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Andreas Hoesl ist Fischwirt mit Leib und Seele

Zippelsförde (Ostprignitz-Ruppin) Andreas Hoesl ist Fischwirt mit Leib und Seele

Die Fischzucht Zippelsförde gab es schon zu DDR-Zeiten als Forellenmastanlage. Andreas Hoesl war damals schon da. Er jobbte mit 14 Jahren dort, lernte mit 16 Fischwirt. Auch heute noch arbeitet der 54-Jährige im mittlerweile erweiterten Betrieb, in dem es neben den Zuchtbecken einen florierenden Fischimbiss und Teiche für Hobby-Angler gibt.

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Andreas Hoesl ist seit 40 Jahren Fischwirt mit Leib und Seele.

Quelle: Regine Buddeke

Zippelsförde. Den ganzen Tag im Büro sitzen? Oder an immer derselben Maschine stehen? Für Andreas Hoesl unvorstellbar. Viel lieber schlüpft er in Kluft und Gummistiefel und lässt sich den Wind um die Nase wehen. Den von Zippelsförde – denn dort ist Hoesl seit 40 Jahren der Mann für die Fische.

Angefangen hat es mit Forellen – damals in den Siebzigern war die Fischzucht Zippelsförde noch eine reine Forellenmastanlage. Die Form war eine sogenannte zwischenbetriebliche Einrichtung – „irgendwas zwischen VEB und Genossenschaft“, erinnert sich der 54-Jährige, der mit 14 dort zu jobben anfing und mit 16 eine Lehre zum Fischwirt begann. „Mein Vater hat mich als Kind immer zum Angeln mitgenommen“, erklärt Hoesl seine berufliche Prägung, die ihn immerhin bis zum Geschäftsführer des Unternehmens gebracht hat. Bis dahin ist in Zippelsförde viel Wasser durch den Rhin geflossen; hat Hoesl viele Entwicklungen miterlebt. „1990 hat Lutz Gäntikow den Laden gekauft – nach der Wende mussten wir die Absatzmärkte selbst und neu erkunden“, erklärt Hoesl.

Guter Fang

Guter Fang: Lenny Freckmann hat einen kapitalen Stör geangelt.

Quelle: Regine Buddeke

Zu den Forellen kamen Saiblinge, Lachsforellen, Karpfen und die ersten Störe. Alle haben in Zippelsförde beste Bedingungen – der Rhin liefert gutes Wasser, das quasi durch die Becken durchgepumpt wird: Forellen und Störe gedeihen in Fließgewässer nun mal am besten, setzen mehr Fleisch als Fett an. Das schmeckt den Leuten – der Fischimbiss, den es seit Anfang der 1990er Jahre gibt, erfreut sich großer Beliebtheit. Manche decken sich für Partys und Feiern ein: Von Fischbrötchen bis hin zum Räucherfisch oder einem Stör im Ganzen – denn natürlich gibt es auch einen Räucherofen auf dem Areal. Rad- oder Wasserwanderer halten nur zu gern an, um sich für den weiteren Weg zu stärken. Dazu beliefert Zippelsförde Gaststätten in ganz Brandenburg. „Manchmal gehen wir auch auf Märkte“, so der Geschäftsführer, der noch eine Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte beschäftigt. Und selbst den ganzen Tag vor Ort ist: „Wir haben täglich von 7 bis 16 Uhr geöffnet.“ Auch danach ist die Arbeit nicht vorbei. Die Fische müssen versorgt, aber auch oft küchenfertig verarbeitet werden. „60-Stunden-Woche? Das reicht nicht“, so Hoesl. Aber die Arbeit ist abwechslungsreich und macht ihm Spaß. Nur das zählt.

Andreas Hoesl versorgt auch den Fisch-Imbiss

Andreas Hoesl versorgt auch den Fisch-Imbiss.

Quelle: Regine Buddeke

Neben den 60 Zuchtbecken gibt es noch 13 Teiche. In denen kann, wer will, angeln. Es gibt einen für Forellen, einen für Störe, einen für Saiblinge und Mix-Fisch-Teiche. „Die Leute kommen gezielt, bringen ihre Angel mit, um Fische zu angeln, die sie sonst nicht an den Haken kriegen“, erklärt Hoesl. Eine Fischereikarte braucht es nicht, der Angelschein für den Tag wird vor Ort gelöst. „Zwei Euro für jeden, der angeln will – der Fisch wird am Ende bezahlt“, erklärt Hoesl. Denn was letztlich am Haken baumelt, sind wohlgenährte Exemplare. Lenny Freckmann etwa hat gerade einen 2,2-Kilo-Stör aus dem Teich geholt. „Und vorher 12 Forellen“, strahlt der jungen Netzebander, der mit Oma und Opa gern nach Zippelförde zum Angeln fährt. Und auch Oliver und sein Vater Nico Raatz aus Gransee sind gerade eifrig dabei, Forellen aus dem Wasser zu holen. „Mein Opa hat einen Räucherofen“, erklärt der Nachwuchsangler, der auch selber gern Fisch isst. Beste Bedingungen also.

Nico Raatz aus Gransee kommt gern zum Angeln nach Zippelsförde

Nico Raatz aus Gransee kommt gern zum Angeln nach Zippelsförde.

Quelle: Regine Buddeke

2011 verkaufte Gäntikow , der inzwischen gestorben ist. Andreas Hoesl blieb. Hoesls neuer Chef hat eine Affinität zum Stör, der wird in Zippelsförde besser vermarktet und für die Kaviargewinnung gezüchtet. Das Störfleisch ist groß im Kommen. Viele haben erkannt, dass Stör ein exzellenter Grillfisch ist. „Wir sind hier nicht wirklich Fischzüchter“, erklärt Hoesl. „Ich kaufe handlange Fische und füttere die groß.“ Wie groß, sieht, wer sich an eines der Zuchtbecken stellt. „Meine Maskottchen“, sagt Hoesl gerührt. Da gleiten mehr als zwei Meter lange Exemplare durchs Wasser. Dazu Riesenkarpfen. „Die Störe können zehn Meter lang und 100 Jahre alt werden, wenn man sie lässt“, weiß der Fischwirt. Dazu sind die 8-Meter-Becken aber nicht lang genug.

Aal wird nicht gezüchtet – aber zugekauft

Aal wird nicht gezüchtet – aber zugekauft.

Quelle: Regine Buddeke

Andreas Hoesls Lieblingsfisch? Er überlegt kurz: „Ich bin faul – also Stör. Weil er keine Gräten hat. Und Barsch – weil er so gut schmeckt.“ Ob geräuchert oder gebraten, ist ihm egal, sagt er und dann geht er ans Becken und keschert ein paar große Forellen heraus. Der Vorrat am Verkaufstresen muss nachgefüllt werden.

Am 7. Oktober findet in der Fischzucht Zippelsförde das nunmehr 4. Fischerfest statt: mit Schaukochen, Teichfischen, Schauräuchern, Musik und Kulinarischem. Dazu gibt’s Stände mit altem Handwerk: ein Schmied, Lederarbeiten, Gebrauchsgegenstände aus Edelstahl, individuelle Feuerschalen. Geöffnet ist von 9 bis 17 Uhr.

Von Regine Buddeke

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