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Besuch im BER-Tower

Im Kontrollturm des Flughafens überwachen Lotsen den Luftraum um Schönefeld Besuch im BER-Tower

Ohne Tower geht an einem Flughafen nichts. Er ist ist so etwas wie die Regiezentrale für sichere Starts und Landungen. Die MAZ hat sich im neuen Kontrollturm am Flughafen Schönefeld umgesehen. Im Tower werden nicht nur Passagiermaschinen überwacht.

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Der neue Tower am Flughafen BER.

Quelle: Schmidt

Schönefeld. Wie ein riesiger Zeigefinger ragt der neue Tower der Deutschen Flugsicherung (DFS) in den Himmel über Schönefeld. Mit 72 Metern ist er der zweithöchste Kontrollturm auf einem Airport in Deutschland und damit „genau einen Meter höher als der Frankfurter“, erklärt Stefan Jaekel von der Deutschen Flugsicherung. Doch die Höhe eines Towers werde nicht durch das Image eines Flughafens bestimmt, so der Pressesprecher, sondern ergebe sich aus den örtlichen Gegebenheiten: den Aufsetzpunkten auf den Start- und Landebahnen. Diese müssten von Fluglotsen jederzeit gut einsehbar sein, denn sie koordinieren den rollenden, startenden und landenden Flugverkehr.

Test am Simulator

Für die Mitarbeiter in dem Schönefelder Tower heißt das, dass sie künftig alle Flugzeuge von und zum BER sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Start- und Landebahn im Auge behalten und Piloten klare Anweisungen erteilen können. „Das wurde bei der Planung an einem Simulator getestet“, sagt Jaekel.

Die Flugsicherung

Der Tower der Deutschen Flugsicherung in Schönefeld ging am 25. Mai 2012 in Betrieb, wenige Tage vor der geplanten Einweihung des Flughafens BER am 3. Juni 2012.

Der Kontrollturm entstand in dreijähriger Bauzeit, investiert wurden 37Millionen Euro. 14 Millionen Euro kostete die Ausrüstung.

Die Fluglotsen der DFS sind für die Kontrolle und die Sicherheit des Luftverkehrs über Deutschland zuständig. Das geschieht vom sogenannten Tower oder Center aus.

4000 Männer und Frauen bewerben sich jedes Jahr für die dreijährige Ausbildung zum Fluglotsen. Etwa 95Prozent der Kandidaten scheitern bei der einwöchigen Eignungsprüfung.

Die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) ist Teil der Luftverkehrsverwaltung des Bundes. Sie befindet sich im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, die durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) vertreten wird. Die DFS ging 1993 aus der Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS) hervor.

Herzstück des neuen beeindruckenden Kontrollturms ist die 16-eckige Kanzel in 68,5 Metern Höhe. Seit der Inbetriebnahme im Mai 2012 steuern hier die Fluglotsen über 24 Stunden das gesamte Fluggeschehen auf dem und um den bisherigen Flughafen Schönefeld SXF. Denn nicht nur die Maschinen der Airlines und die Privatjets müssen von ihnen koordiniert werden, sondern auch Rettungsflieger, die sich an keinen Flugplan halten können.

Nicht alle Arbeitsplätze belegt

Etwa 170 Flugbewegungen werden zurzeit am Tag in Schönefeld gezählt, in Tegel sind es bis zu 600. Heute ist der BER für rund 360.000 Flugbewegungen im Jahr ausgelegt. Deshalb sind von den Arbeitsplätzen in der Towerkanzel derzeit pro Schicht nur vier belegt.

„Wir könnten heute schon den gesamten Flugbetrieb über der Hauptstadtregion vom Schönefelder Tower aus lotsen.“
Stefan Jaekel, DSF-Sprecher

Quelle: MAZ

Auch Geschehen am Boden wird überwacht

Die Arbeitsatmosphäre für die Mitarbeiter ist ziemlich entspannt. Abstriche an der Aufmerksamkeit werden jedoch nicht zugelassen. „Gefragt sind eine hohe Multitasking- und Teamfähigkeit. Ein Mitarbeiter lotst in der Regel bis zu sechs Flugzeuge gleichzeitig“, erklärt Stefan Jaekel die Anforderungen der Deutschen Flugsicherung an die Berufsgruppe. Die Towerlotsen würden nicht nur bei den vielen Starts und Landungen Regie führen, sondern auch das gesamte Geschehen am Boden der Flugfelder dirigieren, betont der Pressesprecher. Die Arbeit erfordere daher höchste Konzentration, präzise Absprachen und gute körperliche Fitness. Das Durchschnittsalter der Kollegen im Schönefelder Tower – ein Drittel davon sind Frauen – liegt bei rund 40 Jahren.

In drei Sekunden von 0 auf 100

Vor allem an Sonntagabenden, wenn bis zu 15 Flugzeuge zeitgleich im Landeanflug auf den Airport SXF sind und die Piloten genaue Angaben zu Abständen, Routen, Flughöhen, Geschwindigkeit, Windrichtung, vorgesehenen Landepisten und weitere Informationen erwarten, ist die Belastung für die Flugsicherer sehr groß. „Wir sind in drei Sekunden von Null auf Hundert“, so beschreibt Martin Peters die stetige Aufmerksamkeit und die hohe Konzentration, die von ihm und seinen Kollegen erwartet werden. Deshalb schreibt der Dienstplan nach drei Stunden Arbeit eine Pause von mindestens einer halben Stunde vor. Das ist dann auch die Zeit zum Entspannen im dem mit Liegen ausgestatteten Ruhebereich oder in dem Fitnessraum.

Beim Landeanflug hat der Pilot dieses Hubschraubers einen guten Überblick auf den neuen Hauptstadtflughafen samt Kontrollturm.

Quelle: dpa

Sicht von Tropical Island bis zum Alexanderplatz

Martin Peters, der seit Februar vergangenen Jahres in dem Schönefelder Lotsenteam arbeitet, genießt neben der verantwortungsvollen Tätigkeit aber auch den Ausblick über Berlin und das südliche Umland – von der Tropical Islandshalle in Brand (Dahme-Spreewald) bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz. „Bei guter Sicht können wir sogar den Flugbetrieb in Tegel beobachten“, sagt der 30-Jährige. Im Duo mit Andreas Peltzl hat er stets sieben Monitore, Radare und drei Telefone im Blick, und ist zudem jederzeit bereit für die Kommunikation mit der Pilotencrew – in englischer Sprache.

BER-Flugbetrieb könnte vom Tower aus schon geleitet werden

Seit über zwei Jahren sind die insgesamt 180 Mitarbeiter der Deutschen Flugsicherung in Berlin auf die Eröffnung des internationalen Flughafens BER bestens vorbereitet worden. „Wir könnten theoretisch schon heute den gesamten Flugbetrieb über der Hauptstadtregion vom Schönefelder Tower aus lotsen“, sagt DFS-Sprecher Stefan Jaekel. Praktisch aber würden etwa insbesondere die Tegeler Lotsen – die nach Schließung ihres Flughafens TXL in den Schönefelder Tower wechseln werden – erneut eine entsprechende Schulung benötigen. Entsprechend sehen Jaekel und Kollegen einem neuen Eröffnungstermin des internationalen Großflughafens mit Spannung entgegen.

Von Uta Schmidt

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Luftbilder vom Flughafen BER

Der Berliner Flughafen BER in Schönefeld aus der Luft. Seit 2006 wir der neue Hauptstadtflughafen gebaut. Mitte Juni 2012 sollte dort der Flugbetrieb aufgenommen werden, doch technische und organisatorische Probleme verzögerten die Eröffnung auf (bisher) unbestimmte Zeit hinaus.