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Garnisonkirche in Potsdam Falscher Putin verteilt Rubel in Potsdam
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21:40 11.11.2015
Protest der Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“. Quelle: Ildiko Röd
Innenstadt

Dass Putin am Mittwochabend in Potsdam war, bekam nur eine Handvoll Menschen mit. Etwa 30 Leute hatten sich vor der Kapelle am ehemaligen Standort der Garnisonkirche an der Breiten Straße versammelt, um den Handschlag zwischen Russlands starkem Mann und Alt-Bischof Wolfgang Huber mitzuerleben. Autogrammjäger wären dabei allerdings nicht auf ihre Kosten gekommen, denn das „Gipfeltreffen“ zwischen Religion und Politik war natürlich nur gefaked.

Hinter den Konterfei-Masken aus Pappe verbargen sich zwei junge Männer von der BI „Potsdam ohne Garnisonkirche“. Beim herzlichen Händeschütteln zwischen den beiden Protagonisten rollte dann auch noch mächtig der Rubel. Ganze Geldbündel stopfte „Herr Putin“ dem lieben „Herrn Alt-Bischof“ – seines Zeichens Kuratoriumsvorsitzender der Garnisonkirchenstiftung – extrem großzügig in die Jackentasche.

Hintergrund der satirischen Protestaktion ist folgender: Am 17. November findet in der russischen Botschaft in Berlin Unter den Linden ein Benefizkonzert zugunsten der Garnisonkirche statt. Auf dem Podium steht unter anderem Star-Tenor Jochen Kowalski. Einladende sind Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) in seiner Eigenschaft als Kuratoriumsmitglied der Stiftung Garnisonkirche und Botschafter Wladimir Grinin. Diese Kooperation ist für die Garnisonkirchen-Kritiker ein Unding, wie BI-Sprecher Simon Wohlfahrt am Rande des Protestes zur MAZ sagte: „Wir finden es befremdlich, dass es der Stiftung anscheinend völlig gleichgültig ist, woher das Geld kommt.“ Die durch Putin ermöglichte „repressive und homophobe Gesetzgebung“ in Russland passe in keiner Weise zu einem Projekt, das sich Versöhnung auf die Fahnen geschrieben hat.

Einladung zum Benefizkonzert

Dialog mit der Pfarrerin

Cornelia Radeke-Engst, Pfarrerin an der Garnisonkirche, kam aus der Kapelle, um die BI-Mitglieder zum Dialog über das Wiederaufbauprojekt einzuladen: „Auch der Protest ist eine wichtige Begleitung unserer Arbeit.“ Zum konkreten Anlass des Satire-Protests- das Konzert in der russischen Botschaft – wollte sich Radeke-Engst aber nicht äußern: „Ich bin Pfarrerin und nicht die Veranstalterin“, erklärte die Theologin, die unter anderem jeden Mittwoch in der Kapelle ein Friedensgebet abhält.

Immerhin: Am Mittwochabend kamen die Pfarrerin und die Satire-Protestierer doch noch ins Gespräch, das allerdings wenig überraschend über den Austausch der mittlerweile sattsam bekannten, gegensätzlichen Positionen zum Wiederaufbau nicht hinausging.

Wie berichtet, kommt auch der von der Stadt in Auftrag gegebene Bürgerdialog rund um die Garnisonkirche nur sehr schleppend in Gang. Wie es weitergeht und ob die einzelnen Gruppen im Rahmen des Bürgerdialogs – Kostenpunkt: 150 000 Euro – überhaupt eine befriedigende Gesprächsbasis finden, erscheint momentan noch offen.

Satire-Protestler: „Herr Putin“ (r.) und „Herr Huber“. Quelle: Ildiko Röd

Von Ildiko Röd

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