Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Überlebt der Aal?

Fische in Brandenburg Überlebt der Aal?

Der Aal ist vom Aussterben bedroht. Darum lässt der Landesanglerverband Brandenburg jedes Jahr Millionen Aale im Land aussetzen. Gefangen werden sie zuvor im Atlantik. Der Besatz mit Jungaalen lässt Naturfreunde, Angler und Fischer hoffen.

Voriger Artikel
Andreas Hoesl ist Fischwirt mit Leib und Seele


Quelle: dpa

Potsdam. Zwei große Tauwürmer fädelt Axel auf den „goldenen“ Haken, in weitem Bogen wirft er den Köder aus. Das Grundblei zieht ihn in die Tiefe des Havelsees. Axel hat seine Angel beiseite gelegt und wartet. Er hofft auf einen großen Fisch, vielleicht einen Aal. Allzu oft hat er vergeblich auf eine „Wasserschlange“ gewartet. Der Aal ist selten geworden zwischen Havel, Spree und Schwarzer Elster.

Damit das nicht so bleibt, engagiert sich seit 2005 der Landesanglerverband Brandenburg. Jedes Jahr werden Millionen von Jungaalen ausgesetzt, gefangen wurden sie vor der französischen Atlantikküste. In unseren Flüssen und Seen wachsen sie jetzt zu stattlichen Exemplaren heran, wie einzelne Fangmeldungen zeigen. Es ist nicht nur Anglerlatein, obwohl schon Schriftsteller Ernest Hemingway behauptetet: „Das interessanteste Geschöpf der Zoologie ist der Fisch. Er wächst noch, wenn er bereits verspeist ist. Wenigstens in den Augen der Angler.“

Mit dem Besatz soll sich der Bestand an Aalen verbessern und eine natürliche Fortpflanzung gesichert werden. Trotzdem ist der Fisch vom Aussterben bedroht. Viele Angler und Naturinteressierte fragen sich, warum der Aal so selten geworden ist. Uwe Brämick, Leiter des Instituts für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow, sieht verschiedene Ursachen.

Der Aal pflanzt sich in der Sargassosee im Atlantik fort. Von dort treiben die geschlüpften Larven mit dem Golfstrom bis zur Küste von Afrika und Europa. Und ziehen dann auch in die deutschen Gewässer. Ein Großteil der jungen Fische, auch Glasaale genannt, versucht in große europäische Flüsse, wie die Loire, aufzusteigen. Diese sind oft durch Staubauwerke versperrt, Fischtreppen ermöglichen zwar eine eingeschränkte Wanderung, doch auf dem Rückweg der Tiere zur Fortpflanzung ins Meer werden sie oft in den Turbinen von Kraftwerken getötet oder verletzt.

Aber schon die Glasaal-Fischerei an den Atlantikküsten von Portugal, Spanien, Frankreich und Großbritannien führt dazu, dass auf natürlichem Wege immer weniger Aale nach Deutschland kommen. Denn nur ein Teil der gefangenen Glasaale wird wieder in geeigneten Gewässern ausgesetzt. Die übrigen Jungfische werden in großen Farmen zu Speiseaalen aufgezogen oder landen direkt als Delikatesse in der Küche von Feinschmeckern.

Eine EU-Verordnung regelt inzwischen mit festgesetzten Quoten den Fang und die Verwendung von Glasaalen. Davon nicht erfasst sind die illegale Fischerei und der Schmuggel von europäischen Glasaalen nach Asien.

Auch der Klimawandel macht den Aalen zu schaffen, leicht erhöhte Wassertemperaturen und weniger Nahrung in der Sargassosee, der „Kinderstube“, können zu einer erhöhten Sterblichkeit führen. Brämick weist außerdem daraufhin, dass auch der Schwimmblasenwurm die wandernden Aale oft so schwächt, dass sie die Laichgebiete nicht erreichen können. Dieser aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Wurm lebt als Larve in Hüpferlingen und wird von den Aalen mitgefressen.

Als problematisch stuft Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes, die fischfressenden Vögel und Säugetiere ein: „Längst haben die Kormoranbestände in Brandenburg und darüber hinaus Größenordnungen erreicht, die weit über das Maß der guten Erhaltung der Art hinausgehen. Eingriffe in die Kolonien sind nur schwer, in Naturschutzgebieten überhaupt nicht möglich.“ Lars Dettmann, Geschäftsführer vom Landesfischereiverband Brandenburg/Berlin, fügt hinzu: „Während Waschbären in den letzten Jahren die Brutvorkommen des Kormorans in Brandenburg erheblich auf 1300 Brutpaare reduziert haben, wuchs der Brutbestand des schwarzen Fischliebhabers in Mecklenburg-Vorpommern auf das Rekordniveau von mehr als 15 500 Paaren. Sobald die Jungvögel flügge sind, begeben sich die Kormorane auf Wanderschaft Richtung ihrer Winterquartiere im Mittelmeerraum. Auf dem Zug dorthin machen sie auch ausgiebig an Brandenburgs Gewässern halt.

Müssen wir nun in der Zukunft ohne den Aal auskommen? Modellrechnungen des Instituts für Binnenfischerei zeigen eine leichte Entwarnung, die Bestände erholen sich Jahr für Jahr.

MAZ-Aktion „Fisch des Jahres 2017“

Wettbewerb: Sie haben in diesem Jahr einen besonderen Fang gemacht? Dann machen Sie mit bei der Aktion „Fisch des Jahres 2017“ der MAZ, des Landesangerverbandes Brandenburg und des Fachgeschäftes Angeljoe. Wir suchen Ihre längsten gefangenen Fische aller nicht total geschonten Arten. Gewertet werden Fänge bis zum 31. Dezember 2017.

S onderkategorie: In der Sonderkategorie „Fische aus deutscher Ostsee und Bodden“ muss der Fisch von Brandenburger Anglern gefangen worden sein.

Gewinner: Die Gewinner können sich auf attraktive Preise und ein Fest im Frühjahr 2018 freuen. Außerdem verlosen wir unter allen Teilnehmern Angelausrüstungen.

Schöne Angelfotos: Sie haben keinen großen Fang gemacht, aber dennoch schöne Angelfotos? Auch über solche Fotos freuen wir uns.

Fotos einsenden: Ihre Fotos senden Sie per E-Mail an fischdesjahres@maz-online.de oder per Post an Märkische Allgemeine, „Fisch des Jahres“, Friedrich-Engels-Str. 24, 14473 Potsdam. Oder Sie laden Ihre Fotos direkt im Internet über das komfortable Fototool hoch.

> Alle Infos zum Fototool und zu den Teilnahmebedingungen

> Artikel, Fotos und Infos auf der Themenseite „Fisch des Jahres“

Beliebt ist der Fisch sowohl bei Fischern als auch bei Anglern. Das Mindestmaß von 50 Zentimetern, Fangbegrenzungen und die Festsetzung einer Maschenweite von mindestens 15 Millimetern sind Bestandteil einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Zurück an die Havel: Dort greift Angler Axel zur Rute. Die Schnur ist gespannt, er schlägt an, etwas zappelt am anderen Ende. Im Wasser blitzt es silbern. Axel zieht einen Aal an Land.

Von Michael Hübner

Voriger Artikel
Mehr aus Fisch des Jahres
Fisch des Jahres 2017

Bei der Aktion "Fisch des Jahres 2017" werden die größten Fänge des Jahres 2017 gesucht - und prämiert. Zeigen Sie außerdem Ihre schönsten Fotos rund ums Fischen und Angeln. Hier werden alle Einsendungen laufend veröffentlicht. Sehen Sie selbst und machen Sie mit!

Das Fisch ABC

Von "A" wie Anglerlatein bis "Z" wie Zander: Sehen Sie in unserer Bildergalerie alle wichtigen Fakten rund um das Thema Fisch. Wir verraten Ihnen, was es mit Y-Gräten auf sich hat, in welchen Märchen Fische eine Rolle spielen und warum Fische in Sachen Körpergeruch ein Imageproblem haben.

Sechs angesagte Angelseen in Brandenburg

Sie wollen einen tollen Fang machen, aber wissen nicht wo die dicksten Fische schwimmen? Kein Wunder, denn im Land Brandenburg gibt es einige Gewässer. Klicken Sie sich durch die sechs schönsten märkischen Seen in unserer Bildergalerie.

Mein lieber Hecht!

Egal wie gewaltig es an der Angel ruckelt, diese Männer und Frauen blieben cool: Sehen Sie in unserer Bildergalerie, welche famosen Fänge Angler in den vergangenen Jahren aus dem Gewässer gezogen haben. Wir zeigen Ihnen Brandenburgs Angelkönige und -königinnen und die dicksten und kuriosesten Fische.