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Brandenburger Superlative Das kleinste Hotelzimmer liegt in Falkensee
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09:30 31.08.2015
Hotelchef Michael Arneburg fühlt sich selbst sehr wohl in dem bei Gästen beliebten Mini-Zimmer. Quelle: foto: Konrad radon
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Falkensee

Am Ende bleibt das Zimmer mit der Nummer 27 eine Wirtschaftsgröße, wenn auch auf nicht mal fünf Quadratmetern. Der süße Name „Vogelnest“ bot sich da an, er ist nicht offiziell – doch irgendeiner, der das Zimmer liebt, weil man dort so geborgen liegt wie im Mutterbauch, hat den Begriff ins Spiel gebracht. Vogelnest. Tatsächlich, vor den Fenstern toben Amsel, Drossel, Fink und Star. Ruhe finden sie in Eiche und Linde.

Ist es das kleinste Hotelzimmer in Brandenburg? Michael Arneburg, goldene Manschettenknöpfe und gesunde Bräune, sagt: „Naja, das ist nicht amtlich nachgewiesen, doch wie sollte ein Hotelzimmer noch kleiner sein?“ Arneburg, 51, ist Chef des Hotels „Kronprinz“ in Falkensee (Havelland), dort liegt das Zimmer unscheinbar im zweiten Stock. Das Einzelbett ist weiß bezogen, ein Lüster an der Zimmerdecke, funkeln daran ein paar Klunker. Kleiner roter Lehnsessel unter dem Fenster, auf der Fensterbank der Zugangscode fürs WLAN. Doch Internet braucht hier nur jemand, dessen Fantasie ein wenig klemmt, denn eigentlich ist das ein Zimmer für die Träume. Weil es so eng ist, weitet es die Fantasie. Die Aussicht ist idyllisch. „Meist wollen hier die Frauen rein“, sagt Arneburg, „kann was mit Romantik zu tun haben.“

Das Zimmer kostet 73 Euro pro Nacht

Er hält das Zimmer gerne unter Verschluss, „oft ist es das letzte, das wir vergeben.“ Warum? „Also“, Arneburg holt Luft, denn er beherrscht die schöne Theatralik, die es nur in gut geführten Häusern gibt: „Wir haben eine Pauschale für Einzelbettzimmer, die liegt bei 73 Euro – für das Geld möchten wir den Gästen einen möglichst großen Raum bieten.“ Außerdem verschleißen kleine Räume schneller, „es gibt Laufstraßen auf dem Teppich, das ruft bald nach Erneuerung.“ Doch es gibt Gäste, die das Zimmer ausdrücklich bestellen. Meist sind es Geschäftsreisende.

„Das Haus läuft gut“, sagt Arneburg, vor zwei Jahren hat er es von seiner Vorgängerin übernommen. Er sucht jetzt originale Jugendstilmöbel für die Räume. Ist das kleinste Brandenburger Hotelzimmer als PR-Gag gedacht? „Nein“, sagt Arneburg, „schauen Sie sich das Haus an, so ein Zimmer ist erzwungen.“ Kein Raum gleicht hier dem anderen, die Villa wurde 1890 erbaut, lange als Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeit genutzt, seit 1993 ist es ein Hotel mit Anspruch. Die Winkel sind charmant, doch aus der Sicht eines Betriebswirts machen sie das Rechnen schwerer. Pauschalpreise für Zimmer in verschiedenen Größen? Nicht so einfach. Ein Haus mit drei Etagen ohne Fahrstuhl, weil es der schöne alte Bau einfach nicht anders zulässt? Manchen Gast bringt das in Rage, er macht sich Luft bei den Bewertungen in öffentlichen Foren, die sonst sehr gut ausfallen für das Haus.

Auf dem Bett liegen Gummitiere zum Vernaschen

„Die Hälfte des Jahres ist das Vogelnest belegt“, sagt Arneburg, der neulich im Kempinski am Berliner Ku’damm essen war und sich erregt hat übers harte Wiener Schnitzel, „man konnte damit Nägel in die Wand schlagen.“ Und über das Besteck hat er sich auch geärgert, „es war nicht sauber abgewaschen“, sagt er. „Die nehmen Preise aus der Luxusklasse, sie müssen dafür etwas bieten.“ Er könne sich solche Schlampigkeiten in Falkensee nicht erlauben. Als er anfing im Hotel, hat Arneburg die Kunstaromen aus der Küche verbannt. Gerade hält er Trennkost, dennoch lässt er sich um 14 Uhr zu einem Zander hinreißen, obwohl die nächste Mahlzeit erst für 16 Uhr geplant war.

Auf dem Bett des kleinsten Brandenburger Hotelzimmers liegt eine kleine Tüte Haribo, „Schlafschäfchen“ sind darin, „eine Geste des Hauses“, sagt Michael Arneburg. Aber süß ist dieses Zimmer eigentlich auch ohne Bonbons.

Als nächsten brandenburgischen Superlativ stellen wir die höchsten Gipfel der Mark vor. Alle Beiträge der Serie unter www.MAZ-online.de/superlative

Von Lars Grote

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