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Landtagswahl 2014 "Wir sondern zu viele Luftblasen ab"
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06:00 10.08.2014
Ursula Nonnemacher, hier am Bahnhof Falkensee (Havelland). Quelle: Julian Stähle
Falkensee

Einmal am Reden, ist Ursula Nonnemacher nur schwer zu unterbrechen. Noch ein neuer Gedanke, noch ein weiteres Detail. Ob Verschuldung der Kommunen, Polizeiabbau oder Verästelungen in der Kommunalpolitik in Falkensee (Havelland) – die 57-jährige einstige Ärztin liebt es, diese Themen ausgiebig zu sezieren. „Ja, ich bin sehr gern im Thema drin“, sagt sie und dass sie es „rasend“ mache, einen Stoff nicht erfasst zu haben. Sie weiß auch, dass sie anderen damit viel zumutet. „Ich werde dann manchmal zu komplex, zu kompliziert“, räumt sie lächelnd ein. Es sei vorgekommen, erzählt Ursula Nonnemacher in ihrem Lieblingscafé in Falkensee, dass sie sich drei oder vier Tage in ihre Dachkammer verkrochen habe, um sich auf eine Rede im Landtag vorzubereiten.

Dort fielen ihre Auftritte auf, je länger die Wahlperiode dauerte. Was sie sagt, hatte stets Hand und Fuß. Dafür wird Ursula Nonnemacher geschätzt – von der eigenen Partei sowieso, die sie im März zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl wählte. Aber auch im Landtag vom politischen Kontrahenten. Trat sie ans Pult, verstummten plötzlich die Nebengeräusche, man hörte der kleinen Frau von den Grünen gern zu.

Eher nüchtern als aufbrausend sind ihre Auftritte, lieber leise und freundlich im Ton als mit dem Holzhammer. Kann sie auch polemisch werden? Sie nippt an der Tasse Kaffee, überlegt einen Moment und sagt dann einen für sie typischen Satz: „Wenn ich polemisch werde, dann auf einem ordentlich fachlichen Hintergrund.“ Die schnellen Sprüche sind nicht ihre Sache. „Wir sondern zu viele Luftblasen ab.“ Es klingt wie ihr persönliches Fazit nach fünf Jahren Opposition im Landtag.

Dorthin hatte es Ursula Nonnemacher im Herbst 2009 verschlagen – auch mit ein wenig Glück. Die Grünen kamen nach 15 Jahren wieder in den Landtag, erreichten 5,7 Prozent. Ihr Listenplatz fünf, den sie sich parteiintern gesichert hatte, reichte aus. Fünf Mandate erhielt damals ihre Partei.

Ihren geliebten Beruf musste sie vorerst an den Nagel hängen. 26 Jahre arbeitete sie im Krankenhaus in Berlin-Spandau – die letzten zehn Jahre im Schichtdienst. Sie war zuletzt Stationsärztin auf einer Intensivstation und fuhr regelmäßig Notarzteinsätze. Im Krankenhaus hatte sie in den 90er-Jahren auch ihren späteren Ehemann Guido Sutthoff kennen gelernt. „Er war in der Notaufnahme, hat die Patienten zu mir gebracht“, erinnert sie sich.

Aufgewachsen ist Ursula Nonnemacher in Wiesbaden. Sie stammt aus einfachen kleinbürgerlichen Verhältnissen. Der Vater Technischer Zeichner, die Mutter Hausfrau, eine „aufrechte Sozialdemokratin“, wie sie gern betont. In Mainz und später Westberlin studierte sie Medizin. Politisch geprägt wurde sie in den 70er-Jahren von der Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung. „Ich habe das als unwahrscheinlich anregend empfunden“, sagt sie. Schon mit 13 Jahren las sie im Konfirmandenunterricht über Che Guevara und die Kubanische Revolution.

Die Grünen, sagt sie, seien über die Jahre stets ihre Partei gewesen. Mitglied wurde sie aber erst 1997. Ein Jahr zuvor war die Familie mit Sohn und Tochter von Berlin ins brandenburgische Falkensee gezogen. Wenig später kam ihr drittes Kind zur Welt, eine Tochter. Ursula Nonnemacher stürzte sich nach einer kurzen Pause in die Kommunalpolitik. Sie war Mitbegründerin des Ortsverbands Falkensee. Schuld daran haben ein bisschen auch die Sozialdemokraten vor Ort. „Die haben meine Politisierung reaktiviert“, sagt sie im Rückblick. Noch heute ärgere sie, wie abfällig die SPD damals auf die Grünen reagiert habe, nach dem Motto: Wir brauchen hier keine Grünen. „Die betrachten das ganze Land Brandenburg als ihren Erbhof“, erregt sich die Grünen-Politikerin. Einiges habe sich heute gebessert, aber vieles halte noch an. Noch heute prägen diese Erlebnisse ihren Blick auf die brandenburgische SPD.

Heute ist das boomende Falkensee, wo Nonnemacher Stadtverordnete und Fraktionschefin ist, eine Hochburg der Grünen. 16,4 Prozent erzielte die Partei bei den Kommunalwahlen im Mai, ein landesweiter Spitzenwert. Davon allerdings können die Grünen, je weiter es von Berlin weg geht, nur träumen. Dass die Landespartei nur eine „Speckgürtel“-Partei sei, will sie aber nicht stehen lassen. „Ja, wir haben große Probleme in der Fläche.“ Es werde aber besser: „Wir wachsen gegen den Trend“, sagt sie und erzählt, dass ihr öfter die Frage gestellt werde: „Warum fahrt ihr ständig das Thema Braunkohle, wo euch in der Lausitz keiner wählt.“ Darauf ist die Grüne natürlich vorbereitet und legt los: Klima und Energie seien grüne Kernthemen. „Davon abzulassen, wäre doch unglaublicher Opportunismus.“

Von Igor Göldner

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