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Dietmar Woidke ist der SPD-Spitzenkandidat

Landtagswahl 2014 in Brandenburg: MAZ-Wahlforum im August Dietmar Woidke ist der SPD-Spitzenkandidat

Am 14. September ist Landtagswahl in Brandenburg. Die MAZ stellt in loser Folge die fünf Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien vor. Der zweite Spitzenkandidat ist der amtierende Ministerpräsident: Dietmar Woidke führt die SPD an - und manchmal singt er auch auf Dorffesten.

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Will seine erste Wahl gewinnen: Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke, hier in Wittstock beim „Strohballenfest“.

Quelle: Diederich

Wittstock /Dosse. Ein großer Satz hinauf und Dietmar Woidke steht mitten auf der kleinen Bühne eines Lkw-Anhängers. „Wer von Ihnen war schon einmal auf einem Strohballenfest?“, ruft der 1,98 Meter große SPD-Regierungschef herunter. Als auf den Bierbänken vor der Bühne nur unmerklich gemurmelt wird, löst Woidke auf: „Ich war da auch noch nicht!“

Lautes Gelächter auf dem Hof der Alten Bischofsburg in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin). Kein so schlechter Einstieg für Woidke. Es ist „Strohballenfest“ der SPD – das erste von 14 dieser Art, die der 52-Jährige nun fast täglich absolvieren muss. Es ist Landtagswahlkampf. Ausgedacht haben sich dieses Format die SPD-Strategen. Die Märker seien im Sommer draußen; da müsse Woidke eben hin. Also wird jeweils eine Art Dorffest inszeniert. Und tatsächlich liegen sechs Strohballen vor der Bühne. Hüpfburg, Bratwurst-Grill und Getränkestand sind auch aufgebaut.

Es ist schwül-warm an diesem frühen Montagabend. Die Sonne brennt. Gut 200 Menschen sind gekommen, um Woidke zu sehen. Auf dem großzügigen Areal neben dem Wittstocker Museum des Dreißigjährigen Krieges könnten es schon ein paar mehr sein. Es sei doch Ferienzeit, sagt die lokale SPD-Landtagsabgeordnete Ina Muhß tapfer. 7000 Flyer hat sie mit ihren Leuten verteilt. „Und hundert schriftliche Einladungen.“

Es ist Woidkes erster Tag nach seinem Urlaub, den er in Binz auf Rügen verbracht hat. Seine Rede auf dem Anhänger ist kurz, seine Botschaft einfach: Brandenburg habe sich gut entwickelt, und das soll so weiter gehen. Die Arbeitslosigkeit in der Region habe sich zu 1991 halbiert. Er spricht den Mindestlohn an und die „Bildungsgerechtigkeit“. Dann ist er mit seinem Crashkurs durch das Wahlprogramm der SPD schon durch. „Ich bin auch hier, weil am 14. September Wahl ist“, sagt er dann, bittet um Unterstützung und verlässt schweißgebadet die überdachte Bühne. Es geht nun Schlag auf Schlag. Woidke schüttelt pausenlos Hände und führt Gespräche. Immer wieder muss er für Fotos posieren. Als erstes zerrt ihn aber der Bürgermeister in eine Ecke. Dort stehen die Oldtimer-Stammtischfreunde von Wittstock. Mit ihnen bewundert Woidke die Fahrzeuge: ein alter Volvo, angeblich die Original-Honecker-Karosse sowie ein Trabant P50 aus den 60er-Jahren und ein Barkas B1000.

Doch dazwischen haben sich auch die Anhänger von Bürgerinitiativen gegen Massentierhaltung wie in Groß Haßlow gemischt. Sie hatten sich schon am Eingang aufgebaut, jetzt warten sie auf ihren Moment. Die Gemütlichkeit für Woidke scheint plötzlich vorbei zu sein. „Tun sie etwas, um den Bau dieser Anlagen zu verhindern“, ruft eine Frau. Woidke hört geduldig zu. Die Entscheidung träfen aber die Verbraucher, wirft er ein, was die Umstehenden noch wütender macht. Karl-Heinz Berndt aus Wittstock ist enttäuscht. „Wir brauchen keinen Grüßonkel, der alle Jubeljahre von Potsdam den Weg in die Provinz findet“, sagt er. Eine Frau, die seit Jahren für eine Ortsumgehung in der Region kämpft, meint hingegen, Woidke sei immerhin bereit, über Probleme zu reden. „Er ist eine markante Persönlichkeit“, sagt sie. Ihre Begleiterin wiederum sieht das anders: „Der blockt doch nur ab.“

Woidke zieht weiter, steuert auf eine Bierbank zu, ruft ein kurzes „Hallo!“ in die Runde und setzt sich. Er will ein Ministerpräsident zum Anfassen sein – wie sein Vorgänger Matthias Platzeck. Seine erste Wahl als Ministerpräsident will der Lausitzer aus Forst unbedingt gewinnen. Seit 24 Jahren liegt seine Partei bei Landtagswahlen vorn. Das soll so bleiben. Dafür hat die SPD zuletzt sogar Fehler eingeräumt und ist, wie beim Polizeiabbau, zurückgerudert. Auch andere Streitthemen wie Inklusion oder Kommunalreform wurden verschoben. Das größte Problem dürfte die Mobilisierung der eigenen Anhänger sein. Für den Wahlsieg wirft die SPD alles in die Waagschale. Sie wird das meiste Geld aller Parteien ausgeben.

Der Abend in Wittstock neigt sich dem Ende zu. Das letzte eingeschweißte Bratwurst-Paket wird geöffnet und auf den Grill gelegt. Da passiert es doch noch: Woidke, der bekennende Rolling-Stones-Fan, wird von den „Sugar Beats“, der eigens engagierten Alt-Herren-Combo aus dem Havelland, auf die Bühne gebeten. Jetzt soll er singen. Wahlkampfchefin Klara Geywitz, die ganz hinten steht, verdreht ungläubig die Augen, knurrt nur ein „nicht abgesprochen“ vor sich hin. Doch da ist Woidke schon auf der Bühne, hat sich ein Mikrofon geschnappt. Ein singender Regierungs chef auf Stimmenjagd? Immer, wenn der Refrain einsetzt, presst Woidke mit tiefer Stimme ins Mikrofon „Under the Boardwalk“. Es ist ein alter Stones-Klassiker. Woidke wippt vergnügt mit. Mehr aus sich heraus gehen, mag er aber lieber nicht.

Von Igor Göldner

MAZ-Wahlforum

  • Die Märkische Allgemeine Zeitung veranstaltet am Sonntag, dem  24. August 2014, von 11 bis 13 Uhr ein Wahlforum mit den fünf Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien. Eingeladen sind
    • Dietmar Woidke (SPD),
    • Christian Görke (Linke),
    • Michael Schierack (CDU),
    • Andreas Büttner (FDP) und
    • Ursula Nonnemacher (Grüne).
  • Die Veranstaltung findet in der Versandhalle auf dem MAZ-Gelände in der Friedrich-Engels-Straße 24 in Potsdam statt. Einlass ist ab 10.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
  • Wegen begrenzter Plätze wird um Anmeldung gebeten unter: www.maz-online.de/wahlforum oder veranstaltungen@MAZ-online.de
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