Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Landtagswahl 2014 Christoph Schulze ist Rebell aus Prinzip
Thema Specials L Landtagswahl 2014 Christoph Schulze ist Rebell aus Prinzip
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:12 23.08.2014
Christoph Schulze Quelle: Archiv
Anzeige
Schönefeld

Schon verrückt, das mit dem Flughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald). Ein Betonfriedhof, auf dem man die Vögel zwitschern hört, zwischen verwaisten Bushaltestellen und leerstehenden Parkplätzen. Christoph Schulze, der Flughafen-Rebell, will das noch immer nicht in seinen kahlen Kopf bekommen, nach all den Jahren. Gerade hat er seinen Protesttross wieder fortgeschickt. „Fluglärm macht krank“, stand auf den Schildern, „Empört euch!“. Stimmungsvolle Bilder für die Fernsehkamera. Es ist Landtagswahlkampf. Und die Freien Wähler ringen um jedes bisschen Aufmerksamkeit.

Seit Christoph Schulze der Vereinigung von 110 kommunalen Wählergruppen und Bürgerinitiativen das Ja für seine Spitzenkandidatur zur Landtagswahl gegeben hat, träumen die Freien Wähler vom Einzug ins Potsdamer Stadtschloss. Auf landesweit 3,6 Prozent der Stimmen kamen sie bei den Kommunalwahlen im Mai. Schulze soll sie über die Fünf-Prozent-Hürde hieven – entgegen dem aktuellen Umfragetrend. Der 49-Jährige sitzt seit 1990 im Landtag, er war Mitbegründer der brandenburgischen SPD, für eine Legislaturperiode sogar deren Parlamentarischer Geschäftsführer.

Doch der Querkopf brach mit seiner Partei, die an den Brandenburgern vorbeiregiere. Das ist sein grundsätzlicher Vorwurf. Im Streit um das Nachtflugverbot am BER fühlte sich der Abgeordnete aus Zossen (Teltow-Fläming) endgültig bestätigt. Der SPD erklärte er 2013 seinen Austritt, wechselte in die Grünenfraktion – und gibt nun den Freien Wählern im Wahlkampf ein prominentes Gesicht.

„Die innerparteiliche Demokratie ist kaputt“, sagt Schulze verbittert. Bei den Wählergruppen und Bürgerinitiativen stößt er damit auf großen Zuspruch. Sie fühlen sich nicht vertreten im Parlament, unerhört von den großen Parteien und ohne Verständnis für deren Spielregeln, von den Zwängen der Fraktionsdisziplin bis zum politischen Kuhhandel. In den Kommunalparlamenten sind die Freien Wähler längst eine nennenswerte Kraft. Vor Ort geben sie die nüchternen Pragmatiker, die sich der Sache statt einer Partei verpflichtet fühlen.

Also preisen die Freien Wähler Schulzes „Geradlinigkeit“. Auf Platz zwei der Landesliste folgt die Technologin Iris Schülzke, die Amtsdirektorin von Schlieben (Elbe-Elster), eine „ehrliche Sachwalterin der Bürgerinteressen“, wie sie sich selbst nennt. Es sind die Rechtsanwälte, Diplomingenieure und Berater, die ihren Sachverstand in den Dienst der Wähler stellen wollen.

Den Verfechtern direkter Demokratie fällt es allerdings schwer, ihren Positionen Gehör zu verschaffen. Reicht ein namhafter Spitzenkandidat für den Einzug in den Landtag? Unwahrscheinlich, meinen die Demoskopen. Nach 24 Jahren im Landtag hat Christoph Schulze vorgesorgt. Der angehende Facharzt will sich mit eigener Praxis niederlassen. Vorerst wirbt er um Simmen. Notfalls, indem er, wie in einer Pressemitteilung angekündigt, seinen eigenen Stuhl zur Podiumsdiskussion der IHK Potsdam mitbringt, weil einmal mehr nur die großen Parteien eingeladen sind.

Schulze, der Unbeirrbare, der Wutbürger. Ein Rebell aus Prinzip? Da will er nicht widersprechen. „Es gibt Grundsätze, die ich nicht in Frage stelle. Wer Prinzipien hat, kann zum Rebell werden.“

WAS DIE FREIEN WÄHLER WOLLEN

  • Ihre kommunale Kompetenz wollen die Freien Wähler künftig auf Landesebene einbringen. Sie fordern größere Unabhängigkeit für die Städte und Gemeinden, mehr Geld für Landes- und Kreisstraßen und eine bessere medizinische Versorgung in der Fläche.
  • Der lokalen Wirtschaft soll es durch kleinere Lose bei der Ausschreibung öffentlicher Aufträge leichter gemacht werden. Die Zahl der Kita- und Hortplätze soll vergrößert und der Personalabbau bei der Polizei gestoppt werden.
  • Die Braunkohle sehen die Freien Wähler als Brückentechnologie, den Abstand von Windrädern zu Wohngebieten wollen sie vergrößern.
  • Nach einem Baustopp am BER soll es über den neuen Standort des Flughafens einen Volksentscheid geben.

Von Bastian Pauly

Potsdam MAZ-Serie zur Landtagswahl 2014 - Nils Naber (Grüne) - zurück aus der Babypause

Ausgewählte Direktkandidaten Potsdamer Wahlkreise für die Landtagswahl in Brandenburg am 14. September 2014. Nils Naber ist der Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis 19. Er, der gebürtige Niedersachse, ist seit langen in Potsdam politisch tätig - mit einer kurzen Unterbrechung.

22.08.2014
Dahme-Spreewald Landtagswahl in Brandenburg am 14. September - Johanna Wanka trifft alte Weggefährten

Auf Einladung der CDU-Landtagskandidatin Laura Lazarus kam am Dienstag die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka (CDU), ins  Dorfgemeinschaftshaus  Diepensee. - Ein Heimspiel für Wanka, denn bis 2010 war die CDU-Kreisvorsitzende in Dahme-Spreewald. Ein Interview mit ihr.

22.08.2014

Welche Positionen vertreten die Direktkandidaten zur Landtagswahl in Brandenburg? Der von der MAZ in Auftrag gegebene "Kandidaten-Check" gibt ab sofort Antworten. Eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent der teilnehmenden Direktkandidaten lehnt beispielsweise Stellenkürzungen bei der Polizei ab. In der Frage eines Mindestlohns sind die Direktkandidaten dagegen gespalten.

20.08.2014
Anzeige