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Ausbildung & Beruf Das sind Brandenburgs mutigste Handwerker
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09:28 02.09.2015
Henrik Köllmann (re.) mit Guido Spielhagen, Thomas Nickel und Eckehard Kroll (v. re.) auf dem Dach des Berliner Olympiastadions. Quelle: Markus Kniebeler
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Göttlin/Berlin

Was für ein Arbeitsplatz. Über einem der strahlend blaue Sommerhimmel, unter einem das imposante Rund des Olympiastadions mit seinen 75.000 Plätzen und dazu eine 360-Grad-Panoramasicht auf die Hauptstadt Berlin. Weit im Osten erkennt man den Fernsehturm. Dessen kleiner Bruder, der Funkturm, ist zum Greifen nahe. Die Abhörstation auf dem Teufelsberg hat man so klar noch nie gesehen, und das Straßengewirr rund um das Messegelände, in dem schon mancher Autofahrer die Nerven verloren hat, wirkt geradezu harmlos pittoresk. Fantastisch.

Mitarbeiter der Göttliner Glaserbetriebs Köllmann sanieren die Fugen des Glasdachs im Berliner Olympiastadion

„Von wegen fantastisch“, grummelt Thomas Nickel. „Kommen Sie mal gegen Mittag her, wenn die Sonne richtig knallt“. „Dann sind Sie froh, wenn Sie wieder runter dürfen.“ Nickel sowie seine Kollegen Guido Spielhagen und Eckehard Kroll wissen, wovon sie reden. Seit dem Frühjahr ist das Dach des Berliner Olympiastadions ihr Arbeitsplatz. Und weil dieser Sommer mit Hitzetagen nicht geizt, hat das Trio schon manchen Liter Schweiß vergossen.

Glücklich über den Großauftrag

Schuld an allem ist ihr Chef. Als der Göttliner Glasermeister Henrik Köllmann vor sieben Jahren den Auftrag erhielt, im Olympiastadion die Fugen des 6000 Quadratmeter großen Glasdachs zu sanieren, da konnte er nicht ahnen, dass ihn das über mehrere Sommer beschäftigen würde. Unglücklich ist er natürlich nicht über diesen Großauftrag. „Wir haben hier von April bis Oktober immer gut zu tun gehabt“, sagt er. Das sei für einen kleinen Betrieb ein großes Glück.

Dass der Auftrag kein Ende nehmen will, hat mehrere Gründe. Zum einen ist das Auftragsvolumen so groß, dass es sich nicht in ein paar Wochen abarbeiten lässt. Gummiprofile von insgesamt 6000 Metern Länge müssen erneuert werden. Die Dichtungen zwischen den einzelnen Platten des Glasdachs waren durch Witterungseinflüsse porös geworden.

Als das Köllmann-Team einen Großteil des Auftrags abgearbeitet hatte, stellte sich heraus, dass nicht nur Wind und Wetter den Gummifugen zusetzen. Auch Krähen hatten offenbar Gefallen an dem Material gefunden und pickten Löcher in die gerade erneuerten Profile. Um das künftig zu verhindern werden die Fugen nun mit Spezialabdeckungen versehen. Damit sind die Göttliner Glaser momentan beschäftigt. „Wenn das trockene Wetter anhält, könnten wir bis zum Herbst durch sein“, sagt Köllmann.

„Ein geiler Arbeitsplatz“

Da darf dann aber keine Großveranstaltung dazwischen kommen. Denn bei großen Ereignissen im Olympiastadion werden die Dacharbeiten meist schon Tage vorher eingestellt. Beim Champions-League-Finale im Mai etwa wurden die Glaser eine Woche vorher von ihrem Arbeitsplatz verbannt. Nicht nur aus Gründen der Sicherheit, sondern auch, weil Pyrotechniker auf dem Dach das Feuerwerk für die Finalfeier installieren mussten.

Henrik Köllmann sieht dem Abschluss der Arbeiten eher mit einem weinenden Auge entgegen. „Ist ein toller Auftrag. Und ein geiler Arbeitsplatz“, sagt er. „Aber irgendwann ist Schluss.“ Es sei denn, die Krähen lassen sich was einfallen.

Dach aus Glas und Kunststoff

Das Dach des Berliner Olympiastadions hat eine Gesanmtfläche von 42 000 Quadratmetern.

Ein Großteil dieser Fläche besteht aus einer speziellen Glasfasermembran.

Der Innenring des 68 Meter breiten Dachs ist eine Glaskonstruktion, die rund 6000 Quadratmeter groß ist.

Der Abstand von der Dachspitze bis zum Spielfeld beträgt 40 Meter.

Die gesamte Dachkonstruktion wiegt rund 3500 Tonnen

Von Markus Kniebeler

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