Treiben ihres zweiten Mannes erfuhr, trennte sie sich von ihm und nahm Eigendorfs Namen wieder an. Tochter Sandy, die Hommann bis dahin für ihren Vater gehalten hatte, distanzierte sich ebenso vom Spitzel im eigenen Heim.

Der „Romeo“ zeigt sich voller Selbstmitleid. „Was ich deshalb durchgemacht habe, kann sich wahrscheinlich keiner vorstellen. Ich will darüber nicht mehr reden.“ Er verweigert ein Treffen und beendet das Telefon-Gespräch. Noch heute arbeitet Hommann auf dem BFC-Gelände. Seinen Stasi-Vorgesetzten galt IM Peter als zuverlässig, deckten sich seine Berichte doch mit den Mitschnitten aus Gabi Eigendorfs gründlich verwanzter Wohnung. Seinen Auftrag in Berlin erfüllte er mit „Bravour“, von Gabriele Eigendorf ging keine Gefahr mehr für die DDR aus.

Heribert Schwan: „Tod dem Verräter“, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München. (Von Frank Müller)

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