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Sumo-Kämpfer sind bei Dynamo Brandenburg das Aushängeschild

MAZ-Serie: Mein Verein Sumo-Kämpfer sind bei Dynamo Brandenburg das Aushängeschild

In der Serie „,Mein Verein“ stellen wir diesmal die PSG Dynamo Brandenburg vor. Hier gibt es ganz normalen Breitensport in der Frauengymnastikgruppe, aber auch exotischen Sport wie Sumo.

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Die Damen und Herren der Sumo-Riege mit Wolfgang Zuckschwerdt (l.) und Sandra Köppen-Zuckschwerdt (M.).

Quelle: Foto: privat

Brandenburg/Havel. „Wir können nicht duschen“, antwortet Wolfgang Zuckschwerdt ansatzlos auf die Frage, wo denn bei der PSG Dynamo Brandenburg der Vereinsschuh drücken könnte. Als Bundesstützpunkt Sumo kommen die Kämpfer aus Berlin und noch weiter weg. Nach dem intensiven Training müssen die Männer und Frauen verschwitzt ins Auto steigen oder sich in einer für jeden zugänglichen Dusche waschen. „Da ärgert man sich blau“, sagt der Mann, der den 7. DAN im Judo sowie den 5. DAN im Sumo hat, und insgesamt zwölf Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften im Judo gewinnen konnte.

Als das Dynamo-Domizil zu Beginn der 2000er Jahre modernisiert wurde, der sogenannte Stahlpalast, zog der Verein in die benachbarte Kegelhalle um und baute diese zur Kampfhalle aus, nur Duschen gab es dort nicht und dürfen bis heute dort nicht eingebaut werden. Auch wenn der Verein das auf eigene Kosten bewerkstelligen würde. Die Stadt sage Nein zu den Plänen, ärgert sich Zuckschwerdt, seit 1977 Trainer im Verein. „Das ist aber das einzige Problem, was uns unter den Sohlen brennt.“ Alle anderen, im Vereinsleben auftauchenden Schwierigkeiten, würden spontan gelöst. „Wir sind eine gut eingespielte Truppe.“

Körperliche Grenzen ausloten

Zuckschwerdts Frau Sandra Köppen ist ebenfalls eine tragende Säule dieses Vereins, der sich mittlerweile vom Leistungssport im Judo verabschiedet hat, sich mehr dem des Sumo hingibt. Den leistungsorientierten Judo-Wettkampf hat man zu Gunsten des Breitensports aufgegeben. „Jetzt konzentrieren wir uns im Judo auf die Kinder und Jugendlichen, sind Breitensport bezogen und besuchen kleinere Turniere. Im Mittelpunkt steht der Spaß am Sport. In der Gemeinschaft zu trainieren, sein Körpergefühl und körperlichen Grenzen auszuprobieren und einschätzen zu lernen“, erklärt Wolfgang Zuckschwerdt das neue Credo der PSG.

Zu hohen Wettkampfzeiten war erfolgreichste Sportlerin eben diese Sandra Köppen-Zuckschwerdt als zweimalige Europameisterin und mehrfache WM-Medaillengewinnerin und dreimalige Olympiateilnehmerin im Judo (6. DAN). Das Frauenteam im Judo war Fünfte bei den Team-Europameisterschaften, vier mal deutscher Meister und die Jugend war auch einmal deutscher Meister.

Wie die Mutter so die Tochter

1998 folgte die Sumo-Ära. Und auch hier gab es große Erfolge im Verein zu feiern. Siebenfache Weltmeisterin und Europameisterin und World Games Siegerin im Sumo (5. DAN) war die heute 42-Jährige. Jetzt arbeitet sie ehrenamtlich als Trainerin im Verein, im Sumo, aber früher auch gemeinsam mit Töchterchen Marie-Luis Zuckschwerdt in der Kindergartengruppe, wo gemeinschaftlich mit den Eltern allgemeine Beweglichkeit und Koordination im lockeren Spiel geübt werden. Omas und Muttis sind begeistert bei der Sache. „Ab und zu macht auch ein Papa mit“, so Wolfgang Zuckschwerdt.

Aus dem internationalen Geschäft hatten sich die Zuckschwerdts und somit die PSG Dynamo Brandenburg vor gut zwölf Jahren verabschiedet. Dann wurde Tochter Marie-Luis geboren. Sie fand Gefallen am Sumo und gab den Impuls, wieder international tätig zu werden. Der Zuckschwerdt-Köppen-Spross kämpft mittlerweile in der Altersklasse U14/16. Zweimal wurde die erst Zwölfjährige – in ihrer Altersklasse gibt es keine Kämpfe – schon Vize-Europameisterin. Zuletzt gewann sie gemeinsam mit Luca-Leoni Kose von der PSG sowie der Cottbuserin Emily Bieling die Team-Bronzemedaille U16 bei den Kadetten-Europameisterschaften in Warschau. „Ich war viel nervöser als je zuvor“, sagt der Vater, der Marie-Luis nach Warschau begleitet hatte. „Sie zieht uns wieder rein. Unsere Kadetten sind bei den Europameisterschaften sehr erfolgreich. Viele Titel und Medaillen konnten in den letzten Jahren erkämpft werden.“

Der Nachwuchs wird besonders gefördert

Der Schwerpunkt des Vereins liegt also beim Sumo-Nachwuchs. „Wir haben einen Landesleistungsstützpunkt für Kinder und Jugendliche im Sumo, getragen vom Landessportbundes Brandenburg“, erklärt Wolfgang Zuckschwerdt, „und einen Bundesstützpunkt für Jugend und Erwachsene, bei der PSG angesiedelt und getragen vom Deutschen Sumo-Bund. Auch bei den Erwachsenen läuft es. 2017 waren wir mit zwei Sportlerinnen bei den World Games in Wroclaw gut aufgestellt.“

Die Frauengymnastikgruppe der Dynamos ist seit 45 Jahren regelmäßig mit nahezu demselben Stamm von Mitgliedern beim Sport. Viele sind zwischen 60 und 85 Jahre alt. Monika Naesert und Erika Kamrath leiten und lenken diese Gruppe mit Erfolg. Die Volleyballer halten sich mit ihrem Sport fit für den Alltag, verstehen sich aber lediglich als Breitensport-Gemeinschaft ohne Wettkampf-Ambitionen.

Gemeinschaft wird in diesem Verein sehr hochgehalten. Die „alten Hasen“ aus Judo-Bundesliga-Zeiten stehen in ständigem Kontakt miteinander, sind so etwas wie eine große Familie. „Wenn einer Hilfe braucht, bekommt er sie auch“, so Zuckschwerdt. Einmal im Jahr treffen sich die Ehemaligen beim ehemaligen Bundestrainer Norbert Littkopf zur Familienzusammenkunft.

Von Dirk Becker

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