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Fisch des Jahres Im Angelkahn unterwegs
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12:16 09.11.2017
Andreas Sidow kontrolliert einmal wöchentlich seine Kumreusen im Stechlinsee. Quelle: Cornelia Felsch
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Neuglobsow

Der alte Angelkahn der Fischerei Böttcher ist nicht mehr der Jüngste – kein Wunder, denn die Böttchers sind eine alte Fischerfamilie in 7. Generation. Nach dem Krieg hat es Kurt Böttcher 1948 an den Stechlinsee verschlagen. Heute betreibt sein Enkel Rainer Böttcher den Betrieb und auch sein Sohn ist seit vier Jahren dabei.

Der Kahn der am diesem Morgen über den See tuckert, ist allerdings in anderer Mission unterwegs. Gesteuert wird er von Andreas Sidow von der Unteren Fischereibehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin. Mit an Bord sind zwei Gäste vom Förderverein Feldberg-Uckermärkische-Seenlandschaft, die gemeinsam an einem Erprobungs- und Entwicklungsprojekt arbeiten. Projektleiter Andreas Hussner und seine Mitarbeiterin Kerstin Vasters untersuchen die Ursachen für den dramatischen Rückgang der Armleuchteralgen, die in den meisten natürlichen Gewässern in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu Hause sind. Da sie auf dem Grund von klaren Seen wachsen, bekommt der Normalbürger sie selten zu sehen, es sei denn, er ist als Sporttaucher unterwegs. Ein solcher Pflanzenteppich dient vielen Fischen und anderen Wasserbewohnern als Lebens- und Schutzraum. Die Armleuchteralgen beherbergen zahlreiche Kleinlebewesen, die Fischen und Wasservögeln als Nahrungsquelle dienen. Da sie Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen und speichern, sorgen sie für den Erhalt des Klarwasserzustandes. So verbessern sie unbemerkt in der Tiefe die Wasserqualität. In den letzten Jahren verzeichnen die Wissenschaftler allerdings einen starken Rückgang dieser niedrigwüchsigen Algen, bis hin zum völligen Verlust in einigen Seen. Das ist in vielen Fällen mit einer Trübung der Gewässer verbunden. Gewässerökologe Andreas Hussner will nun herausfinden, wo die Gründe für den Rückgang liegen, um Maßnahmen zum Erhalt und zur Verbreitung der Algen treffen zu können.

Projektleiter Andreas Hussner und seine Mitarbeiterin Kerstin Vasters holen die Reuse ein. Quelle: Cornelia Felsch

Der Kahn steuert eine Reuse in der Nähe der Halbinsel an. Bei näherer Betrachtung stellt Andreas Sidow fest, dass die Netze ungewöhnlich stark verschmutzt und von einem grünen Schleier überzogen sind. Der Fischer bestätigt ihm diese Feststellung später. Die Kumreusen, die Sidow selbst nach dem Vorbild der Kammerreusen gebaut hat, die in Küsten- und Boddengewässern eingesetzt werden, sollen eine effektive Ermittlung der Fischbestände ermöglichen. Vor allem in Gewässern ohne fischereiliche Nutzung oder in Anglergewässern gibt es kaum zuverlässige Daten zur Menge der dort lebenden Arten. Fischer kennen ihre Gewässer in der Regel besser, dennoch haben sie ein ökonomisches Problem, denn Fischarten wie Bleie und Güstern sind nicht absetzbar, sie müssen kostenpflichtig entsorgt werden.

Zu hoher Weißfischbestand kann die Gewässerflora schädigen

Mit den Kumreusen könnte der Fangaufwand für Weißfische im Vergleich zu anderen Methoden reduziert werden. Die Berufsfischer verwenden für die Weißfischerei Zugreusen oder Großreusen, in den Angelgewässern fehlen diese Möglichkeiten. Doch der Landesanglerverband ist seitens der Naturschutzbehörde verpflichtet, den vorhandenen Weißfischbestand in seinen Gewässern maßgeblich zu reduzieren. Vor drei Jahren wurde die erste Kammreuse im Königsberger See bei Wittstock getestet. Innerhalb von drei Wochen bestätigte sich die Vermutung, dass dort viele Zander und Karauschen vorkommen und es konnten 460 Kilogramm Weißfische entnommen werden. Nun hofft Andreas Sidow, dass auch seine zwei Reusen im Stechlin interessante Aufschlüsse zum Artenvorkommen geben. Doch an diesem Morgen wird er enttäuscht, die Ausbeute ist gering. „Wir hatten bisher immer 60 bis 80 Kilogramm Fisch in den Reusen, die Fangmenge ist drastisch zurück gegangen“, stellt er fest. Liegt es an der Netzkonstruktion oder am Standort? Einige Versuche werden noch notwendig sein, um die Effektivität der Kumreusen zu verbessern und wissenschaftlich belegbare Daten zu erhalten.

Mit Kumreusen könnte der Fangaufwand für Weißfisch reduziert werden

„In der fachlichen Auseinandersetzung zwischen Naturschützern und Anglern sollte mit belegbaren Tatsachen argumentiert werden und nicht wie in der Vergangenheit meist üblich, mit Behauptungen und Vermutungen“, sagt Andreas Sidow, der sich darüber ärgert, dass Naturschutzvertreter die Karpfen pauschal für die Schädigung des ökologischen Gewässerzustandes verantwortlich machen. Die Reusen könnten helfen, diese Meinung zu wiederlegen. „Die meisten unserer Gewässer haben ein Problem mit zu hohen Weißfischbeständen, insbesondere an Bleien. Durch ihre Wühltätigkeit setzen sie Nährstoffe frei und die schädigen Wasserpflanzen, wie Armleuchteralgen.“ Um ein Gewässer vernünftig zu bewirtschaften, sollte man wissen, welche Arten in welchen Mengen vorkommen. „Deshalb sind auch ordnungsgemäß ausgefüllte Fangbelege so wichtig“, sagt Sidow. Ungünstige Verhältnisse im Fischbestand müssen durch Hegemaßnahmen reguliert werden. Der Einsatz von Kammerreusen auf den Verbandsgewässern könnte hilfreich sein, auch um schwarze Schafe in den Gewässern ausfindig zu machen, denn die in Gartenfachmärkten und Aquarienhandel angebotenen Teichfische werden oftmals in offenen Gewässern entdeckt. „Im Potsdamer Raum hat jemand sogar einen Piranha gefangen“, erzählt Rainer Böttcher. In den USA haben sich asiatische Silberkarpfen so stark ausgebreitet, dass sie die heimische Fischfauna bedrohen. Im mitteleuropäischen Klima vermehren sie sich allerdings nicht.

Von Cornelia Felsch

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