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Sportbuzzer Ralf Grengel ist seit 17 Jahren Manager von Claudia Pechstein
Sportbuzzer Ralf Grengel ist seit 17 Jahren Manager von Claudia Pechstein
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19:07 13.02.2018
Claudia Pechstein mit Manager Ralf Grengel Quelle: Foto: Hauth
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Berlin

„Was soll denn der Scheiß? Jetzt pass mal auf meine Liebe. Du tickst wohl nicht ganz sauber.“ Mit diesen drastischen Worten hat Ralf Grengel im Frühjahr 2009 Claudia Pechstein das Leben gerettet. Denn die Eisschnellläuferin wollte sich von einer Autobahnbrücke stürzen und sich das Leben nehmen. Nach den Dopinganschuldigungen durch den Internationalen Eisschnelllauf-Verband (ISU) sah die Berlinerin keinen Ausweg mehr. „Sponsoren weg, Job weg, Haus weg. Alles weg“, wie sie in ihrem von Grengel aufgeschriebenen autobiografischen Buch „Von Gold und Blut“ schildert. Der Journalist ist seit 2001 der Manager der fünfmaligen Olympiasiegerin, die nun in Südkorea an ihren siebten Olympischen Winterspielen teilnimmt und ihre zehnte Olympia-Medaille gewinnen will. Am Freitag über 5000 Meter hat sie ihre wohl größte Chance auf das Podium. Dann wird auch Grengel in Pyeongchang sein.

Eine SMS mit Folgen

Grengel erinnert sich noch wie gestern daran, als er 2009 jene SMS erhielt. „Wir sind gleich unterwegs und suchen uns eine Brücke“, hatte Pechstein geschrieben. „Zum Glück lag das Handy gleich neben mir auf dem Schreibtisch“, sagt Grengel und konnte die SMS sofort lesen. „Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich nicht innerhalb von ein paar Sekunden hätte reagieren können.“ Seine energische Aufforderung fand Gehör. „Wahnsinn, was falsche Anschuldigungen aus einem starken Menschen machen können“, erzählt Grengel. Ich kenne Claudia sehr gut und hatte sie damals einmal Auge-in-Auge gefragt: ,Hast du gedopt?’, erinnert er sich. „Sie hat meinem Blick Stand gehalten und sofort ,Nein’ gesagt. Damit war das für mich geklärt.“

Mit Pechstein vor Gerichten gekämpft

Gesperrt wurde Pechstein trotzdem und der Kampf gegen das Unrecht hält

Ralf Grengel mit Claudia Pechstein 2009 vor dem Gang zum Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Quelle: DPA

bis heute an. Auch für Grengel. Kaum eine Stunde nach dem CAS-Urteil, mit dem die durch den Weltverband ISU verhängte Sperre bestätigt wurde, hatte der erste Sponsor gekündigt. Weitere folgten rasch, nur einer blieb treu und verlängerte sogar, weil er von Pechsteins Unschuld überzeugt war. Auch Grengel, dessen Schwiegervater Pechsteins einstiger langjähriger Trainer Joachim Franke ist, hielt weiter zu der Ausnahmesportlerin, die es sich nach dem Doppel-Gold 2002 in Salt Lake City als „Goldstein“ sogar finanziell leisten konnte, auf üppig honorierte Nacktfotos für den Playboy zu verzichten.

Nach der Sperre war die Situation gänzlich anders. Grengel bemühte sich, kleine mittelständische Unternehmen zu finden, die seine Klientin beim Comeback und beim Kampf vor Gericht unterstützten. Eines Tages bekam er so auch die Anfrage von Immobilien-Unternehmer Matthias Große. „Der hatte so treffende Worte gefunden, es auf den Punkt gebracht, so dass ich Claudia den Rat gab: Den kannst du mal zurückrufen. Der wird dir helfen.“ Schon beim ersten Treffen fanden Pechstein und Große eine Wellenlänge – sind bis heute ein Paar. Grengel sieht den Lebenspartner seiner Athletin nicht als Konkurrenten, „sondern als zusätzlichen starken Partner. Mein Arbeitsbereich hat sich dadurch nicht verändert“.

Editionen für Bayern München und Borussia Mönchengladbach

Der 52-Jährige, der früher unter anderen die Biathletin Uschi Disl oder den nordischen Kombinierer Georg Hettich betreute, hat bis auf Pechstein keine Sportler mehr in seinem Management. „Der Fall war einfach zu nervenaufreibend“. Mit der Agentur „Powerplay“, die der frühere Sportjournalist vor 25 Jahren gründete und mit der er 14 Jahre in Potsdam ansässig war, bevor er im Januar wieder nach Berlin zurückkehrte, hat er auch diverse Editionen für Fußball-Rekordmeister Bayern München herausgegeben. Darunter das größte Fußball-Buch der Welt. Auch für seinen Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach, bei dem er Vereinsmitglied sowie Dauerkarteninhaber ist und seinen privaten Fanclub längst um Ehefrau Kathrin und Tochter Ann-Marleen (18) erweitert hat, veröffentlichte er bereits einige Bücher und Filme. Sein Buch über den ehemaligen Profiboxer Graciano „Rocky“ Rocchigiani „Meine 15 Runden“ wurde wie die Pechstein-Autobiografie zum Bestseller.

Mit 50 noch bei Olympia in Peking

Im Fall der fast 46-jährigen Kufenflitzerin sind die letzten Kapitel noch zu schreiben, ein zweites Buch bereits in Planung. Grengel erklärt das Phänomen Pechstein so: „Keine gleitet so über das Eis wie sie. Dass sie all die Jahre von schweren Verletzungen verschont blieb, liegt auch an ihrer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung jeder Trainingseinheit. Sie weiß, was sie ihrem Körper zumuten kann und was nicht. Sie achtet heute mehr auf Qualität im Training, weiß, dass die Regenerationszeiten jetzt länger sind. Ein weiteres großes Plus sind neben dem Top-Kufenmaterial, das in Holstein bei F&F Lasertechnik geschliffen und poliert wird, ihre Selbstdisziplin und der eiserne Wille. Was sie sich in den Kopf gesetzt hat, zieht sie durch.“

Grengel erinnert sich noch genau, wie Pechstein 2014 in Sotschi nach Platz vier und fünf in Tränen aufgelöst war. „Da dachte ich, das waren ihre letzten Olympischen Spiele.“ Nun – vier Jahre später – sei davon keine Rede mehr und selbst Peking 2022 mit dann 50 Jahren eine Option. „Diesen runden Geburtstag im Olympischen Dorf zu feiern, ist sicher verlockend für sie“, sagt Grengel.

Von Peter Stein

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