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BER-Desaster schon 2009 vorhergesagt

Autor Frank Welskop hatte mit seinen Thesen oft Recht BER-Desaster schon 2009 vorhergesagt

Ein Autor hat bereits vor fünf Jahren das BER-Desaster vorhergesagt. Hören wollte damals niemand auf ihn, doch jetzt werden die Thesen von Frank Welskop von den Experten bestätigt. Für ihn gibt es drei Hauptgründe für das Chaos - und auch die realen Kosten seien viel, viel höher.

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rank Welskop ist Flughafen-Kritiker und hat ein Buch über das Pannenprojekt BER geschrieben.

Quelle: Dietrich von Schell

Potsdam/ Schönefeld. Ein Café irgendwo in Berlin-Mitte. Frank Welskop sitzt allein in einer Ecke. Blond, sportlich, um die 50. Er hat in seinem Buch „BBI – ein neuer Berliner Bankenskandal?“ bereits 2009 das Desaster des Flughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) beschrieben. Was keiner wahrhaben wollte, bestätigen heute Wirtschaftsprüfer und Gutachter. Welskop hatte die Gründe für das Chaos auf der Flughafenbaustelle auf eine griffige Formel gebracht: Zu spät, zu teuer, am falschen Standort.

Abwartend blinzelt er hinter seiner Brille hervor, ein prüfender Blick. Dann gibt er sich einen Ruck, schiebt ein Blatt Papier über den Tisch. Darauf ist eine Zahl eingekringelt: 666 Millionen Euro. Ein großes deutsches Wochenmagazin hat aufgedeckt, dass in der Unternehmensbilanz des Geschäftsjahres 2012 diese Summe nicht aufgeführt wurde. „Das Minus ist viel größer als dort steht und es sich überhaupt jemand vorstellen kann“, kommentiert Welskop. „Das wahre Ausmaß wird verschleiert, der Öffentlichkeit werden immer nur die reinen Baukosten präsentiert.“

Tatsächlich schlummerten weitere Posten im Verborgenen. Die Vorlaufkosten, die bis 2006 für Planung, Bauvorbereitung und Landkauf angefallen sind: vier Milliarden Euro. Subventionen für Billigflieger wie Air Berlin: 3,2 Milliarden Euro. Verkehrsanbindungskosten für Straße und Schiene: eine Milliarde Euro. Die Kosten für den Leerbetrieb, also das Geld, das in den Airport gesteckt wurde, seit er nicht eröffnet wurde: 2,5 Milliarden Euro. „Hinzu kommen die Zinsen für die hundertprozentige Kreditfinanzierung, dessen Konzept bislang nicht veröffentlicht worden ist.“ Damit sei man bei 22 Milliarden Euro, so Welskops Rechnung, die der Flughafen bis heute verschlungen habe.

Er lehnt sich zurück, seine Zurückhaltung ist verflogen. Wenn es um Summen und Beträge geht, bewegt er sich auf sicherem Terrain. Wer glaubt, er beziehe seine Autorität daraus, dass seine Prognosen stets eingetroffen sind, verwechselt Ursache und Wirkung. Seine wahre Autorität entnimmt er den Zahlen. „Sie waren mein Anker als ich das Buch schrieb. Es waren ja die fatalen Bilanzen selbst, die mich unangreifbar machten.“

Welskop war in den 90ern Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses bei der Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg und hatte Einblick in Gutachten, die der Flughafenplanung dienten. Danach war er als Politikberater im Berliner Abgeordnetenhaus tätig. Er kennt sich aus auf dem Feld, das er beackert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe als BER-Aufsichtsratschef den Fehler gemacht, die Billigflieger hochzuzüchten. „Die spielen nicht die Kosten ein, die ein Flughafen dieser Dimension benötigt“, so Welskop. „Statt mindestens 25 Euro pro Passagier bringen sie nicht einmal elf Euro ein.“

Den neuen Flughafenchef Hartmut Mehdorn hält er für eine Fehlbesetzung. „Er tanzt allen auf der Nase herum, das ist auch alles“, so Welskops Urteil. „Das einzige, was noch helfen könnte, wäre sofort die Reißleine zu ziehen“, sagt er. „Sollte der BER 2016 eröffnen, was eigentlich nicht mehr geht, so müsste man die Kosten auf den Steuerzahler abwälzen, aber derartige Subventionen wären im laufenden Betrieb des BER rechtswidrig.“ Die Kassen von Bund und Ländern seien ohnehin leer, der Flughafen spiele keine Gewinne ein.“ Dass die Öffentlichkeit diese Fakten nicht zur Kenntnis nimmt, sieht Welskop gelassen. Er ist stolz, weil er die Misere schon vor dem ersten geplatzten Eröffnungstermin beschrieben hat. „Die Zahlen werden mir wieder Recht geben. Der BER ist eine Totgeburt.“

Aufsichtsrat trifft aich am 2. Juni 2014 zur Krisensitzung

  • Am Montag kommt der Flughafenaufsichtsrat in Berlin zu einer Sondersitzung zusammen.
  • Einziger Tagesordnungspunkt ist ein Bericht von Geschäftsführer Hartmut Mehdorn zum Stand des aktuellen Korruptionsverfahrens, wie Flughafensprecher Ralf Kunkel mitteilte.
  • Der bisherige Technikchef Jochen Großmann war vergangene Woche beurlaubt worden. Er steht im Verdacht, für die Vergabe eines lukrativen Auftrags 500000 Euro verlangt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt wegen Bestechlichkeit. Nach ihren Erkenntnissen ist aber letztlich kein Geld geflossen.
  • Die Brandenburger Landesregierung hatte am Mittwoch als Reaktion auf die Affäre eine Sondersitzung des Aufsichtsrats beantragt.
  • Bei der Aufklärung des mutmaßlichen Korruptionsfalls geht es darum, wie der Verdacht aufgedeckt wurde, ob es möglicherweise noch andere Fälle gibt und ob die internen Kontrollen ausreichen. Außerdem wird diskutiert, ob sich die BER-Eröffnung nach der Trennung von dem Technikchef weiter verzögert.
  • Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge (SPD) ist der Ansicht, dass der BER zu 93 Prozent fertiggestellt ist. Ein klares Datum für die Eröffnung sehe er aber nicht.
  • Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) will unterdessen gegen die Praxis der Verkehrswertermittlung in der Flughafenregion klagen. Grund: Das Verfahren sei weit davon entfernt, den besten Schallschutz für die Anwohner zu bieten.

Von Dietrich von Schell

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Autor prognostiziert Milliarden-Verluste

Der geplante Flughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) scheint eine einzige Pleite zu sein – selbst nach seiner Eröffnung. Der Privatmann Wilfried von Aswegen geht in seiner Studie davon aus, dass der BER in den kommenden Jahren hohe finanzielle Verluste macht. Um das zu vermeiden, hat von Aswegen eine simple Lösung.

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