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BER: Weitere Mängel bei Auftragsvergabe?

Korruptionsaffäre bringt Mehdorn unter Druck BER: Weitere Mängel bei Auftragsvergabe?

Die Korruptionsaffäre um den Airport BER setzt Flughafenchef Hartmut Mehdorn weiter unter Druck: Der wegen Korruptionsverdacht suspendierte Technikchef Jochen Großmann habe nach Medienberichten nahezu unkontrolliert Aufträge in Millionenhöhe ohne Ausschreibung verteilen können.

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Der Korruptionsskandal um Technikchef Jochen Großmann bringt Hartmut Mehdorn in Bedrängnis.

Quelle: dpa

Berlin. Die Korruptionsaffäre um den Berliner Airport BER weitet sich offenbar aus und setzt auch Flughafenchef Hartmut Mehdorn weiter unter Druck. Der wegen Korruptionsverdacht suspendierte Technikchef Jochen Großmann soll nahezu unkontrolliert lukrative Aufträge zur Umplanung der zentralen Entrauchungsanlage des Terminals ausgelöst und verteilt haben können, berichtete das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ am Sonntag vorab. Den Zuschlag hätten Unternehmen erhalten, mit denen Großmanns Dresdner Unternehmensgruppe Gicon langjährige Geschäftsbeziehungen gepflegt habe. Was Mehdorn darüber wusste, dürfte heute auch den BER-Aufsichtsrat auf seiner Sondersitzung beschäftigen.

Der bisherige BER-Technikchef war vergangene Woche beurlaubt worden. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt wegen Bestechlichkeit. Konkret werfen die Ermittler Großmann vor, bei einer Auftragsvergabe an den niederländischen Planungskonzern Arcadis 500.000 Euro Schmiergeld gefordert zu haben. Nach ihren Erkenntnissen ist aber letztlich kein Geld geflossen.

Interne Unterlagen der Flughafengesellschaft legen laut „Spiegel“ zudem den Verdacht nahe, dass auch andere Vergabeverfahren Ungereimtheiten aufwiesen. Diese sollen Flughafenchef Hartmut Mehdorn seit Herbst vorigen Jahres bekannt gewesen sein. So habe die Arbeitsgemeinschaft Transparenz in vertraulichen Quartalsberichten bereits 2013 eine Reihe von Verstößen moniert.

Der „Focus“ schreibt, dass eine weitere, anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus eingegangen sei. Demnach soll Großmann Planungsleistungen an ihm nahestehende Unternehmen vergeben haben, obwohl die Leistungen bereits vorlagen. Dadurch soll ein Zeitverzug für die Fertigstellung der Entrauchungsanlagen von acht Monaten entstanden sein. In mindestens einem Fall soll auch Mehdorn informiert gewesen sein. Dabei soll Großmann einen Auftrag für die Entrauchungsanlage für mehrere Millionen Euro an die Cottbusser Firma Arcus vergeben haben, mit der er wirtschaftlich verbandelt war. Der von ihm Anfang des Jahres gefeuerte Planer der Entrauchungsanlage, Alfredo di Mauro, habe indes Mehdorn am 7. März 2014 eine Kostenkalkulation von nur 207.200 Euro für ein Leistungspaket für die Anlage vorgelegt. Ein Flughafensprecher wies die Vorwürfe beider Magazine gegen Mehdorn zurück.

Ein Expertenteam soll nun Aufträge prüfen, die von Großmann vergeben wurden. „Ich habe umgehend eine Taskforce gegründet, die diesen Verdachtsfällen nachgeht und beim leisesten Verdacht wieder die Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen wird“, sagte Mehdorn dem „Focus“. Auf den Prüfstand komme der gesamte Themenkomplex, der den suspendierten Technikchef betreffe. Bis zu einer regulären Aufsichtsratssitzung am 30. Juni soll der Bericht der „Taskforce“ vorliegen. Bereits heute kommt in Berlin der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Laut „B.Z.“ gibt es auch weitere Probleme mit der Finanzierung des Projekts. In einem Brief an die Flughafengesellschaft drohten die Banken dem BER mit einem Zahlungsstopp, wenn nicht bis zum Herbst ein tragfähiges Finanzkonzept vorliege. Konkret gehe es um 119 Millionen Euro eines insgesamt 2,4 Milliarden Euro umfassenden Kredits.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) forderte am Sonntag Aufklärung. Der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sven-Christian Kindler, verlangte die Entlassung von Mehdorn. Der Flughafenchef sagte dem „Focus“ indes, dass er wegen der Affäre noch nicht an einen Rücktritt gedacht habe.

MAZ

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Luftbilder vom Flughafen BER

Der Berliner Flughafen BER in Schönefeld aus der Luft. Seit 2006 wir der neue Hauptstadtflughafen gebaut. Mitte Juni 2012 sollte dort der Flugbetrieb aufgenommen werden, doch technische und organisatorische Probleme verzögerten die Eröffnung auf (bisher) unbestimmte Zeit hinaus.