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Sportmix Wolfgang Schwericke: „Der Ofen ist einfach aus“
Sportbuzzer Sportmix Wolfgang Schwericke: „Der Ofen ist einfach aus“
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17:11 28.08.2018
Kaum vorzustellen, dass Wolfgang Schwericke im nächsten Jahr nicht mehr etliche Laufevents der Region moderiert. Quelle: Christoph Brandhorst
Stechlin

Es passiert innerhalb eines kurzen Augenblicks, dieser verändert jedoch alles. Wie schon beim Wutzseelauf in Lindow wurden auch am Sonnabend beim Havellauf in Zehdenick von Unbekannten Streckenschilder eigenmächtig umgestellt, weshalb die Teilnehmer auf den Langstrecken – 14,5 und 21,1 Kilometer – bereits deutlich früher die Ziellinie überquerten. Wieder sorgte dies bei unzähligen Startern für Ärger und Wut, bei den meisten jedoch für große Trauer.

Bei der anschließenden Siegerehrung ließ Wolfgang Schwericke seinen Gefühlen nämlich freien Lauf und stellte eine Fortsetzung seiner Tätigkeit als Veranstalter höchst emotional in Frage. Auch Tage danach herrscht bei dem Urgestein vom Laufpark Stechlin Schockstarre: „Eigenhändig habe ich am Freitag die Strecke mit ausgeschildert, am Samstag wurde punktuell nochmal kontrolliert.“ Im Ziel waren viele verwundert, als die ersten Langstreckenläufer vor denen der nächst kürzeren Distanz einliefen. „Ich habe gehofft, dass dies nur ein Zufall sei. Doch dann erhielt ich die Info, dass auf dem Weg wieder Schilder umgestellt wurden“, verrät Schwericke.

Frust vieler Läufer nachvollziehbar

Seit 15 Jahren plant und führt er die Laufveranstaltungen durch, neben den fünf eigenen Events – Stechlinseelauf, Dollgower Seenlauf, Wasserfestlauf Fürstenberg, Havellauf und Roofenseelauf Menz – wird auch den Lindower Sportschülern beim Wutzseelauf unter die Arme gegriffen. „In all den Jahren habe ich mich für über 60 Läufe verantwortlich gefühlt, nie zuvor ist etwas Derartiges passiert“, kann sich Wolfgang Schwericke die beiden Vorfälle nicht erklären.

Was er jedoch nachvollziehen kann, ist der aufkommende Frust vieler Läufer: „Da kann ich mich auch zehnmal entschuldigen, es ändert ja nichts. Wir hatten einen Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt vor Ort, der bei uns den Halbmarathon laufen wollte. Der war natürlich pappesatt, als er nach elf Kilometern, also grad mal nach halber Strecke, das Ziel erreichte.“ Schon nach dem Wutzseelauf war Schwericke mit seinem Team auf der Suche nach Möglichkeiten, solch einen Fall dauerhaft zu verhindern. Die jüngsten Geschehnisse bestätigen ihn jedoch in seiner Aussage: „Durch die verschiedenen Distanzen kommt eine Laufstrecke von 35 Kilometern zusammen. Du kannst keinen Wald komplett bewachen. Höchstens durch Posten, aber woher die Leute nehmen? Das können wir nicht stemmen.“

Roofenseelauf als Schwerickes letztes Kapitel?

Genau aus diesem Grund sieht er den Menzer Roofenseelauf am 15. September, der die Laufsaison der Stechliner beendet, als sein letztes Event, für welches er sich federführend zeigt, an. „Wir müssen uns jetzt intern nochmal zusammensetzen und das alles analysieren. Wir können auch nicht alles falsch gemacht haben, dafür lief es jahrelang zu glatt. Aber nach jetzigem Stand ist es für mich dann wirklich endgültig gelaufen, ich wüsste auch nicht, was mich von meiner Meinung noch umstimmen könnte. Der Ofen ist einfach aus“, sagt Schwericke.

Diese Entscheidung sowie die ehrlichen Worte treffen etliche Weggefährten ins Mark. „Wir Läufer würden das alle sehr schade finden“, spricht Anja Grothe-Kraft vom LC Dosse Wittstock stellvertretend für viele Kollegen. Sie appelliert auch an die umliegenden Vereine und weitere Mitstreiter, den Laufpark bei seinen Veranstaltungen zu unterstützen. „Wir müssen Wolfgang zeigen, dass wir helfen wollen. Erwachsene und vor allem auch Kinder haben dank ihm den Spaß am Laufen entdeckt. Er soll sich nicht unterkriegen lassen und gegen diejenigen, die ihn was Böses wollen, ankämpfen. Mit seinem Weggang würde eine große Lücke entstehen.“ Auch Stefan Schulz, der für den Ruppiner Triathlonverein startet und bei jeglichen Läufen zu den Stammgästen gehört, hofft, dass die Laufpark-Ikone auch im nächsten Jahr weitermacht. „Wolfgang Schwericke ist das Gesicht vom Laufpark Stechlin. Mir tut es vor allem für ihn sehr leid, was in Lindow und Zehdenick passiert ist. Er steckt all sein Herzblut in die Planungen, so etwas hat er nicht verdient“, bestätigt Schulz.

In Menz könnte bald eine Ära enden. Vorstellen kann man sich dies aber noch lange nicht.

Von Marius Böttcher

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