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Gesundheit & Lebensfreude Alt Ruppiner ist seit 40 Jahren trocken
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00:18 22.02.2016
Regina und Alfred Neumann feiern 2017 goldene Hochzeit. Seitdem er nicht mehr trinkt, sind sie ein glückliches Paar. Quelle: Dagmar Simons
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Neuruppin

Alle hatten ihn schon abgeschrieben. Hopfen und Malz schien verloren bei Alfred Neumann aus Alt Ruppin. „Ich hätte mich tot gesoffen“, sagt der heute 74-Jährige. Der Schornsteinfeger war schwerer Alkoholiker. Er hat getrunken, so lange er denken kann. Mit zwölf Jahren war er das erste Mal völlig betrunken.

In seinem Bekanntenkreis schien niemand Anstoß daran zu nehmen. Ein richtiger Mann müsse eben auch etwas vertragen, hieß es – auch als Alfred Neumann mit 26 Jahren die damals 19-jährige Regina heiratete.

Beim Blauen Kreuz feiert die ganze Familie Alfred Neumanns Jubiläum Quelle: Dagmar Simons

Für die wurde die Ehe zur Berg-und-Talfahrt. Alfred Neumann war „der beste Ehemann, wenn er nüchtern war“ – und unberechenbar, wenn er getrunken hatte. Er zertrümmerte die Einrichtung, schlug im Suff auch seine Frau – und schämte sich am nächsten Tag in Grund und Boden, wenn sie ein blaues Auge hatte. Heute wundert sich Alfred Neumann fast darüber, dass seine Frau immer zu ihm gehalten hat – „und das, obwohl ich sie fast totgeschlagen hätte“.

Er höre auf zu trinken, so bald das erste Kind komme, schwor Neumann – und schaffte es doch immer wieder nicht. Als sich das vierte Kind ankündigte, kam die Fürsorge ins Haus und stellte die Eltern vor die schreckliche Wahl: Regina Neumann sollte das vierte abzutreiben oder alle vier Kinder kämen ins Heim. Doch für eine Abtreibung war es bereits zu spät.

Als das Baby – der erste Sohn – zur Welt kam, wurde es direkt vom Krankenhaus weggeholt und ins Heim gebracht. Alfred Neumann sah seine Frau weinend auf der Treppe sitzen – mit einem leeren Kissen auf dem Arm. „Das war der schrecklichste Moment in meinem Leben“, erinnert er sich.

Beim Blauen Kreuz fand Alfred Neumann eine Heimat

Und es war zugleich ein Wendepunkt. Alfred Neumann erkannte: Er muss sein Leben ändern, wenn er nicht alles verlieren.

Doch noch hatte die Sucht ihn im Griff. Bis er auf Klaus Richter traf, damals Assistenzarzt an den Ruppiner Kliniken. Der christliche Psychiater kam gemeinsam mit Neumanns Frau Regina in Alfred Neumanns Stammkneipe, um ihn da rauszuholen. Er bot ihm 50 Mark, wenn Neumann auf die letzte Flasche Schnaps verzichtet. Doch Neumann war noch nicht bereit.

Richter ließ nicht locker. Er schaffte es, Alfred Neumann so zu motivieren, dass der sich in eine christliche Suchtklinik am Krakower See einweisen ließ.

Klaus Richter, heute Bundesvorsitzender des Blauen Kreuzes, hat Alfred Neumann damals aus dem Sumpf gezogen. Er ist heute stolz auf den Senior. Quelle: Dagmar Simons

Dort fand er nach schweren innerlichen Kämpfen _ und es war wirklich ein Kampf“, sagt Neumann – den Weg zu Gott. Er, der zuvor nichts mit Glauben am Hut hatte. „Das war meine Rettung“, sagt er. „Ich bin ein anderer, ein liebevoller Mensch dank Gott.“

Seine Frau und seine Kinder – Sohn Martin durfte wieder zurück ins Elternhaus – haben ihn auf dem neuen Weg begleitet. Für Alfred Neumann war es ein besonderes Erlebnis, als seine Tochter ihrer Lehrerin verkündete lieber zur Christenlehre als zu den Pionieren gehen zu wollen, „weil es zu Hause so schön sei, seitdem Papi nicht mehr trinkt“.

Der Alkoholiker ist jetzt seit 40 Jahren trocken

40 Jahre lang hat Alfred Neumann keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Ein großes Jubiläum für einen wie Neumann, der schon ganz am Ende war. Das wurde kürzlich groß gefeiert. In den Räumen der landeskirchlichen Gemeinschaft in Neuruppin, in denen sich die Sucht-Selbsthilfegruppe „Blaues Kreuz“ regelmäßig trifft, feierten Alfred Neumann und seine Frau Regina die Lebenswende mit über 100 Gästen bei Kaffee und Saft. Alle waren gekommen, selbst der Vorsitzende der bundesweiten Vereinigung der Suchtkrankenhilfe „Blaues Kreuz“, Klaus Richter – sein damaliger Lebensretter.

Drei Enkelinnen des Jubilars bringen ein Ständchen für Alfred Neumann. Quelle: Dagmar Simons

Heute kümmern sich Neumann und seine Frau um andere Alkoholkranke. „Es geht nicht nur darum, fromme Sprüche zu klopfen. Es müssen auch Taten folgen“, sagt Alfred Neumann, den alle nur Ali nennen. Das habe er vom Ehepaar Holmer gelernt, dem Pfarrer-Ehepaar, das 1990 Erich und Margot Honecker im Pfarrhaus Asyl gewährte. Neumanns schlossen sich dem Verein Blaukreuz an und sind für andere bis heute Tag und Nacht im Einsatz – buchstäblich. Wenn jemand Hilfe braucht, sind Neumanns da. „Wir haben immer ein offenes Haus gehabt, auch als das Geld knapp war, weil ich alles versoffen hatte“, sagt Ali Neumann.

Alfred Neumann wird in diesem Jahr 75 Jahre alt

Den Vorsitz der Selbsthilfegruppe hat er inzwischen an Karsten Hülsebeck abgegeben. Alfred Neumann wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. Klaus Richter, heute der Chef des Blauen Kreuz Deutschland, hält große Stücke auf Alfred Neumann, den „Unermüdlichen“. Der führt seine Kraft, vom Alkohol loszukommen, auf seinen Glauben zurück.

Sein Haus in Alt Ruppin hat er so eingedeckt, dass man schon von weitem das blaue Kreuz auf den Dachziegeln sehen kann. Denn dieses Kreuz habe ihm schließlich ein neues Leben geschenkt, sagt Alfred Neumann.

Von Dagmar Simons

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