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Freiheit und Ruhe nah beieinander

Mein Verein Freiheit und Ruhe nah beieinander

In der MAZ-Serie „Mein Verein“ stellen wir diesmal den Motorbootclub Potsdam vor. Für die Mitglieder des Vereins ist der Wassersport ein Stück Freiheit. Und auch im Winter ruht das Vereinsleben nicht.

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Von den Stegen des Vereinsgeländes schaut man direkt auf die Hochhäuser von Potsdam-West

Quelle: Verein

Potsdam. Im Herzen von Potsdam, an der Neustädter Havelbucht liegt eine „Barbara“ neben einem „Simon“ und einem „Tilikum“. Das sind aber keine Teenager, die sich auf ihren Handtüchern ausgebreitet haben, sondern Schiffe des MBC, des Motorbootclub Potsdam. Abseits vom Straßenlärm der Breiten Straße, dem Gewusel der Innenstadt und vorbei an diversen Stegen der Oberen Planitz, liegt am Ende der Unteren Planitz das idyllische Vereinsgelände.

Tilikum, zu deutsch bester Freund, ist der Name des Schiffes vom Vereinsvorsitzenden Matthias Hoffmann. Der Weg zum Liegeplatz des schwimmenden Gefährten führt vorbei an der Bootshalle, in der im Winter die Boote auf dem Trockenen liegen und über eine weitläufige Wiese mit Grillecke, einem Badehäuschen und dem gegenüberliegenden Vereinsheim. Mehrere Boote schaukeln im Wasser seicht auf und ab. Bis auf den Zug, dessen Gleise seitlich des Vereinsgeländes entlangführen, stört niemand die Ruhe.

Tilikum – der beste Freund

1958 wurde der Motorsportclub Potsdam mit drei Sektionen gegründet: Automobiltouristik, K-Wagen-Sport und Motorwassersport. 1965 entschied man sich zu einer Teilung, der Motorbootclub Potsdam war geboren. In den folgenden Jahren wurde ein fester und ein schwimmender Steg, eine Slipanlage, mit der Schiffe ins Wasser gelassen werden, und ein Vereinsheim gebaut.

Matthias Hoffmann ist Vereinsvorsitzender

Matthias Hoffmann ist Vereinsvorsitzender.

Quelle: Lisa Neumann

„Das haben wir alles selbst errichtet“, erzählt Hoffmann. Doch das muss auch in Schuss gehalten werden. 20 Stunden muss jedes Vereinsmitglied im Jahr dort arbeiten. Rasenmähen, sauber machen, was anliegt. „Ich bin dann Schriftführerin geworden“, erzählt Birgit Uschgereit. „Etwas selbst bauen liegt mir nicht so.“ Seit über 20 Jahren ist die gebürtige Eisenacherin schon im Verein. Ihr Mann Henry hat sie darauf gebracht. „Er hat mir den Verein gezeigt und das Hobby gefällt mir so gut“, schwärmt sie. Nach der Hochzeit zog Birgit Uschgereit dann von Thüringen nach Potsdam. „Ich finde es toll, dass sie sich so im Verein engagiert“, sagt Henry Uschgereit stolz.

Ein Stück Freiheit auf dem Boot

Der Steg an der Unteren Planitz in der Potsdamer Havelbucht bietet den Vereinsmitgliedern bis zu 50 Bootsplätze. Um Mitglied zu werden, braucht man aber kein Boot, erläutert Hoffmann. Zur Zeit hat der Verein etwa doppelt so viele Mitglieder wie Boote. „Wir haben sogar Mitglieder aus Magdeburg“, erzählt der Vereinsvorsitzende. „Sie kommen dann über ein Wochenende hierher oder in den Ferien“, ebenso wie Gäste, die dort anlegen und die Anlagen nutzen können.

An den Stegen liegen Boote mit einer maximalen Länge von zehn Metern. „Wenn wir die im Winter aus dem Wasser holen, wird es schwieriger, je länger und schwerer die Boote sind.“ Hoffmanns „Tilikum“, eine norwegische Nidelv 26, ist gut acht Meter lang – kein Vergleich zu seinem allerersten Schiffchen. 1972 kauft sich der ehemalige Marinesoldat sein erstes Boot. „3500 Ost-Mark habe ich damals für mein fünf Meter langes Stahlboot bezahlt“, erzählt er. „In der DDR war Wassersport ein Stück Freiheit“ erzählt Hoffmann, der seit 45 Jahren Mitglied im MBC ist. Ein Stahlboot besitzt auch Familie Uschgereit. „Man muss hier und da ein bisschen was machen, aber das macht ja Spaß“, sagt Henry Uschgereit. Neben dem Heimathafen in der Landeshauptstadt verfügt der MBC noch über einen Sommersteg in Glindow (Potsdam-Mittelmark). Das Sommerdomizil des Vereins ist regelmäßig das Ziel von Aus-und Nachtfahrten. „Man fährt nur eine Stunde dahin, das ist ganz schön“, berichtet Hoffmann. Außerdem muss man so nicht an einer Marina anlegen, „wo Steg an Steg und Boot an Boot liegt“, fügt er hinzu.

Beliebte Lichterfahrt

Wie es aussieht, wenn die Bootsfreunde in einem Schiffskorso fahren, kann man bei ihrer Veranstaltung „Potsdam maritim“ sehen. „Das ist wie eine Schnitzeljagd zu Wasser – wir machen auch Spiele“, erzählt Matthias Hoffmann. Bestimme ein Verkehrsschild, binde einen Seemannsknoten oder werfe den Rettungsring besonders geschickt. „Abends fahren wir dann zu einer Lichterfahrt aus“, ergänzt Birgit Uschgereit. Das will auch geübt sein, denn nicht alle Fahrrinnen oder Anlegestellen seien beleuchtet. „Zu sehen ist die nächtliche Orientierungsfahrt am besten gegen 20 Uhr von der Freundschaftsinsel“, berichtet Uschgereit.

Auch im Winter reges Vereinsleben

Wenn man nach einer Ausfahrt oder als Gast in den Hafen einläuft, trifft man auf den Hafenmeister, der sich nur „Schappi“ nennt. Er hat auf dem Gelände wohl den besten Platz ergattert. Von seiner Holzhütte aus schaut er direkt auf die Havelbucht, Potsdam West mit seinen Hochhäusern und genießt die restlichen Sonnenstrahlen. Der Hafenmeister arbeitet erst seit kurzem bei dem Verein, hat aber viel Spaß daran. Er nimmt die neuen Gäste auf, betreut sie bei ihrem Aufenthalt in Potsdam, vergibt Liegeplätze und steht ab und an auch hinter der Bar des Gastraums. „Die haben hier ein reges Vereinsleben“, sagt er. „Auch im Winter.“ „Wir sind eben alle gern zusammen“, erzählt Birgit Uschgereit. Spieleabende, Versammlungen, Weihnachtsfeiern und auch Silvesterpartys zählt sie die Winteraktivitäten auf. „Und die Boote zum Frühling wieder flott machen: Lackieren, Motor kontrollieren, Muscheln vom Rumpf entfernen.“

Ebenfalls als eine „gewisse Art persönlicher Freiheit“ empfindet Birgit Uschgereit das Motorbootfahren. „Man kommt ja überall hin – bis an die Nord-und Ostsee.“ Außerdem habe das Wasser eine beruhigende Wirkung, fügt die Schriftführerin hinzu. Passenderweise heißt ihr Boot „Siesta“, zu deutsch Ruhe.

Gründung

1. März 1958 als Motorsportclub (MC) Potsdam mit drei Sektionen.

21. Februar 1965 Gründung des MBC durch Teilung vom MC.

Vorstand

Matthias Hoffmann (Vorsitzender)

Mario Albrecht (Geschäftsführer)

Christian Selke (Schatzmeister)

Abteilungen

Nur eine: den Motorbootsport

Mitgliederzahl

100

Das älteste Mitglied

Wilhelm Soucek, 87 Jahre.

Er ist darüber hinaus ein Ehrenmitglied. Soucek ist dem Motorwassersport seit 1959 treu.

Die jüngsten Mitglieder

sind 5 Jahre alt

Besonderheiten

Auch im Winter führen die Mitglieder das Vereinsleben aktiv fort: Spielabende, Weihnachtsfeiern und Versammlungen finden dann statt.

Gäste können ebenfalls, für einen kleinen Obolus, im Hafen des Clubs anlegen.

Internet

www.motorbootclub-potsdam.de

Von Lisa Neumann

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