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BER Flughafen Mehdorn feuert Jochen Großmann
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19:15 04.06.2014
Jochen Großmann ist als Technikchef des BER gefeuert. Quelle: dpa
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Berlin

Eine Woche nach Bekanntwerden der Korruptionsaffäre am neuen Flughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) hat Geschäftsführer Hartmut Mehdorn den unter Verdacht stehenden Technikchef Jochen Großmann entlassen. Zuvor war der Ingenieur, der die Brandschutzanlage umplanen soll, beurlaubt worden. „Ich habe diesem Mann getraut”, sagte Mehdorn am Mittwoch bei einer Befragung durch Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses. Doch sein Vertrauen sei enttäuscht worden. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und wer es einmal tut, der tut es wieder“, erklärte der Flughafenchef. Großmann steht im Verdacht, für die Vergabe eines Auftrags ein Bestechungsgeld eingefordert zu haben.

Er ist seit Längerem als externer Berater für den Flughafen tätig gewesen, im April wurde er fest angestellt. In seiner Zeit als Berater soll er von dem niederländischen Unternehmen Arcadis eine Zuwendung verlangt haben, damit er diesem zu einem Auftrag auf der Baustelle verhilft. Der Flughafen hatte zunächst eine Summe von 500000 Euro genannt, im Ausschuss sprach Mehdorn nun von 350000 Euro. Geflossen sei das Geld jedoch nicht.

In der Vernehmung durch die Neuruppiner Schwerpunktstaatsanwaltschaft habe Großmann „halbwegs“ seine Schuld eingestanden, so Mehdorn. Dem widersprach Großmanns Firma Gicon aus Dresden am Abend. Mehdorn irre, es habe keine Vernehmung gegeben, teilte Gicon mit. Das Büro kündigte erneut an, alle Vorwürfe zu entkräften. Zudem wolle man mit allen Mitteln gegen Vorverurteilungen vorgehen.  

Am Rande der Sitzung sagte Mehdorn, er habe bereits erste Nachfolge-Kandidaten im Blick. Der Posten solle so schnell wie möglich  besetzt werden. Bewerber können jedoch nicht darauf hoffen, wie der frühere Technikchef Horst Amann auch in die Geschäftsführung einzuziehen. „Wir haben zwei Geschäftsführer und das reicht”, so  Mehdorn, der das Unternehmen zusammen mit Finanzgeschäftsführerin Heike Fölster führt. Der Bundesrechnungshof hatte kürzlich kritisiert, dass in der Geschäftsführung baulich-technischer Sachverstand fehle.

Unterdessen ist es mit der Kreditwürdigkeit der Flughafengesellschaft derzeit offenbar nicht weit her. Eine „rein kreditwirtschaftliche Analyse“ lasse den Schluss zu, „dass die verbürgten Kredite ohne Absicherung durch die öffentliche Hand als Problemkredite gemäß den Mindestanforderungen an das Risikomanagement einzustufen wären“, schreibt Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) in einer Vorlage für den Haushaltsausschuss, der am Donnerstag tagt.

Görke bezieht sich dabei auf die Bürgschaft des Landes für BER-Kredite in Höhe von 888 Millionen Euro. Die Bürgschaft sei nicht ausfallgefährdet, betont Görke. Da es nämlich der erklärte politische Wille der drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund sei, an dem Infrastrukturprojekt BER in Schönfeld (Dahme-Spreewald) festzuhalten, „ist es unwahrscheinlich, dass die Flughafengesellschaft der planmäßigen Tilgung der verbürgten Kredite nicht nachkommen wird“, so Görke. Das ist wohl so zu verstehen: Zur Not würden Brandenburg und die anderen Gesellschafter und damit der Steuerzahler  mit noch mehr Zuschüssen dafür sorgen, dass die Flughafengesellschaft ihre Kredite tilgen kann.

Von Torsten Gellner

» Flughafen-Spezial unter maz-online.de/ber

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