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Niendorf hört nach 66 Jahren Berichterstattung auf

Serie „Treue Seele“ Niendorf hört nach 66 Jahren Berichterstattung auf

Für seinen ersten Bericht über Lok Jüterbog bekam er drei Mark Honorar. Damals war Gerhard Niendorf 14 Jahre alt. Die Berichte steckte er damals in Briefform in den Postkasten der „MV“. Jetzt hört der Kleinmachnower (Potsdam-Mittelmark) als Tischtennis-Korrespondent auf.

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Gerhard Niendorf, hier mit Veronika Schneider vom TSV Stahnsdorf, hat jahrzehntelang über das Brandenburger Tischtennis berichtet.

Quelle: Stephan Henke

Kleinmachnow. 66 Jahre berichtete Gerhard Niendorf über den Tischtennissport. Nun hat sich der 80-jährige Kleinmachnower zurückgezogen. Seine E-Mails an die Redaktionen, auch an die MAZ, bleiben aus. „Es hat mir immer Spaß gemacht. aber irgendwann muss Schluss sein“, sagt der Dauerbrenner des rasanten Spiels an der grünen Platte.

Mit elf Jahren hatte Niendorf in seiner Heimatstadt Jüterbog zum Schläger gegriffen. Ihm dämmerte es alsbald, dass er die Leserschaft der „Märkischen Volksstimme“ mit den Spielergebnissen seiner Sportgemeinschaft Lok Jüterbog beglücken musste. Als 14-Jähriger warf er die Resultate in den Briefkasten der Kreisredaktion, staunte nach der Veröffentlichung und freute sich über drei Mark Honorar.

Auf der Suche nach einer Telefonzelle

1961 kam Niendorf mit Gattin Jutta, einer Handballerin, nach Teltow und wurde ein gefragter Korrespondent der Potsdamer Medien. Zunächst rannte er sonntags von einer Telefonzelle, die defekt war, zur nächsten und übermittelte die Ergebnisse und Berichte. Später fuhr der Berichterstatter mit dem Trabi nach Potsdam und hielt es wie zu Beginn: ab mit dem Papier in den Briefkasten.

Niendorf schaffte es 1990 bis zum Pressewart des Brandenburger Verbandes. Der Ingenieur für Hochfrequenztechnik blieb in seinem Hobby stets akkurat. Jahrzehntelang versäumte er keinen Spieltag, war nie krank. Allerdings blieb mitunter einiges auf der Strecke. Kein Platz, hieß es. Die Werke wanderten in den Papierkorb. Niendorf: „Ich hatte mich damit abgefunden, denn von mir wurde eine Randsportart bedient.“

Selbst als Spieler aktiv

Was ist das Papier ohne die Praxis? Der Ergebnissammler griff auch erfolgreich zum Schläger und schmetterte den kleinen Zelluloidball als elfmaliger Bezirksmeister im Doppel ins gegnerische Feld. Beim TSV Stahnsdorf begann Ende der Siebziger Jahre die Blütezeit der jungen Tischtennis-Damen. Niendorf formte als Übungsleiter eine Teenager-Truppe, die es bis zur Oberliga schaffte. Zwei Stützen von damals wirbeln immer noch in der Oberliga, die heute allerdings einige Klassen tiefer angesiedelt ist: Martina Grunwaldt und die Ärztin Kerstin Jahnke. Beide sind knapp über 50. Niendorf ist immer noch als Zuschauer dabei, wenn seine einstigen Schützlinge in der Zille-Schule in der Stahnsdorfer Friedrich-Naumann-Straße an der Platte stehen.

Als Korrespondent sind seine Kräfte erlahmt. „Es hat mich genervt, wenn Vereine den Ergebnisdienst schuldig geblieben sind.“ Anfang Dezember trat Niendorf als Pressewart des Verbandes zurück. Die Medien warten seitdem vergeblich auf Berichte. Die treue Seele hat noch keinen Nachfolger gefunden.

Von Detlef Braune

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