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Jean Schaffer liebt das Wasser und den Dom
Thema Specials L Landtagswahl 2014 Jean Schaffer liebt das Wasser und den Dom
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12:13 04.09.2014
Wasser, Stahl und den Dom verbindet CDU-Direktkandidat Jean Schaffler mit seinem Leben. Quelle: Jacqueline Steiner
Brandenburg/Havel

Die Wahrscheinlichkeit, Jean Schaffer mit Schlips und Kragen anzutreffen, ist sehr hoch. Schon von Berufs wegen muss der stellvertretende Regionalleiter der Barmer-GEK-Krankenkasse gediegen auftreten. Verstellen muss er sich da nicht. „Na klar trage ich gern eine Krawatte“, sagt der 45 Jahre alte Christdemokrat, den sein römisch-katholischer Glauben erst in die Junge Union und 1995 zur Partei mit dem großen C geführt hat. Bei der Landtagswahl am 14.September ist Schaffer CDU-Direktkandidat im Wahlkreis 17. Er sei stolz auf diese Kandidatur, sagt er.

Seine Kindheit an der mecklenburgischen Seenplatte hat der junge Jean als eine glückliche Zeit genossen. Seine Eltern hätten ihm vieles ermöglicht, ohne es ihm in den Schoß zu legen. Die Wende im Alter von 21 hat Schaffer zwar nicht bejubelt, aber er habe froh verfolgt, wie das „marode System“ verschwand, dessen Grenzen er als aktiver Christ früh gespürt habe.
Jean Schaffer ist gebürtiger Neubrandenburger, 2005 wurde er zum Neu-Brandenburger an der Havel. Der Beruf hatte den Facharbeiter für Datenverarbeitung und Betriebswirt in seine heutige Heimat geführt, wo er mit seiner Partnerin in der Neustadt lebt. Als Treffpunkt mit der MAZ hat er sich den Pfaffe-Kai ausgesucht, weil er dort den Dom sieht, Stahl und Wasser. „Politik ist doch auch im Fluss“, erklärt er.

Seit 2009 Vize-Parteichef

Neun Jahre lang trat Jean Schaffer politisch kaum in Erscheinung. Dabei hatte er sich sofort nach seiner Ankunft in der Stadt im hiesigen CDU-Kreisverband verankert und mitgearbeitet.
Obwohl er schon seit 2009 Vize-Parteichef ist, fiel Jean Schaffer einer breiteren Öffentlichkeit erst in diesem Frühjahr auf. Nach der Kommunalwahl trat er aus dem Windschatten heraus, beerbte Walter Paaschen als Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung und als Landtagskandidat. Der habe ihm „große Schuhe hingestellt“, schmeichelt der Bayern-München-Fan seinem Vorgänger.

Herumeiern oder nicht?

Sie kennen die Ausflüchte von Politikern, die nach ihrem Wunschkoalitionspartner gefragt werden. Die Standardantwort lautet oftmals: Wir müssen sehen, mit wem es die meisten inhaltlichen Übereinstimmungen gibt. Die MAZ stellt Fragen, die Politiker oft ausweichend beantworten. Eiern die Kandidaten unserer Wahlkreise also herum? Prüfen Sie selbst!
Welches Einkommen hätten Sie als Landtagsabgeordneter?
 Jean Schaffer: Ich weiß es nicht. Ich mache es nicht des Geldes wegen.
Erzielen Sie darüber hinaus Einnahmen durch Nebentätigkeiten wie Vorträge, Aufsichtsratsposten oder ähnliches?
 Schaffer: Nein.
Wie viel von Ihrem Einkommen müssten Sie als Landtagsabgeordneter an Ihre Partei abführen?
 Schaffer: Ich glaube fünf Prozent, das ist in den Statuten der CDU festgelegt. Aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie viel genau ich als Mandatsträger abzuführen hätte.
Spenden Sie?
 Schaffer: Ja, zum Beispiel für das Eltern-Kind-Zentrum im Städtischen Klinikum oder das SOS-Kinderdorf.
Welches Amt möchten Sie nach der Wahl am liebsten bekleiden?
 Schaffer: Erst einmal möchte ich Mitglied des Landtages werden. Auf längere Sicht würde ich gern im Vorstand meiner Partei mitarbeiten.
Warum läuft Dietlind Tiemann trotz all ihrer Wahlsiege in der CDU unter Wert?
 Schaffer: Dietlind Tiemann ist kooptiertes Mitglied im Landesvorstand. Weil ihr Terminkalender als Oberbürgermeisterin so voll ist, kann sie dort nicht immer präsent sein. Dann bin ich ihr Vertreter im Landesvorstand.
Mit welcher Partei oder Wählergruppe möchten Sie persönlich eine Koalition bilden nach der Wahl?
 Schaffer: Am liebsten wäre uns die absolute Mehrheit. Aber eine CDU-SPD-Koalition wäre auch ein gangbarer Weg.
Welche Politiker anderer Parteien hätten Sie gern in den eigenen Reihen?
 Schaffer: Wir bräuchten keine Spieler abwerben weil wir mit unserem Ensemble auf kommunaler und auf Landesebene zufrieden sein können. 

Fleiß, berufliches Fortkommen, sich etwas erarbeiten, nicht aufgeben: Das sind Begriffe, die der Enkel sudetendeutscher Auswanderer benutzt und lebt. Er handele ruhig und besonnen, sagt er von sich, er sei konsequent und gradlinig und sage auch, was ihm nicht gefällt. Diese direkte Art bevorzuge er auch bei anderen.
Auch wenn der Einzug in den Landtag als Direkt- oder als Listenkandidat auf Platz 27 alles andere als sicher ist, weiß Jean Schaffer, wo er gern Akzente in der Landespolitik setzen würde. Die bessere Ausstattung von Schulen und Kindergärten, mehr Sinn für Technik an den Schulen möchte er ebenso erreichen wie eine Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau auch im ländlichen Raum.

Ob er zugunsten dieser Ziele angesichts knapper Kassen Straßenbauprojekte wie in Schmerzke hintenan stellen würde, beantwortet der Kandidat weniger gradlinig. So könne man das nicht aufrechnen, sagt er, ohne sein Lebensmotto: „Geht nicht – gibt's nicht!“ zu zitieren. Schulen, Gesundheit, Straßenbau, das seien schließlich ganz unterschiedliche Ausgabe positionen im Landeshaushalt.

Von Jürgen Lauterbach

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