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Bauboom an der BER-Einflugschneise

Zuzug nach Blankenfelde-Mahlow Bauboom an der BER-Einflugschneise

Zuzug statt Lärmflucht: Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) wächst, obwohl es die Gemeinde ist, die am stärksten vom Lärm des neuen Flughafens in Schönefeld (Dahme-Spreewald) betroffen sein wird. Der Grund: Die Grundstücke sind für Speckgürtel-Verhältnisse relativ günstig zu haben.

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Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow erlebt trotz des drohenden Fluglärms Zuzug.

Quelle: dpa

Potsdam. Manche Besucher verlassen Patrick Strogies ein wenig desillusioniert. „Sie haben sehr präzise Vorstellungen, wo sie wohnen wollen, vielleicht schon ein Grundstück besichtigt“, erklärt der Fluglärmschutzbeauftragte. „Wenn sie dann hören, was auf sie zukommt, dann winken sie lieber ab.“ Aber, es gibt eben auch die anderen, und zwar nicht zu knapp, die trotz der wenig ruhigen Zukunftsaussichten nach Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) ziehen – mitten in die Einflugschneise.

Das Bauland in der am heftigsten vom drohenden Lärm des benachbarten Flughafens BER betroffenen Gemeinde ist für die Lage im Speckgürtel extrem günstig. Grundstückspreise von teils nur 50 Euro pro Quadratmeter lassen die Eigenheimträume auch für Familien mit geringerem Einkommen wahr werden. Deswegen wächst die Gemeinde entgegen vieler Unkenrufe. Zuzug statt Lärmflucht, lautet die Devise.

Tausende Neubürger ließen sich in den vergangenen Jahren in der Gemeinde nieder. Vor zehn Jahren, als der Flughafen genehmigt wurde, lebten dort 20000 Menschen, heute sind es knapp 26000. Im Jahr 2020 sollen es 30000 sein. „Da schlagen schon zwei Herzen in unserer Brust“, sagt Alexander Fröhlich, der für den Flughafen zuständige Referent von Bürgermeister Ortwin Baier (SPD). „Wir wissen, was an Lärm auf die Menschen zukommt. Aber wir sind auch nicht bereit, uns aufzugeben. Wir wollen Neubürger.“

Wenn er von potenziellen Zuzüglern um Rat gefragt werde, rede er Klartext, so Fröhlich. „Ich sage ihnen ganz deutlich, mit was sie zu rechnen haben. Machen wir uns nichts vor: Lärm in diesem Ausmaß ist gesundheitsgefährdend.“ Im Minutentakt, so die Prognosen, werden die startenden Jets des BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) in 200 bis 300 Metern Höhe über die Dächer von Blankenfelde-Mahlow donnern.

Ist es verantwortbar, dass man noch zusätzlich Menschen direkt unter die Einflugschneise ziehen lässt? Im Verkehrsministerium verweist Sprecher Lothar Wiegand auf den Landesentwicklungsplan zum Flughafenumfeld, der wegen der Lärmbelastung seit Jahren eine weitreichende Siedlungsbeschränkung in Blankenfelde-Mahlow vorsieht. Neues Bauland darf dort nicht ausgewiesen werden, erklärt er. Allerdings gibt es einen Stichtag: Grund und Boden, die bis zum 15. Mai 2000 als Bauland ausgewiesen waren, dürfen weiter bebaut werden. „Das war der Tag, an dem die Planfeststellungsunterlagen ausgelegt wurden“, erklärt Wiegand. „Ab da konnte jeder wissen, was auf ihn zukommt. Wer dort heute bauen will, hat einen rechtlichen Anspruch darauf.“

In Immobilienanzeigen wird der lautstarke Nachbar Flughafen oft gar nicht erwähnt, teils wird dreist gelogen. Ein Grundstück, das direkt unter der südlich abknickenden Flugroute liegt, wird als „fluglärmfrei“ beworben. An anderer Stelle wird der Turbinenkrach heruntergespielt: „Eventuelle Beeinträchtigungen durch die künftigen Flugrouten können je nach Wind- und Wetterlage nicht ganz ausgeschlossen werden“, heißt es etwa in einer Anzeige für ein 855-Quadratmeter-Grundstück für 56000 Euro, das fünf Kilometer vom Flughafenzaun entfernt liegt.

Die Preise ziehen gleichwohl an. Im Schnitt kostete ein Quadratmeter Bauland in Blankenfelde-Mahlow Ende vergangenen Jahres 67 Euro, 2012 waren es noch 60 Euro. In Ludwigsfelde, wo es ebenfalls Siedlungsbeschränkungen gibt, kletterten die Preise von 74 auf 86 Euro. „Wir kennen das Phänomen von anderen Flughäfen“, sagt Ministeriumssprecher Wiegand. „Die Befürchtungen einer Grundstücksentwertung bestätigen sich nicht, das Gegenteil ist der Fall.“ Zum Teil, hat Flughafenreferent Alexander Fröhlich beobachtet, werden bestehende Grundstücke inzwischen sogar geteilt, um in zweiter Reihe bauen zu können.

„Lärm ist immer etwas Subjektives“, sagt Ministeriumssprecher Lothar Wiegand. „Einer geht schon die Wände hoch, wenn ein Vögelchen pfeift, der andere kann neben einem Rasenmäher schlafen.“ Ob Letzteres gesund ist, ist eine andere Frage.

Von Torsten Gellner

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Luftbilder vom Flughafen BER

Der Berliner Flughafen BER in Schönefeld aus der Luft. Seit 2006 wir der neue Hauptstadtflughafen gebaut. Mitte Juni 2012 sollte dort der Flugbetrieb aufgenommen werden, doch technische und organisatorische Probleme verzögerten die Eröffnung auf (bisher) unbestimmte Zeit hinaus.